Es gibt Keinen

25. Sonntag im Jahreskreis 2000 (B)

Rabbi Barunka aus Chusa ging oft auf den Marktplatz von Lapet. Eines Tages erschien ihm dort der Prophet Elia. Rabbi Barunka fragte ihn:" Gibt es unter all diesen Menschenwesen einen einzigen Menschen, der Anteil an der kommenden Welt haben wird ?"

Elia antwortete:" Es gibt keinen." Später jedoch kamen zwei Menschen auf den Marktplatz, und Elia sagte:" Diese beiden werden Anteil an der kommenden Welt haben." Rabbi Barunka fragte die beiden:" Was ist denn euer Beruf?" Sie antworteten:" Wir sind Clowns. Wenn wir jemanden sehen, der traurig ist, dann erheitern wir ihn. Wenn wir zwei Menschen sehen, die sich zanken, versuchen wir, sie wieder zu versöhnen."

Diese kleine jüdische Legende stillt eine grundlegende Frage des gläubigen Menschen: Wer kommt in das Himmelreich? Oder allgemeiner gefragt: Worauf läuft am Ende alles menschliche Tun hinaus? Wer darf auf seine Vollendung hoffen? Die Antwort darauf - aus berufenem Prophetenmund - ist mehr als ernüchternd, geradezu erschreckend, niederdrückend: Keiner kommt ans Ziel. Alle verfehlen den Sinn und die Erfüllung ihres Lebens.

Unwillkürlich muß man an die Bestürzung der Jünger Jesu denken, die auf Jesu klare Worte über den Reichtum erschrocken meinen: "Wer kann da überhaupt noch gerettet werden? Aber auch unsere eigene verharmlosende "Leicht-Gläubigkeit", unsere allzu fraglose Selbstsicherheit gerät da plötzlich ins Wanken.

Aber dann kommt da plötzlich doch noch eine Kehrtwendung: unvermutet wird zwei Clowns das Himmel-reich zuerkannt. Ausgerechnet solchen, die sich ihr kindliches Gemüt bewahrt haben, die aber keiner richtig ernst nimmt, weil sie nur für den Spaß und Zeitvertreib anderer sorgen. Diese beiden sollen Anteil am Himmel erhalten. Aber nicht jene, die fromm leben und beten, die selbstlos, einsatzfreudig, tapfer und treu sind, son-dern jene, die nichts anderes tun, als Traurigen ein Lachen zu entlocken, Tränen abwischen und trocknen. Diese Clowns versuchen, das innere seelische Gleichgewicht wiederherzustellen, Streitende umzustimmen, daß sie ihren Hader und Zank vergessen, durch Versöhnung das zwischenmenschliche Gleichgewicht wiederzufinden. Hier wird die gesamte Welt wieder ins rechte Licht gebracht, ins rechte Lot gerückt. Trauer löst sich auf in Heiterkeit, Streit in Versöhnung. Beides aber kann nur aus tiefstem Herzen kommen, aus der Sehnsucht nach Frieden. Was für einen kostbaren, ja unersetzlichen Friedensdienst diese Clowns auf dem Markt tatsächlich leisteten, begreifen wir , wenn wir auf die eindringliche Mahnung hören und auf die bitteren Klagen achten, die der Jakobus-Brief vorbringt :" Wo nämlich Eifersucht und Ehrgeiz herrschen, da gibt es Unordnung und böse Taten jeder Art." (Jak. 3,16f).

Das ganze Elend von Streit und Zwietracht steht nun vor Augen: hautnahe Alltagserfahrungen. Der Jakobus-Brief ist keine "stroherne Epistel", wie M. Luther meinte, er kennt und nennt realitätsnah die Quellen von Unordnung, Unsinnigkeit, Unfriede: Eifersucht, Ehrsucht, Ehrgeiz, Strebertum. Es ist im Grunde die Sucht nach eigenem Glanz und Ruhm, die das Wohl des anderen und der Gemeinschaft übersieht: Vom Jakobus-Brief wird diese Haltung scharf als eine irdische, eigennützige, teuflische Weisheit gebrandmarkt (v.15), ganz im Gegensatz zu der "Weisheit, die von oben kommt" (v.15):" Sie ist friedlich, freundlich, gelehrig, voll Erbarmen und reich an guten Früchten, sie macht keine Unterschiede und heuchelt nicht (v.17)" Damit meint der Verfasser nicht irgendwelche intellektuellen Fähigkeiten oder angeberisches Wissen, sondern eine Kraft, die von Gott stammt und einem Denken, Handeln und Verhalten bestimmt. Diese wahre Lebensweisheit zeigt sich in der Lebensweise eines Menschen, der sich Jesus zum Vorbild nimmt. Erstens heilig, so dann friedlich und freundlich, gehorsam bereit, Vertrauen zu suchen und zu schenken. zu gehorchen, in dem man aufeinander hört, einander zugewandt ist. "Wo Frieden herrscht, wird von den Friedfertigen die Saat der Gerechtigkeit ausgestreut (v.18)."

Doch diese schönen und hehren Zeilen scheinen weit weg von der Gemeinde - Wirklichkeit zu sein: da "hängt nicht nur der Haussegen schief", von regelrechtem "Kriegen" ist die Rede. Das alles, meint der Brief-Autor, kommt von den Leidenschaften und Begierden, die nur auf die Befriedigung der eigenen Gier ausgerichtet ist.

Wider jedes besseren Wissen und Gewissen, gegen jede Vernunft und Liebe und dazu noch ohne Aussicht auf Erfolg! "Ihr begehrt und erhaltet doch nichts. Ihr mordet und seid eifersüchtig und könnt dennoch nichts er-reichen . Ihr streitet und führt Krieg." (4,2)

Und auch alle Bittgebete fruchten nichts, weil sie nicht aus dem Bedürfnis heraus gesprochen werden, Gutes von Gott zu empfangen und weiterzugeben, sondern "aus böser Absicht" (4,3), um die eigenen Leidenschaften und Bedürfnisse zu befriedigen. Wer könnte hier nicht auch sich selber und unsere Zeit wiederfinden:

Diese harten Klagen und Anklagen machen es in der Tat schwer, noch die "frohe Botschaft " zu ahnen!

Doch geht es - wie bei den Clowns- darum die versöhnliche und zur Versöhnung bereite Grundhaltung des Christlichen wieder in Erinnerung zu rufen, die Lebensweisheit, die sich Jesus zum Vorbild nimmt, die Botschaft vom Frieden auf Erden, welcher der Friede Christi ist. Diesen Menschen, die mit ihrem ganzen Einsatz und ihren begrenzten Möglichkeiten dem dienen, was alle so sehr vermissen und immer neu ersehnen, ist das Himmelreich verheißen.


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