Atem Gottes - Heiliger Geist

Pfingstmontag 1998

Wir alle haben unsere Lieblingslieder. Auch in der Kirche. Eines meiner Lieblingslieder ist: "Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr". Man kann es so schön einatmend und ausatmend singen und dann ausklingen lassen in dem dankbaren Satz: "Du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete".

Wir atmen. Alle. Immerzu. Auch nachts. Auch wenn wir mit allem anderen (Tun) aufhören. Auch wenn unser Körper ganz ruhig ist. Er atmet: ein und aus. Still und ruhig und regelmäßig. Ohne daß wir es merken.

Doch dann sind da auch die Stunden, wo wir "atemlos" werden. Gehetzt und eilig. Oder wir "halten den Atem an", weil uns angst und bange wird. Wie gut tut uns eine "Atem-Pause", Auszeit für Leib und Seele.

Bei unserem Sprachlehrer in der Theologischen Ausbildung haben wir (leider) nicht viel gelernt. Das war auch meine eigene Schuld. Doch ein schönes Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe hat er uns beigebracht:

Im Atemholen sind zweierlei Gnaden:
Die Luft einzuziehen,
sich ihrer Entladen,
Jenes bedrängt,
dieses erfrischt,
so wunderbar
ist das Leben gemischt!

Solange wir leben, atmen wir. Solange wir atmen, leben wir. Atmen, das ist das erste Lebenszeichen eines Neugeborenen. Atemstillstand Anzeichen des Todes.

Die Bibel kennt für Geist und Atem nur ein Wort (ruach/pneuma / spiritus). Gottes Geist und Atem mache den Menschen lebendig, erzählt uns die Schöpfungsgeschichte. "Nimmst du ihnen den Atem, so schwinden sie hin und kehren zurück zum Staub der Erde. Sendest du deinen Atem (Geist) aus, so werden sie alle erschaffen, und du erneuerst das Antlitz der Erde", singt der Psalm. Jesus beatmet seine Jünger am Osterabend und macht sie so zu neuen Menschen: "Er hauchte sie an und sprach: "Empfangt den Heiligen Geist".

Du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete" - Gottes Geist - Kraft, die Hoffnung gibt!

Ein Hymnus aus dem Stundengebet fällt mit ein:

Geist - Wind - Woher kommt Du?
Wohin gehst Du? -
Du machst uns frei
zu Kommen, zu gehen - an diesem Tag
für dieses Leben
Atem Gottes
Geist - Wein
Du machst uns trunken
du machst uns mutig -
Wir stoßen an:
Brüder, Schwestern -
an diesem Tag,
für dieses Leben.
Atem Gottes
Geist - Same
Du keimst im Schoß der Jungfrau,
treibst Knospen
aus dem alten Stamm
Wir wachsen -
an diesem Tag
für dieses Leben
Atem Gottes.

Ungewohnte Bilder und Worte. Das läßt aufhorchen. Atem Gottes: Gott hält die Welt in Atem. Gott hält mich im Atmen. Du bist mein Atem, wenn ich zu Dir bete.

"Wenn dir ein Licht aufgeht, sag nicht:
Das ist der Heilige Geist.
Wenn in dir ein Feuer brennt, sag nicht:
Das ist der Heilige Geist.
Wenn dir die Ohren brausen vor Glück, sag nicht:
Das ist der Heilige Geist.
Wenn dein Gesicht hell wird, damit andere sehen;
Wenn dein Feuer andere wärmt;
Wenn deine Ohren brennen von der guten Nachricht;
die andere froh macht, dann kannst du sagen:
Das ist der Heilige Geist.

"Gottes Geist - Kraft, die Hoffnung gibt" - das ist uns als Thema gegeben für 1998 auf dem Weg ins Dritte Jahrtausend. Der Atem Gottes will der Welt ein neues Gesicht geben. Jesus Christus verbürgt uns, daß er nicht mehr aus der Welt zu schaffen ist. Gottes Geist will in uns atmen, unaufhörlich. Laßt uns auf ihn einschwingen mit dem Gebet des heiligen Augustinus:

"Atme in mir, du Heiliger Geist, daß ich Heiliges denke,
Treibe mich, du Heiliger Geist, daß ich Heiliges tue,
Locke mich, du Heiliger Geist, daß ich Heiliges liebe,
Stärke mich, du Heiliger Geist, daß ich Heiliges hüte
Hüte mich, du Heiliger Geist, daß ich das Heilige nimmer verliere."


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