"Hellhöriger für Zwischentöne"

15. Sonntag im Jahreskreis

In einem Meditationskurs äußerte sich ein Teilnehmer skeptisch über die vorgeschlagenen Übungen: Maria habe doch wohl auch kaum täglich trainiert, um den Engel des Herrn empfangen zu können! Die Botschaft war eindeutig: Entweder kommt der Engel oder ich sitze vergebens da.

Mir fiel dazu Erich Fromms "Kunst des Liebens" ein, in dem ich gerade wieder einmal las. In der Tat: Du kannst all die gut gemeinten Ratschläge noch so viel üben. Ohne die Begegnungen mit einem entsprechenden "Du" bleibt alle Sehnsucht unerfüllt. Doch umgekehrt gilt auch: Wer nicht lieben kann, bleibt sitzen.

Ich kann mir zwar den Himmel nicht verdienen, doch auf Empfang gehen muß ich schon. Entweder bin ich bereit oder der Engel kommt vergebens.

So mancher wird da resigniert abwinken: Empfangsbereit, das waren wir doch von Kindesbeinen an. Was haben uns Erzieher, Eltern, Pfarrer und Professoren nicht alles gelehrt, um unsere "Antenne" auf Gott zu richten: Gebet, Fasten, Nachtwachen, Exerzitien. Doch "es ist umsonst, kein Witz noch Kunst, hilft gegen Gottes Willen", singt ein altes Kirchenlied. Alles war vergebliche Liebesmühe. Wir konnten uns Gott nicht ins Haus holen: Kein Laut, kein Ton, einfach nichts, Totenstille! Nein danke, Herr Pfarrer! Ich höre nichts! Das ist alles!

Die Enttäuschung über einen schweigenden Gott ist heute weit verbreitet - und heilsam! Enttäuschung: das Ende einer Täuschung. Gott ist keiner, der uns auf Bestellung Offenbarungen ins Ohr flüstert. Vielleicht sind wir mit falschen Vorstellungen und Erwartungen in Bereitschaft gegangen: religiöse Fehlanzeige!? Der oft verkündete und erlebte Tod Gottes ist vielleicht die segensreiche Entlarvung eines ungeeigneten Gottesbildes - das schmerzhafte Erleben die Geburtswehen des Glaubens? Die Mühe hat sich ja trotz scheinbaren Mißerfolgs tatsächlich gelohnt. Wir haben unsere Sinne nicht umsonst geschärft. Wir sind hellhöriger geworden: hellhöriger für Zwischentöne, wachsamer für Lügen, genauer in den Beobachtungen des Lebens, aufmerksamer für den Mitmenschen - so ernten wir schon zu Lebzeiten die Früchte unseres Mühens.

Unsere Zeitgenossen, die scheinbar nur noch wenig für ein Jenseits übrig haben, machen sich gerne über uns "Fromme" lustig! Doch ein Menschenleben für eine Ewigkeit, was immer man sich darunter vorstellen mag, ist so unvernünftig nicht! Und wenn der fromme Lebensplan dann nicht auf Kosten der Liebe geht, ja sogar einen verstärkten menschlichen Einsatz auslöst, verdient der Glaube allen Respekt! Kein Mensch bringt seine letzten Kräfte ein, wenn er nicht Hoffnung auf Erfolg hat, nicht einmal ein Heiliger Hoffnung aber ist etwas anderes als Garantie, und so liegt der Unterschied allein in der Entscheidung!

Manche Christen reagieren höchst ungehalten, wenn man sie auf die Unsicherheit ihrer Hoffnung hinweist. "Dann haben wir uns ja umsonst geplagt!" Dabei mischt gelegentlich die Sorge mit, Gott wurde am Ende in seiner unbegreiflichen Gnade ohnehin auch alle Halunken und Faulenzer noch freundlich in sein Reich aufnehmen. Wenn aber der Himmel so höchst ungewiß bleibt, ist es dann nicht klüger, sein Leben fröhlich zu genießen?

Klüger sind sie in der Tat, die "Kinder dieser Welt". Klug genug, im Diesseits fröhlich zu ernten. Doch wer hat eigentlich gesagt, daß der Glaube uns das Leben verleiden müsse? Immerhin geht einer frohen Ernte ja meistens reichlich Schweiß voraus und Anstrengung und Einsatz ist auch etwas Schönes, wenn ein Ziel und Sinn in Sicht ist.

Man kann die Frage am Testfall Gebet erläutern. Wenn Menschen nun noch beten würden, weil sie dadurch Erfolg haben und ihre Gebete in Erfüllung gehen, würde niemand mehr beten. Zwar schwingt eine Sehnsucht immer mit als geheimer Motor unserer Frömmigkeit, aber so einfältig sind wir nicht mehr, auch noch mit einer automatischen Wirkung zu rechnen. Jesus stellt all unser Beten unter den Vorbehalt: "Dein Wille geschehe!" Das macht deutlich, worum es geht: Nicht Gott soll in die Knie gehen, sondern der Mensch.

und Faulenzer noch freundlich in sein Reich aufnehmen. Wenn aber der Himmel so höchst ungewiß bleibt, ist es dann nicht klüger, sein Leben fröhlich zu genießen?

Klüger sind sie in der Tat, die "Kinder dieser Welt". Klug genug, im Diesseits fröhlich zu ernten. Doch wer hat eigentlich gesagt, daß der Glaube uns das Leben verleiden müsse? Immerhin geht einer frohen Ernte ja meistens reichlich Schweiß voraus und Anstrengung und Einsatz ist auch etwas Schönes, wenn ein Ziel und Sinn in Sicht ist.

Man kann die Frage am Testfall Gebet erläutern. Wenn Menschen nun noch beten würden, weil sie dadurch Erfolg haben und ihre Gebete in Erfüllung gehen, würde niemand mehr beten. Zwar schwingt eine Sehnsucht immer mit als geheimer Motor unserer Frömmigkeit, aber so einfältig sind wir nicht mehr, auch noch mit einer automatischen Wirkung zu rechnen. Jesus stellt all unser Beten unter den Vorbehalt: "Dein Wille geschehe!" Das macht deutlich, worum es geht: Nicht Gott soll in die Knie gehen, sondern der Mensch.


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