Wie heißt er ?

Fastenzeit - Lesejahr C/2001

"Wie heißt er ?" fragten die Leute neugierig. Und sie tuschelten durch ganz Galiläa und den Jordan entlang:" Wie heißt er, von dem man so tolle Sachen hört ?" "Wer läßt die Blinden sehen, die Tauben hören, die Lahmen gehen, die Toten wieder leben ? Wie ist sein Name ? Und wie ein Geheimtip, bald wie eine Offenbarung, wird sein Name von Mund zu Mund weitergegeben: Jesus.

Ich finde es angebracht, daß wir heute, zu Beginn der Fastenzeit, nichts anderes betrachten als dessen Namen: Jesus - und den Mut finden, heute in die 40 Tage der Wüste hineinzugehen und dort unverstellt auf den zu treffen, der uns dorthin vorausgezogen ist: Jesus und ich - wie steht es mit uns ?

Wenn wir diesen Namen Jesus - noch dazu in hebräischen Buchstaben in den Sand der Wüste hineinschreiben würden, hat er sicher für uns etwas Exotisches. Keiner bei uns kommt auf den Gedanken einem Täufling den Namen Jesus zu geben. In Spanien ist das anders. Da kann ein Bettler im Staub des Straßenrandes sitzen, und, wenn wir ihn fragen :" Wie heißt du ?" sagt er : Jesus.

Auch im alten Israel war der Name recht alltäglich: Jeschua, Jehoschua, Joshua. Darin steht die Erinnerung an das dramatische Geschehen des Einzuges in das Gelobte Land unter Joshua, den Nachfolger Mose. Vor allem aber steht die Silbe "Je" dafür, den unaussprechlichen Gottesnamen gegenwertig zu machen. Gott, der im Dornbusch zu Mose spricht und sich "Jahwe" - manche lesen Jehovc - nennt: Ich bin da. Und im Namen Jesus wird über ihn gesagt : Jeschua: Gott rettet.

Wie ihnen in der Bibel wird Gott nicht in einen Begriff eingegrenzt, sondern, es wird gesagt, was er tut !

"Ich werde dasein, ich werde euch retten !" Ein Gott auf den wir uns verlassen können, der uns stolpernden Menschen unter die Arme greift, der sich verschenkt. Wir können nur ahnen, was in diesem Jesus-Namen alles drinsteckt. Als Maria vernahm: Du sollst ihn Jesus nennen, versteht sie schlagartig, was das heißt. Es ist ein Programm. Einerseits kommt darin Jesus aus dem Volk, in dem viele so heißen. Andererseits bricht in ihm Gott so einmalig in die Geschichte der Menschen ein, daß jetzt jeder aufbrechen muß, wie in den Zeiten des Mose: Den Menschen, die tausendmal verkrustet und müde den Ruf Gottes abschütteln wollen, schickt er "den Sohn" und sagt: Nenne ihn Jesus ! Und unzählige, die am Straßenrand der Gesellschaft lagen, unzählige, mit denen keiner etwas zu tun haben wollte, schrieen:" Jesus, Sohn Davids, erbarme dich unser. Du bist der Gott, der mich rettet. Du holst mich vom Müllabladeplatz und gibst mir eine neue Chance". Und sie ließen sich nicht zum Schweigen bringen.

"Kein anderer Name", sagt die Schrift, "ist euch gegeben, weder im Himmel, noch auf Erden, als dieser eine !"

Jesus, die neue Formel für Gott ? Nein, die Tat Gottes an uns !

Der Glaubende, der "über Gottes Großtaten" nachsinnt, gehört mit dem Namen Joshua, wie gesagt, in die Zeit, als Gottes Volk die Wüste hinter sich ließ, den Jordan überschritt und das verheißene Land betritt. Und wenn nun heute jener junge Mann aus Nazareth in die Wüste hineingeht, 40 Tage die Wüste aushält, dann sagt uns dies, daß mit dem Leben dieses Mannes der große Umweg Israels eingeholt wird.

Er hätte kurz sein können, der Weg von Ägypten nach Palästina. Heute, mit dem Flugzeug, dauert er 30 Minuten, mit dem Bus ein paar Stunden. Damals war er lang, 40 Jahre und keiner von denen, die aufbrachen, betrat das Land. Mit Ausnahme Joshuas. Auch Mose durfte nur von Ferne das Land sehen, das blühend aus der Wüste heraufleuchtete. Den Schritt über den Jordan tat er nicht. Joshua tat ihn. Darin ist eine Botschaft verschlüsselt. Und nun bricht wieder einer aus der Wüste auf, tut den Schritt, und löst das Problem, das kein Dichter und kein Philosoph bewältigen konnte, zerreißt den Vorhang des Tempels, der zuvor tabu und undurchdringlich war und bringt uns Gott so nahe, wie keiner vor und nach ihm !


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