Freundschaft

Es gibt Dinge im Leben, die kann man nicht kaufen. Das ist eine alte Weisheit. Meist sind es die wichtigsten: das Leben, der Atem, die Stimme, Freundschaft und Vertrauen; Freude, Liebe und Geborgenheit, Verständnis und Vergebung. All dies ist kostbar - und unbezahlbar - ein Geschenk.

Jesus von Nazareth hat den Menschen sehr viel geschenkt: Verständnis, Wärme, Freundschaft - und am Ende sich selbst. Er war ein Mensch, der geben konnte, ohne zu zählen. Er kämpfte, ohne der Wunden zu achten, besonders für jene, die sich selbst nicht helfen konnten.

Jesu hat sich nicht abgefunden mit dem Leid der Menschen, mit der Unerbittlichkeit unserer Selbstsucht, mit der Härte unserer Gesellschaft und religiösen Systeme. Er hat sich nicht abgefunden mit Krankheit, Elend und Tod. Schon gar nicht mit dem Leid, das Menschen ein-ander zufügen. Sein Eintreten für die Würde der Armen, Ausgeschlossenen und Machtlosen brachte ihn immer wieder in Konflikt mit den Mächtigen und Einflußreichen und brachte ihm am Ende das Scheitern und den Tod.

Jesus wählte diesen Weg des Leidens und Sterbens frei-willig und bewußt. Er weiß, gegen das Nein der Ablehnung gibt es nur einen Weg, den Menschen aus seiner Verblendung und Todesverfallenheit herauszuholen, den über das Kreuz. Er will den Tod mit seinen eigenen Waffen schlagen. Indem er sich stellt, besiegt er ihn: ein für alle mal. So öffnet er den Menschen den Weg über den Tod hinaus zu einem neuen Leben, bricht dem Menschen eine Bahn in die Freiheit, wie einst Moses seinem Volk, im Licht der Feuersäule, durch Fluten und Wüste, einen Weg aus der Knechtschaft in die Freiheit.

"Am Abend vor seinem Leiden" versammelt der dann seine Freunde um sich, um mit ihnen das Paschamahl zu feiern, das Mahl der Befreiung, das Israel an die Rettung aus Ägypten erinnert. Diesem jüdischen Befreiungsmahl stiftet er einen neuen Sinn ein. Zu ihm faßt er alles zusammen, was er seinen Freunden für immer vermachen will: Sein heilsprechendes Wort, sein erlösende Handeln, seine ganze sich vertrauende Liebe zu uns Menschen, seinen Tod und seine Auferstehung. Sein ganzes Leben geht ein in die Gestalten von Brot und Wein, als Lebens- und Willensenergie für die Welt. Er verschenkt sich auch an uns, die wir seine Liebe und Kraft ebenso nötig haben, wie die Sünder, Schwachen und Kranken seiner Zeit. Wieder ist es Er, der sich verschenkt und austeilt und keinen dabei ausschließt: "Nehmt und eßt!" Das ist mein Leib, der für euch hinge-geben wird!" Und noch einmal: Nehmt und trinkt alle daraus. Das ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes, mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Tut dies zu meinem Gedächtnis!" Paulus deutet das später so: "Sooft ihr dieses Brot eßt und den Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt".

Dieses Mahl ist zugleich Abschied und Neubeginn. Es schenkt Jesus Hingabe für die Vielen. Es ist die Feier seiner Liebe. Er spricht, er handelt. Er vergibt. Er heilt. Er schenkt Leben. Er ist gegenwärtig - in dem Wein, den er reicht, in dem Brot, das er bricht. Und das selber Gebrochenwerden macht ihm zum Heiland der Welt. Das Kreuz wirft seinen Schatten über das Mahl, denn am Kreuz vollendet sich seine Hingabe an uns und an den Vater. In ihm hat jeder Mensch eine neue Chance, eine letzte Hoffnung auch im Dunkel menschlichen Leides und menschlicher Schuld.

Wir spüren ein dankbares Staunen. Da ist einer, der hinter seinem Schicksal einen Sinn aufleuchten läßt. Da ist einer, der ist seinen Weg gegangen ist, unbeirrbar, weder durch Jubel- noch durch Ablehnung.

Er hat den Kopf hingehalten - für uns.

Er hat sich ans Kreuz gehängt - für uns.

Er hat nicht den Mund gehalten vor dem Geschwätz und der Bosheit dieser Welt.

Er ist eingetreten für die vielen kleinen Niemande und Habenichtse: Jesus von Nazareth, der im Johannesevangelium zu dir und mir sagt: "In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut, ich habe die Welt besiegt!.

Ich habe Dich erlöst. Ich habe den Preis schon bezahlt: die Summe unter dem Strich. Das letzte Wort haben nicht Leid und Tod. Das letzte Wort ist das Leben. Denn ich bin die Auferstehung und das Leben. Ich bin das Wort. Ich spreche mich Dir zu. Im Brot. Im Wein. In der Gemeinschaft. Laß dich beschenken mit meinem Leben. Heute!


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