Ostermontag 1996
Die Emmauserzählung des Lukas hat ihren unverwechelbaren Platz. Ostermontag: Es lohnt, Jahr für Jahr, sich mit dieser anschaulichen Ostererzählung auseinanderzusetzen.
Kleopas und sein Freund waren anscheinend auch nach dem Bericht der Frauen über das leere Grab nicht zu bewegen gewesen, in Jerusalem zu bleiben. Sie hielten wohl nicht viel von der Nachricht ( oder den Frauen). Ihnen fehlte dabei, wie es kurz und bündig heißt, der Auferstandene: "... Ihn selber aber sahen sie nicht". Das ist das Thema dieser Erzählung.
So verläßt Kleopas mit seinem Freund Jerusalem. Sie gehen nach Emmaus, 10 km von Jerusalem entfernt: tief enttäuscht und völlig resigniert. Auf diesem Weg lecken sie ihre Wunden, welche die Ereignisse der letzten Tage geschlagen haben. Sie sind stumpf und bitter geworden: für den Unbekannten, der unterwegs zu ihnen stößt und für seine Erläuterungen sind sie unzugänglich. Sie haben ihre Hoffnung aufgegeben: "...wir aber hatten gehofft!". Eindeutige Signale der Verbitterung und Enttäuschung!
Viele unserer christlichen Zeitgenossen heute, jüngere wie ältere, solche, die noch zum Gottesdienst kommen und jene, die schon längst still und unauffällig aus der Kirche ausgezogen sind, machten ähnliche Erfahrungen.
Ein einschneidendes Erlebnis in ihrem Leben stürzte sie in tiefe Verzweiflung: gibt es noch einen gerechten und gütigen Gott? Andere konnten mit ihrem Kirchen - Glauben nichts mehr anfangen und gaben auf. Andere fühlten sich von der Gemeinde im Stich gelassen, allein, ausgestoßen - und warfen ihren Glauben über Bord. Enttäuschte, zerstrittene, stumm nebeneinander her lebende Ehepartner stöhnen: ... wir aber hatten gehofft.
Eltern, die erleben, wie eines ihrer Kinder sich von Kirche und Glauben lossagt, rufen: ...wir aber hatten gehofft. Verbitterte, allein gelassene alte Menschen erleben sich als in ihrem Leben und ihren Hoffnungen Gescheiterte und Verlassene:...wir aber hatten gehofft.
Arbeitslose fragen sich: Wozu bin ich überhaupt da? Werde ich noch gebraucht? Will mich denn niemand?: ...wir aber hatten gehofft.
Die Beispiele dieser Umsonst - Erfahrungen ließen sich fortsetzen. Die Hilferufe, mich ernst zu nehmen, wie jener des Kleopas und seines Freundes: "Wir aber hofften, daß ER es sei, der Israel retten werde!" Sie stehen vor dem Rätsel des Kreuzes. Als der Unbekannte es ihnen aus den heiligen Schriften erläutern will, begreifen sie rein gar nichts. Dennoch bewegen sie ihn, mit ihnen in Emmaus zu Abend zu essen. Beim "Brotbrechen" "gingen ihnen die Augen auf" - und die Herzen. Sie erkennen ihren gekreuzigten und auferstandenen Messias. Sie begreifen den Sinn von Kreuz und Tod! "Brannte uns nicht das Herz, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn erklärte!?"
Da hält es sie nicht mehr auf den Stühlen. Das müssen sie sofort weitersagen. So gepackt sind sie von ihrer neuen Erfahrung und Erkenntnis: "Das mußte der Messias alles erleiden und so in seine Herrlichkeit eintreten!".- Und nun ist Er auferstanden. Wir haben Ihn am Brotbrechen erkannt.
Und in Jerusalem erfahren sie eine zusätzliche Bestätigung ihres wiedergewonnenen Glaubens. Auch die anderen haben den Auferstandenen gesehen. Die Gemeinschaft der glaubenden Freunde trägt sie nun weiter bis in die Zeiten ihres Lebens, wo auch sie das Schicksal ihres Herrn werden erleiden müssen. Die Begegnung mit dem Auferstandenen und die Gemeinschaft beim Brotbrechen gibt ihnen die Sicherheit für die Nachfolge.
Auf dem Weg von und nach Jerusalem
braucht jeder Gefährten und
Freunde:
Mitglaubende
Mithoffende
Mitliebende
!