Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft Ökologie e.V., Postfach 1305, 76502 Baden-Baden
Ausverkauf und Vermarktung oder Erhaltung und Pflege?
Umdenken tut not
DIE GLOSSE:
Geniale Erfindung für ehrgeizige Politiker
Zitat
OB Ulrich Wendt
B3-neu - Die Straße in das "Badische
Ruhrgebiet" ?
So darf es nicht weitergehen!
Rettet den Illgenberg!
Der Garten -
Ort der leisen Töne
Bürger klagen:
[ Übersicht ]
BADEN-BADEN, diese ungewöhnliche Wortwiederholung, hat einen einzigartigen Klang in der Welt. Daraus erwächst eine Verpflichtung gegenüber dem historischen Erbe unserer Stadt. Doch an die Stelle einer pfleglichen Fortentwicklung trat der Zeitgeist des schnellen Profits. In ihrer 75jährigen Geschichte mußte die Ortsgruppe der Badischen Heimat immer wieder der zunehmenden Zerstörung des charakteristischen Stadtbildes entgegentreten, oftmals vergebens: "Jeder Einbruch zerstört ein Bild von einzigartiger Schönheit, das nicht zuletzt um seiner Seltenheit willen kostbar ist." (Rudolf Gustav Haebler). Mit der Blüte des Glücksspiels und der Hotellerie, mit den Investitionen der reichen Emigranten und Ruheständler wurde ein Stadtwesen gebildet, das in seiner um 1900 gefundenen Form selbst den zweiten Weltkrieg überdauerte. Steht nun der Ausverkauf, bundesweit veröffentlicht, auf der Tagesordnung?
BADEN-BADEN verfügt über eine Stadtlandschaft im vollen Sinne des Wortes. Die Besucher möchten die Reize, den Flair dieser Stadt und ihrer grünen Umgebung erfahren. Stattdessen haben die neuerbauten Wohn- und Geschäftshäuser, der Leopoldsplatz, eine verfehlte Verkehrspolitik, Einzel- und Lobbyinteressen das Gesicht dieser Stadt verletzt bzw. seine Attraktivität vermindert. Welchen Grund gibt es denn noch, speziell in Baden-Baden zu verweilen oder zu urlauben?
DIE BADISCHE HEIMAT vermißt ein ästhetisches Bewußtsein und den politischen Willen zur konsequenten Erhaltung und Bewahrung des historischen Erbes. Der Unmut der Bürger rührt oftmals von der schleichenden Beschädigung des Stadtbildes her. Investieren wir in die Mehrung der Lebensqualität, kommt dies nicht nur den Bürgern zugute. Die Besucher und Gäste werden Baden-Baden wieder mit Erholung, Kultur und Geschichte in Verbindung bringen. Ist dies eine zu "einfache Marketingstrategie"? DIE BADISCHE HEIMAT fordert seit den 50er Jahren ein klares Konzept zur Erhaltung des bestehenden Stadtbildes. Wir hoffen auf eine Gesamtanlagen-Schutzsatzung nach dem Denkmalschutzgesetz. Das Kapital Baden-Badens sind doch gerade seine geschichtsträchtigen Bauten und Plätze, seine Parks, seine Quellen, der Wald...
Es muß doch für die Kommunalpolitik Pflichtaufgabe sein, dieses Kapital zu bewahren. Wirtschaftliche Zwänge sollen an dieser Stelle nicht verschwiegen, Baden-Baden und das, was die Stadt ausmacht, dürfen ihnen aber nicht geopfert werden. Schnell ist der Ast, auf dem wir alle sitzen, abgesägt.
DIE BADISCHE HEIMAT als Denkmals- und Naturschutzvereinigung unterstützt alle Bestrebungen, die den Menschen und die Natur in den Mittelpunkt des Interesses stellen. Die Umweltzerstörungen fordern grundlegende Überlegungen über den Sinn des Lebens. Jeder Einzelne ist aufgerufen, der Gedankenlosigkeit und der Bequemlichkeit entgegenzutreten: Der Schutz unserer Denkmäler geht mit dem Respekt vor der Natur als unserer Lebensgrundlage einher.
(Dieter Bäuerle, Vorsitzender des Ortsvereines der Badischen Heimat)
Von dieser Notwendigkeit sprechen viele. Auch der baden-württembergische Umweltminister Harald B. Schäfer. Er sagte am Hornisgrinde-Gipfel "immer größer, immer schneller, immer mehr" habe keine Zukunft mehr, da es zu immer mehr Artenschwund und Landschaftsverbrauch führe. Haben das seine Parteifreunde in der SPD-Fraktion im Baden-Badener Gemeinderat bedacht, als sie der Hotelbauplanung am Balzenberg zugestimmt haben? Dieses Lieblingskind unseres Oberbürgermeisters, das nach seiner Auffassung Baden-Baden einen neuen Aufschwung bescheren soll, wird mit 394 Betten doppelt so groß sein wie Brenner's Park Hotel, Badischer oder Europäischer Hof. Die Übergröße läßt sich nur verwirklichen, wenn rund 12.000 Quadratmeter Landschaftsschutzgebiet geopfert werden. Wie verträgt sich das mit der Tatsache, daß die Hotelbetten seit Jahrzehnten nur zu etwa 40% Prozent ausgelastet sind? Derzeit ist die Belegung sogar noch schlechter!
40 Jahre sind vergangen, seit Theodor Heuss die Natur als Gegengewicht gegen die Ängste und Unruhe des Herzens und gegen den kalten und harten Glanz laufender Maschinen bezeichnet hat, zu der wir zurückfinden müssen, um aus dem Höllenkreis heraus in eine bessere Zukunft zu finden. Haben wir diese Zukunft seither gefunden, oder haben wir sie weiter gefährdet? Weshalb handeln Politiker nicht so, wie sie reden? Ist dieser Widerspruch zwischen Worten und Taten einer der vielen Gründe für die wachsende Unzufriedenheit der Menschen, für die Politikverdrossenheit, für das abnehmende Vertrauen zu den Parteien?
BÜRGERFORUM stellt sich die Aufgabe, dem Umdenken zum Durchbruch zu verhelfen. Jedefrau und jedermann sind aufgerufen, hierbei mitzuwirken. Rufen Sie uns an, wenn Sie glauben, uns Hinweise geben zu können, oder - noch besser - greifen Sie zur Feder, schreiben Sie einen eigenen Beitrag. Wenn die politischen Parteien versagen, muß die Bürgerschaft handeln. Fangen Sie aber bitte auch an, Ihr eigenes Verhalten zu ändern. Nur wenn wir gemeinsam handeln, werden wir zu besseren Lösungen kommen, um die dringend nötige Umkehr zu schaffen.
(Dieter Rauch, AG Ökologie Baden-Baden)
Ehrgeizige Politiker sind dann erfolgreich, wenn ihr Bildnis dem Wählervolk dauernd unter die Nase gerieben wird: Bei Empfängen, Jubiläen, der Einweihung einer Bedürfnisanstalt sowie bei anderen Gelegenheiten. Jedoch muß das jeweilige Pressephoto den nach Höherem strebenden Politiker nicht realistisch, vielmehr als Idealgestalt vermitteln - als einen lauteren, um das Volk besorgten, bürgernahen Menschen. Im Bilde sollte er aber stets Mittelpunkt und nicht Randfigur sein.
Hilfreich bei dieser Unternehmung erweist sich die geniale Erfindung eines Photosensors. Dieses winzige, mit Elektronik vollgestopfte Ding besitzt zwei bemerkenswerte Eigenschaften: Zum einen macht es den photohungrigen Politiker auf jede Kamera im Umkreis von einem Kilometer aufmerksam und leitet ihn dorthin. Zum anderen befähigt es ihn, per Digitalanzeige das Zentrum des künftigen Bildes vorwegzubestimmen und sich die Mittelpunktposition zu sichern.
Folglich vermag sich beispielsweise eine blumenbewehrte Stadträtin, die einem Ehepaar zur Eisernen Hochzeit gratuliert, inmitten der Jubilare so zu postieren, daß sie auf dem Pressephoto als gesicherter Mittelpunkt erscheint, während die Jubilare nur noch als dekorative Randerscheinungen fungieren.
Mit dem Photosensor lassen sich nicht nur verpaßte Photogelegenheiten und unangenehme Überraschungen ausschließen, sondern auch gravierende Halswirbelschäden vermeiden. Denn leider gilt die Aufnahme allzuoft anderen Personen, so daß dem Politiker die Gefahr droht, lediglich mit seiner rückwärtigen Partie in die Kommunalgeschichte einzugehen. Da hilft denn auch die anatomisch bemerkenswert schnelle Drehung des Kopfes um 180 Grad nicht allzuviel, weil die Umstellung der 08/15-Mimik auf die photogene Hochform nicht immer zeitgleich gelingt.
Unser Baden-Badener Oberbürgermeister ist da besser dran, denn er besitzt einen so untrüglichen Sinn für die rechtzeitige erfolgreiche Mittelpunktsicherung, daß selbst das malaiische Königspaar lediglich als flankierende Dekoration erscheint. Er dürfte einer der seltenen Politiker sein, die auch ohne das kleine Gerät stets mit traumwandlerischer Sicherheit den ersehnten Platz im zentrum finden.
Ein ehrgeiziger Politiker, der sich für höhere Aufgaben berufen fühlt, darf sich in den Medien nicht so geben, wie er ist. Vielmehr muß er sich so zeigen, wie es seine Klientel für angemessen hält: Vor dem Sterbebette Goethes ernst ergriffen, im Tierheim zärtlich zu einem verwaisten kummerbefalteten Dackel, fürsorglich gütig an der Seite einer Hundertjährigen und mit angeknipstem, sonnigem Lächeln bei allen Standartsituationen. Auf jeden Fall aber der Mittelpunkt der Welt. Das ist er sich und dem Volke schuldig.
(Till Eulenspiegel)
Es sagte OB Wendt anläßlich seiner Bewerbung um den Oberbürgermeisterposten zu einem Passanten in der Fußgängerzone:
(Mark Twain: "Voraussagen sollte man unbedingt vermeiden - besonders solche über die Zukunft.")
Ganz offensichtlich ist es der Plan unserer Politiker, die Oberrheinlandschaft verkehrstechnisch auf eine übermäßig verdichtete Industrieregion hin zu entwickeln. Der Regionalflughafen Söllingen ist dafür genauso ein Indiz wie der geplante Bau der B3-neu. Diese soll nach dem Wunsch unseres OB an den Murgtalzubringer anschließen. Ulrich Wendt übersieht in diesem Zusammenhang großzügig, daß im "Landes-Entwicklungsplan" erstmalig der Ökologie und dem Umweltschutz Priorität eingeräumt worden ist. Und die Ökologie wiegt gerade in dem Gebiet zwischen Haueneberstein und Sandweier, das die B3-neu zerschneiden würde, schwer. Wir haben hier - einzig in der Gemarkung Baden-Baden - ein Gebiet größter ökologischer Bedeutung. Der hohe Grundwasserstand bringt eine äußerst empfindliche und schützenswerte Flora und Fauna hervor. Nach dem Bau der B3-neu blieben von diesem Naturschutzgebiet schmale, von einer breiten Straße getrennte Streifen übrig. Das Naturschutzgebiet wäre zerstört, ein Stückchen Artenvielfalt wieder einmal dem Asphalt geopfert worden. Dies alles in einem Gebiet, das mit L67 (Oos - Haueneberstein - Kuppenheim), B500, B36, B3, Autobahn, Bundesbahn und Schnellbahntrasse eine extrem hohe Verkehrsdichte aufweist. Es ist nicht nur ökologisch unvertretbar, sondern auch absolut unökonomisch, unsere Steuergelder in diesem Bereich zu vergraben. Zusammen mit anderen Vereinigungen schlagen wir deshalb schon lange vor: Die B3 mit der B500 und der B36 zu bündeln und so den Verkehr ohne Ortsdurchfahrten nach Rastatt zu leiten.
Das hätte ganz offensichtliche Vorteile:
Warum lehnt unser OB auch nur einen Probelauf dieser Maßnahme ab, obwohl er wissen müßte, daß erfahrene Straßenbauplaner mit der B3-neu "in vielleicht 15 Jahren" rechnen, wenn überhaupt mit dem Bau begonnen wird. Es müßte ihm doch daran gelegen sein, seinen im Verkehr erstickenden Wählern in Oos und Sandweier Erleichterung zu verschaffen. Sollte der Grund sein, daß unser Vorschlag "zu gut" ist, daß er am Ende gar den Bau der B3-neu überflüssig machen könnte und damit ein Lieblingsprojekt unseres OB vom Tisch wäre?
(Ursula Opitz, "Die Unabhängigen" e.V.)
"Bürger für Baden-Baden" entstand aufgrund breiter Strömungen berechtigten Unmutes, Zornes und verständlicher Politikverdrossenheit. Wir Bürger müssen immer wieder erleben, daß der einzelne mit noch so guten Anregungen oder fundierten Einwendungen nichts erreichen kann. Wir müssen zusehen, wie unsere heil durch den Krieg gekommene Stadt durch selbsternannte Fortschrittsapostel in ihrer Einmaligkeit und in ihrem Flair zunehmend Schaden nimmt - mit negativen Auswirkungen auf Wirtschaft und Lebensqualität.
In erstaunlicher Naivität oder mit kalter Berechnung wird dabei dasjenige mit den falschen Etiketten "fortschrittlich" oder 'jugendlich" versehen, was von Meinungsmachern als "in", als "modisch" oder "modern" reißerisch verkauft wird. Geschichte und Gegenwart liefern uns viele Beispiele von sendungserfüllten Fortschrittsgläubigen, die in offensichtlicher Selbstüberschätzung nicht mehr gut zu machende Schäden ihres Wirkens hinterließen.
Selbstverständlich darf auch eine Stadt wie Baden-Baden nicht stehenbleiben. Sie kann aber gedeihlich nur aus der Kraft ihrer historischen Wurzeln fortschreiten - unter Wahrung ihrer Eigenart und ihrer atmosphärischen Geschlossenheit, besonders in Kernstadt und Kurbereich. Alles Neue muß organisch aus diesem Grund wachsen. Es darf nicht dem Zufall, dem Profilierungsstreben und dem "Niveau" einzelner Entscheidungsträger ausgeliefert sein.
Als Bewohner dieser Stadt registrieren wir empört, daß nicht nur der einzelne Bürger in den entscheidenden Fragen nichts zu melden hat, sondern sogar die Mehrheit der Ratsmitglieder an der Nase herumgeführt, ja zur Statisterie degradiert wird. Beispiel dafür ist die BKV-Reform. Bei diesem Jahrhundertproblem, welches die Zukunft Baden-Badens dauerhaft bestimmen wird, war der Rat der Stadt ins Abseits verwiesen. Es gab keine begleitenden Ratsbeschlüsse, welche als Handlungsanleitungen für die städtischen Vertreter im BKV-Verwaltungsrat hätten dienen können. Und das wenige, was von dort gefiltert an Informationen zur Ratsmehrheit gelangte, war in einigen Punkten auch noch nachweisbar falsch und irreführend. Folglich fanden die für Baden-Baden schicksalhaften Weichenstellungen ohne Mitwirkung der gewählten Vertreterschaft statt, wurden Millionenprojekte und die Zukunft unseres Kurortes am Rat vorbei und im allerkleinsten Kreise hinter verschlossenen Türen entschieden.
Völlig unverständlich, wie sich die Mehrheit der Ratsmitglieder derart düpieren lassen konnte.
Wir Bürger sind es leid, lediglich die schönste Rose oder Dahlie zu wählen, ansonsten aber als brave Untertanen nur mit dem Kopf nicken zu dürfen. Mancherlei Geldverschwendung, manch teure Fehlplanung wären unterblieben, gäbe es die vielbeschworene Bürgernähe tatsächlich.
"Bürger für Baden-Baden" setzt sich frei von jeglichen Bindungen für Erhalt und Weiterentwicklung unserer schönen Stadt ein und ist bereit und steht für Bürgernähe und Bürgermitwirkung.
Dabei gilt es, couragiert und ungeachtet festzustellender Pressionen hindernde Altlasten wie selbstherrliche, bürgerferne Entscheidungen und einlullendes Polit-Bla-Bla wegzuräumen. Erst auf so gesäubertem Grund läßt sich erfolgreich für das Gedeihen der Stadt und das Wohlergehen der Bürger wirken.
(Prof. Dr. H. Gräbenitz, Bürger für Baden-Baden)
Die Bebauung oder Umgestaltung städtischer oder dörflicher Gebiete ist von den Wertvorstellungen der Bürger abhängig. Da sich die Werte im Laufe der Zeit ändern, müssen auch Bebauungsplanungen veränderten Bedingungen und Bedürfnissen angepaßt werden. Vor 30 Jahren war es üblich, dem Verkehrsfluß absoluten Vorrang einzuräumen. In den Städten und Dörfern wurden die Straßen verbreitert und eine Vielzahl von Ampeln und Verkehrsschildern aufgestellt. Etwa in diese Zeit fällt der Bau des Zubringers in das Herz der Stadt. In Haueneberstein reiften Pläne, die eine Verdolung des ortsbildprägenden Eberbaches vorsahen. Zum damaligen Zeitpunkt wurde dies auch von einem Großteil der Anwohner begrüßt. Auch eine Bebauung des Hauenebersteiner Illgenberges wurde vorgesehen. Nur konnte man aus technischen und wirtschaftlichen Gründen nicht alles auf einmal verwirklichen, was sich nicht unbedingt als Nachteil herausstellte.
Eigentlich hatten die Hauenebersteiner die Bebauung des Illgenberges schon vergessen, als diese Frage im Ortschaftsrat wieder aufgegriffen wurde. In den 60er Jahren geplant, aus technischen Gründen nicht verwirklicht, bei der Eingemeindung von Haueneberstein nach Baden-Baden in den Vertrag aufgenommen, kam er vor einigen Jahren wieder ins Gespräch. Die Stadt Baden-Baden hatte viele der Eingemeindungsvereinbarungen eingelöst, von den größeren Vorhaben fehlte noch die Umlegung des Illgenberges. Und die forderte der Ortschaftsrat nun lautstark von der Stadt ein. Die Stadt machte sich an die Arbeit und stellte neue Pläne vor. Das Problem bei der ganzen Geschichte waren nur die Bürger von Haueneberstein, denn die meldeten sich anders als erwartet zu Wort. Innerhalb weniger Wochen sammelte eine Bürgerinitiative über 800 Unterschriften gegen die Bebauung des Illgenberges. Dem ausschließlichen Vertragsdenken des Ortschaftsrates standen veränderte Wertvorstellungen der Bürger gegenüber. Diese wollten nicht mehr hinnehmen, einem ständig steigenden Autoverkehr ausgesetzt zu sein, der zu einer immer größeren Belastung vor allem für den Dorfkern geworden ist. Sie sahen auch keinen Grund dafür, daß ausgerechnet diese ökologisch wertvollen Streuobstwiesen am Illgenberg in der Vorbergzone des Schwarzwaldes, einer Bebauung geopfert werden sollten, zumal in der Rheinebene genügend Bauland zur Verfügung steht. In ihrer Meinung werden sie inzwischen von Naturschutzverbänden und Städteplanern bestärkt, die dieses Gebiet für eine Bebauung für denkbar ungeeignet halten.
Nur die Hauenebersteiner Ortschaftsräte blieben trotz aller Argumente unbeeindruckt. Bis zum heutigen Tag sind sie mit einer Ausnahme der Meinung, daß der Vertrag von der Stadt Baden-Baden einzuhalten sei. Vertrag ist Vertrag, ganz gleich, ob es den Bürgern gefällt oder nicht. Man hält die Bürger für inkompetent, in einer nach ihrer Meinung rein juristischen Angelegenheit. Doch auch hier haben sich die Wertvorstellungen geändert. Der demokratische Staatsbürger ist mündig und nimmt schon lange nicht mehr ungeprüft hin, was ihm von den Politikern vorgeschlagen wird. Und die Politiker sind irritiert. Der verläßliche Faktor "Kurzzeitgedächtnis der Wähler" gerät ins Wanken. Im Hinblick auf die Bebauung des Illgenberges besteht die Hoffnung, daß die Bürger, die bis zur nächsten Wahl ständig dem Lärm und dem Gestank des täglichen Autoverkehrs ausgesetzt sind, einer derartigen Kommunalpolitik die rote Karte zeigen werden.
(G. Berlinger-Schäfer)
Schonungslos überfallen mich die 6 Uhr Nachrichten am frühen Morgen - meist mit Hiobsbotschaften. Danach ist es das Telefon, der Computer, das Auto und die anderen lauten und drängenden Dinge, die unseren Alltag bestimmen. Wir leben in einer Welt des Lärms und der Hektik; Streß und Umtriebigkeit bestimmen in der Regel unser Leben.
Was hat dies alles mit dem Garten zu tun? Haben wir noch genügend Zeit, auf die Natur zu hören? Können wir noch die Stille ertragen, die leisen Töne im Garten hören? Ich glaube, wir brauchen das Grillenzirpen und Blätterrauschen, denn Naturtöne sind Labsal für die Seele. Der Garten ist der Ort des Rückzugs aus dem Alltagsstreß. Sicher geht es Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, ebenso.
Fördern wir also die natürlichen Vorgänge in unseren Gärten, pflanzen wir mehr Stauden, Gewürzpflanzen und Schattenspender, lassen wir uns im Haus- oder Schrebergarten von der Stille beglücken. Fördern wir die Vielfalt!
Ich glaube, daß nach einem "ruhigen Gartenabend" oder einem "leisen Wochenende" im Grünen der Alltag erträglicher wird. Ich versuche immer wieder, meinen Alltag in stillere Bahnen zu lenken. Wollen Sie es nicht auch einmal versuchen? Ein chinesischer Weiser sagte:
Ruhelos ziehen die Toren dahin, die Grenzen der Welt zu erkennen, den Sinn zu finden und begegnen immer nur sich selbst. Der Weise aber bleibt in seinem Garten, und die Welt kommt zu ihm. (Laotse)
(Grüne Bürgervereinigung Baden-Baden)
Es gibt Bücher, denen man viele Leser wünscht. Eines dieser Bücher ist das mit "Herausforderung Zukunft" betitelte Werk des Clausthal-Zellerfelder Professors Michael Jischa. Mit großem Sachverstand diskutiert und erläutert Jischa die Fragen, deren Lösung oder Nichtlösung die weitere Zukunft dieses Planeten entscheiden wird: Bevölkerungsexplosion, Klimaveränderung, Weltwirtschaftssystem, endliche Ressourcen, Dritte Welt, Technik und Ethik.
Jischa macht klar, daß die Zeiten des "Herumdokterns", der Gewissensberuhigung durch Feigenblattmaßnahmen vorbei sein müssen, wenn es gelingen soll, unseren Kindern - und dies ist die Perspektive, die Jischa immer wieder im Blick hat - eine lebenswerte Erde zu erhalten. Er formuliert in deutlicher Art und Weise Kritik an unserem westlichen Zivilisationsmodell, das die individuellen Freiheiten (oder besser: "Anspruchsunverschämtheiten") bis zur Pervertierung vorangetrieben hat. Im Mittelpunkt der Analyse aber steht das, was Jischa die demographische Falle nennt. Damit ist das jährliche Anwachsen der Weltbevölkerung um 90 Millionen Menschen gemeint. Sollte es nicht gelingen, dieses Wachstum einzudämmen, werden alle Probleme noch einmal proportional zum Wachstum der Weltbevölkerung zunehmen.
Dies alles macht Jischas Buch zu einem "Muß" für kritische Zeitgenossen.
(Michael Wiesberg)
M. Jischa, Herausforderung Zukunft, Heidelberg 1993, DM 48,-
Der rechtsgültige Bebauungsplan Mitteläckerring in Balg soll zum Nachteil des gewachsenen Ortsbildes und der benachbarten Grundstückseigentümer durch eine dichte Mehrfamilienhausbebauung umgeworfen werden. Sehr eigentümlich erscheint in diesem Zusammenhang, daß ein rechtsgültig als Sondernutzungsgebiet (für kulturelle und gesundheitliche Zwecke) ausgewiesenes großes Areal im Interesse zweier Baufirmen (!) als Bauland aufgewertet wird. Ebenso stillos mutet der Bau eines 10-Familienhauses inmitten eines Einfamilienhausgebietes in Varnhalt (Lindenbosch) an. Parteizugehörigkeit und Beziehungen des Bauherrn werden in Varnhalt lebhaft diskutiert.
(Bürger für Baden-Baden)
© Hubert Gassenschmidt 1997