Das Brot zum Leben

19. Sonntag im Jahreskreis 1997

Es ist eine lange Rede, die uns der Evangelist Johannes da im 6. Kapitel seines Evangeliums zumutet: Die Brotrede in Kafarnaum.

Jesus redet in der Synagoge zu Kafarnaum - und was er sagt, klingt den Zuhörern gar nicht gut in den Ohren. "Die Juden wurden unwillig über Jesus" heißt es schon zu Beginn. Ein unwilliges, murrendes, halsstarriges Volk - So war Israel seit alters her bekannt. Schon die Söhne Jakobs waren unwillig und murrend durch die Wüste gezogen - und murrend und mißmutig hatten sie immer wieder die Rettungstaten ihres Gottes kommentiert.

Denn Gottes Eingreifen in diese Welt ist nicht so, wie wir Menschen uns das wünschen. Wenn Gott handelt, ist es oft nicht so, wie wir das erwartet haben. Auch Israel hätte sich andere Großtaten Jahwes erträumt und gewünscht - an den Fleischtöpfen Ägyptens. Für das, was Gott an ihnen in der Wüste tun wollte, waren sie wie blind!

Und jetzt hier in Kafarnaum: Wieder murrt das Volk - wie damals in der Wüste. Auch die Leute von Kafarnaum haben ihre eigenen Vorstellungen von Gott und ihre besonderen Wünsche an ihn. Dieser Jesus von Nazareth, den sie Prophet nennen, soll gefälligst von den Dingen reden, die sie interessieren! Schließlich hat jeder genug sich ums tägliche Brot zu sorgen - mit allem, was noch so dazu gehört. Natürlich ist auch Gott wichtig - und man ist durchaus auch bereit, etwas für ihn zu tun. Aber nur kein zu großes Risiko. Man muß doch wissen, worauf man sich einläßt!

Die Leute von Kafarnaum wollen wissen, was sie von diesem Jesus zu erwarten haben und was sie dafür leisten müssen: Klare Verhältnisse sozusagen! Dann sind sie durchaus auch bereit, "die Werke Gottes zu vollbringen" - wie sie sagen!

Und nun kommt dieser Jesus und redet von ganz anderen Dingen. Er dreht den Spieß um. Kein Werk ist zu vollbringen. Das einzige, um was es geht, ist der Glaube! Und der ist konkret und präzis: Er bekommt sozusagen ein Gesicht: an den glauben, den Er gesandt hat! Ihm vertrauen! An ihm sein Leben festmachen!

Den Zuhörern in Kafarnaum und anderswo wird allerhand zugemutet. Kaum hat er kapiert: Nicht ums tägliche Brot geht es - sondern um den Willen Gottes. Und der Wille Gottes , das sind nicht die vielen Vorschriften, Gesetze und Werke, sondern worauf es ankommt, ist allein der Glaube - und zwar an den, den Gott gesandt hat - also an diesen Jesus von Nazareth... Und kaum ist der Hörer so weit, vielleicht sogar den Schritt zu wagen, Ja zu sagen, das will ich tun! - da wird ihm und uns noch ein weiterer Schritt zugemutet, nämlich einzugestehen: daß er gar nicht der große Glaubende ist, als der er sich jetzt vorkommt, sondern daß Gott ihn zu diesem Glauben geführt hat: "Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater ihn dazu bewegt!" Wer nicht vom Vater geführt wird, wer sich nicht führen läßt, wer sich nur auf sich selbst verlassen will, dem geht´s wie den Vätern in der Wüste: die waren zwar von Gott geführt, er hatte auch für sie gesorgt, mit Wasser aus dem Felsen und Brot vom Himmel: doch das Manna war ihnen fad geworden und die Führung durch Gott brachte sie nicht schnell genug ans Ziel, das sie sich erträumt hatten; und so haben sie "das Manna gegessen und sind doch gestorben".

Jetzt steht das murrende Volk in Kafarnaum wieder am Scheideweg - und muß entscheiden, auf wen es setzen will: Wieder gibt ihnen ein Prophet eine göttliche Weisung, wieder bekommen sie Brot vom Himmel - und doch hat sich etwas Entscheidendes verändert: dieser Prophet in Kafarnaum, dieser Rabbi aus Nazareth, ist mehr als nur Rabbi und Prophet: Er ist "vom Himmel gekommen", "er hat den Vater gesehen", "er kommt von Gott her"! In Ihm hat Gott nun ein Gesicht bekommen - für uns. Wer an ihn glaubt, "hat das ewige Leben"!

Solche Rede klingt den Leuten von Kafarnaum hart in den Ohren, sie paßt nicht in ihre Vorstellungen, und so fällt sie Ihren Vorurteilen zum Opfer: Sie "wurden unwillig über Jesus!" Sie meinen das, was sie hören, können sie nicht annehmen. Sie wollen selber bestimmen, was Gott ihnen zu sagen hat.

Sind das nur die Leute aus Kafarnaum? Damals vor 2000 Jahren? Oder sonstwo auf der Welt? Sind das nur die Juden, die so denken? Was unterscheidet uns von Jenen? Sind nicht auch wir wie unsere Väter alten und neuen Bundes, denen das Brot vom Himmel in der Wüste des Lebens angeboten wird? Das Leben wird uns angeboten, der Weg dorthin gezeigt. Wir aber merken nicht, wo´s lang geht und holen uns den Tod.

Heute wird auch uns gesagt. "Wer das Brot ißt, das vom Himmel herabkommt, stirbt nicht." Der Tod wird ihn nicht erreichen. "Wer von diesem Brot ißt, wird leben in Ewigkeit".

ER - unser Herr -
an dessen Tisch wir jetzt sitzen -
er weist uns den Weg -
er ist unser Brot -
er hat sich für uns hingegeben -
er gibt sich uns heute:

Damit wir leben!


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