Bürgerforum
Dem Gemeinwohl verpflichtet

Nummer 2, 1. Jahrgang, November 1993

Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft Ökologie e.V., Postfach 1305, 76502 Baden-Baden
V.i.S.d.P.: Dr. Herbert Petri

Namentlich gekennzeichnete Artikel werden vom Verfasser verantwortet.

Ehe wir bekannte Personen und Cliquen von unserer Kritik ausnehmen und unsere Unabhängigkeit aufgeben, verzichten wir auf Anzeigen. Wir lassen uns weder kaufen noch einschüchtern!


OB Wendt und der Ältestenrat legte den Unabhängigen nahe, sich von der Zeitschrift "Bürgerforum" zu distanzieren. Einmal abgesehen von dem etwas seltsam anmutenden Demokratieverständnis des OB und seiner eigenwilligen Einschätzung der Pressefreiheit in dieser unserer Stadt, betonen die Unabhängigen hiermit, voll und ganz hinter dem "Bürgerforum" zu stehen, das eine Plattform der freien Meinungsäußerung in Baden-Baden darstellt.

(Der Vorstand der Unabhängigen e.V.)


Inhalt:

In eigener Sache
Umwelt - Was ist das?
Flugplatz oder Fluch-Platz
Die Glosse: Ruhmestat unseres Oberbürgermeisters
Die Hotelanlage Balzenberg: Eine Fehlplanung
Der Karrierist
Ein reicher Freund
Paracelsus
Einige Gedanken zur "gelben Tonne" in Baden-Baden
Die aktuelle Buchbesprechung: "Cliquen, Klüngel und Karrieren"
Bauwillige schreiten zur (Un-)Tat
Karikatur des 3. Bürgermeisters

[ Übersicht ]


In eigener Sache - Eine leider notwendige Klarstellung

Wenn ihr geschwiegen hättet, wäret ihr klug gewesen! Dieser Erkenntnis der alten Römer sind die Kritiker des "Bürgerforums" nicht gefolgt. Im Gegenteil: Angeführt vom Oberbürgermeister haben sie sich nicht gescheut, uns als Herausgeber des Forums kritisch denkender Bürger unlauterer Machenschaften zu bezichtigen und dabei die Grenze zur üblen Nachrede und Verleumdung zu überschreiten. Das fängt damit an, daß wir - die Arbeitsgemeinschaft Ökologie e.V. - laut BLOEDT irgendein "anonymer Arbeitskreis seien". Die Wahrheit sieht ganz anders aus. Seit 17 Jahren sind wir im Vereinsregister eingetragen und als gemeinnützig anerkannt. Der Stadtverwaltung sind wir durch viele Anregungen, Mitarbeit bei Naturschutzvorhaben, aber auch durch Kritik an Entscheidungen, die wir für fehlerhaft halten, bekannt. Wir haben die Auswilderung von Auerwild durch das Forstamt nicht nur in Gang gebracht, sondern auch jahrelang bezahlt und hierfür 40.000 DM aufgewendet. Zum Flächennutzungsplan haben wir ein ökologisches Gutachten mit dem Ziel vorgelegt, den Flächenverbrauch zu begrenzen. Als Beitrag zu einer sinnvollen Energiepolitik der Stadt betrachten wir nicht nur den von uns gegen erhebliche Widerstände durchgesetzten Bau eines Blockheizkraftwerkes in der Stadtklinik, sondern auch unser Angebot, erneuerbare Energien zu fördern und in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken zu finanzieren.

Angesichts dieser Tatsachen hätte es sich von selbst verstehen müssen, vor der Entfesselung der Kampagne mit uns Verbindung aufzunehmen. Der Wirbel, der das "Bürgerforum" bekannt und interessant gemacht, dem OB jedoch geschadet hat, wäre unterblieben. Stattdessen haben OB Wendt und seine Mitstreiter offenbar geglaubt, uns durch die Unterstellung unsauberer Methoden bei der Anzeigenwerbung unglaubwürdig und mundtot machen zu können. Wenn der OB gründlich gelesen und die "maßvolle Kritik und die nette Glosse über ihn" - das sind seine Worte - ruhig statt zornig bedacht hätte, wäre es zum "BAD-Geflüster: Wahlkampf und dem folgenden Leserbrief-Schlagabtausch nicht gekommen. Bei ruhiger Überlegung hätte er feststellen müssen, daß der Vorwurf der Banken, wir hätten sie getäuscht, völlig abwegig ist. Wie es die Sparkasse dargestellt hat, so haben wir die Ziele des "Bürgerforums" beschrieben: "Überparteilich und unabhängig sollen Ökologie, Denkmal - und Naturschutz in das Bewußtsein der Bevölkerung gebracht werden". Das haben wir getan und jeder Leser kann sich selbst davon überzeugen. Die Glosse, in der wir in spöttisch-humorvoller Art und Weise Kritik an der Sucht der Politiker, stets im Mittelpunkt zu stehen, geübt haben, ändert daran nichts. Kritischer Humor war von jeher die Waffe des Bürgers gegen übertriebene Großmannssucht.

Dr. Brandstätters Erklärung, die "Badische Heimat e.V." fühle sich "ausgenutzt und mißbraucht" beweist zweierlei: Erstens, daß er in die Bresche springen mußte, weil der Vorsitzende sich nicht von uns getäuscht fühlte und zweitens, daß Männermut vor OB-Thronen selten ist. Auch der Ältestenrat hat sich zu einer zumindest fragwürdigen Stellungnahme hinreißen lassen, obwohl nicht alle Mitglieder den Inhalt des "Bürgerforums" kannten. Vor Abgabe seiner Kritik hätte der Ältestenrat darauf bestehen müssen, die Gegenseite zu hören, wie es der Rechtsgrundsatz am Reichsgericht in Leipzig anmahnt: "Eines Mannes Rede ist keine Rede, man muß sie hören alle beede".

(Die Herausgeber)

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Umwelt - Was ist das?

Nun, das weiß doch jeder. Und doch wird dieser Begriff keineswegs von allen gleich verstanden. Mancher meint damit schlicht das, wofür die entsprechenden Ministerien oder das örtliche Umweltamt zuständig sind: Boden, Wasser, Luft und die lebendige Natur. Dies wäre entschieden zu wenig. Andererseits wollen wir den Begriff nicht so weit fassen wie der Biologe. Er versteht darunter ausnahmslos alles, was im Laufe des gesamten Lebens auf ein Individuum einwirkt und das im Zusammenwirken mit unserer genetischen Ausstattung, unserem angeborenen Lebensplan unser Schicksal bestimmt. Dazu gehören nicht nur Klima, Wohnung Ernährung, sondern auch die menschliche Gesellschaft, Erziehung, Tradition, persönliche Lebensweise usw.

Wir können aber Umwelt auch im ursprünglichen Sinne des Wortes begreifen als das, was uns umgibt: die menschliche Nachbarschaft, Häuser, das vertraute Stadtbild, die gewachsene Natur. Ohne Beständigkeit dieser Strukturen können sich Bindungen und Heimatgefühl nicht entwickeln. Wird ein originelles Gebäude abgerissen, ein Jahrhundertbaum geschlagen, so wird dieses Gefühl verletzt. Das gleiche gilt für die Zunahme des Verkehrs und der Mobilität, die trotz mancher Annehmlichkeit auch dazu beiträgt, Bindungen zu lockern und Anonymität zu fördern.

Unser Wohlbefinden hängt in hohem Maße von unserer Umwelt ab. Was liegt also näher, als sich eingehend mit dem Zustand unserer Umwelt zu befassen.

Genau dies ist das Anliegen unserer Zeitung. Bewußt beschränken wir uns auf unseren engeren Lebensraum, vor allem die Gemeinde Baden-Baden. Nicht mit der radioaktiven Gefährdung des Eismeeres oder dem Korallensterben am Barrière-Riff vor Australien werden wir uns befassen, sondern mit dem, was uns unmittelbar betrifft, wofür wir Verantwortung tragen und was wir letztlich bezahlen müssen. Dabei geht es nicht nur um Mark und Pfennig, sondern auch um die Lebensqualität unserer Kinder und Enkel.

(Dr. Herbert Petri)

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Flugplatz oder Fluch-Platz?

Konfusion um Konversion des Flugplatzes Söllingen. Den Bürgern der Gemeinden Hügelsheim, Söllingen und Rheinmünster war im April klar: "40 Jahre Fluglärm sind genug!" Sie hatten sich mit über 90% gegen eine Weiternutzung als Regionalflughafen ausgesprochen. Diese Idee hatte Ministerpräsident Teufel aufleben lassen, indem er dazu die finanzielle Unterstützung des Landes anbot.

Am 7.10.93 informierte die Landtagsabgeordnete, Frau Lazarus, darüber, daß Stuttgart für einen Flugplatz 5 Millionen DM zur Verfügung stellen wolle. Sie wollte mit dieser "Erfolgsmeldung" offensichtlich von Versäumnissen und Mißerfolgen ablenken - denn anders ist eine derartige Naivität und Blauäugigkeit nicht zu erklären.

Zunächst einmal ist festzuhalten, daß die Entscheidung für eine weitere Nutzung als Flugplatz, die auch OB Wendt unterstützt, gegen den eindeutigen Willen der Anwohner der betreffenden Gemeinden durchgesetzt werden müßte. Außerdem gaben die Betreiber der Flugplätze Forchheim und Baden-Oos, die dann geschlossen werden würden, klar zu verstehen, daß sie keinesfalls an einen Umzug nach Söllingen denken. Hinzu tritt die bereits prognostizierte Unrentabilität eines Söllinger Regionalflughafens aufgrund der Nachbarschaft und Konkurrenz zu Straßburg. Die sich beteiligenden mittelbadischen Gemeinden - also auch Baden-Baden - hätten mit beträchtlichen jährlichen Verlusten zu rechnen, die sich neben den Defiziten aus anderen Fehlentwicklungen nur zu Lasten des schon arg geplagten Steuerzahlers decken ließen.

Der Flughafen Söllingen könnte sich aber auch aus einem ganz anderen Grund zum "Fluch-Platz" entwickeln. Auf seiner Fläche tickt eine Zeitbombe immensen Ausmaßes. Im südwestlichen Bereich existiert eine Giftmülldeponie, in der Fässer mit chemischen Kampfstoffen einfach in der Erde vergraben wurden. Ein Versuch der Entsorgung scheiterte 1987, weil die damit betrauten Arbeiter akut erkrankten. Als Konsequenz daraus schüttete man eine Schicht Erde über diesen Giftplatz. Weiterhin sind die Verseuchungen durch die unterirdischen Treibstofftanks und Pipelines zu nennen. Hier sind nicht nur die Erdoberfläche, sondern schon Bereiche der oberen Grundwasserschichten mit Öl durchsetzt. Ebenso wurde zu Feuerlöschübungen jahrzehntelang Treibstoff im Freien entzündet und gelöscht. Dieser Treibstoff ist ebenfalls im Grundwasser nachweisbar.

Seriöse Schätzungen ergaben, daß zur Bewältigung dieser Altlasten nicht einmal einige hundert Millionen DM ausreichen. Da will man uns - unabhängig von der nicht unbegrenzten Haftung des Bundes - allen ernstes eine Gesamtsumme von 5 Millionen DM als Kosten für eine Sanierung unterjubeln. Diese würde allein schon für die Planungen fällig werden. Die Kosten trägt letztlich der Steuerzahler - einschließlich der Verluste aus dem laufenden Flugplatzbetrieb.

Wir Steuerzahler fordern daher von den Politikern, daß vor einem finanziellen Fiasko die Kostenseite gründlich untersucht wird. Dies sollte geschehen, bevor man losgelöst vom Bürgerwillen voreilige und unvernünftige Entscheidungen trifft.

(Rolf Gaßmann, Oberstleutnant a.D., "Bürger für Baden-Baden")

"Möge euch nicht euer Reichtum verlassen, ihr Epheser, daß dann vollends offenbar werde, wie Nichtsnutzig ihr seid."
(Heraklit)

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Die Glosse: Ruhmestat unseres Oberbürgermeisters

Kürzlich verkündete OB Wendt - wie aus der Presse ersichtlich- mit stolzgeschwellter Brust, er habe höchstselbst am Leo mit scharfem Blick eine Lieferung falscher Platten erkannt. Das gibt Till Eulenspiegel endlich die Gelegenheit, unserem Stadtoberhaupt ein hohes Lob zu spenden. Natürlich durfte der OB diese Glanzleistung einer breiten Öffentlichkeit nicht vorenthalten. Zumal, er sich während der persönlichen Leitung des Bauamtes nicht gerade mit Ruhm bekleckerte und sich auch seine "potemkinsche Selbstbeweihräucherung", er habe in dieser Zeit 5 Millionen DM eingespart, als schillernde Seifenblase erweisen dürfte.

Und so kommt ihm die höchstselbige Entdeckung der unpassenden Lieferung gerade noch vor der Abgabe des Amtes an Bürgermeister Zwosta zurecht, um vorausgegangene fragwürdige Leistungen nachträglich mit einem Schimmer hehren Ruhmes nachzuvergolden.

Diese umwerfende Platten-Erkennung ist nachgeradezu von solcher Bedeutung, daß sie unserem Stadtoberhaupt zu einem Ehrenbürgerplatz an der Seite von Bismarck und Adenauer verhelfen sollte. Es wäre zudem die Sache der ihm ergebenen Ratsmehrheit, ihm statt der geplanten Stele ein Denkmal auf den Leo zu setzen, von dem herab er immerdar voller Stolz auf seine Platten schauen könnte.

Oder ist das Ganze so nebulös, wie die angeblich eingesparten 5 Millionen? War der OB vielleicht gar nicht - wie böse Zungen behaupten - der Entdecker der Fehllieferung? Hat ihm sein Selbstdarstellungsbedürfnis eventuell die Grenze zwischen Wunschdenken und Realität verwischt? Oder sollte hier nur ein weiterer Leo-Flop geschickt zu einer Erfolgsmeldung umgemünzt werden?

Sei es, wie es wolle. Gönnen wir ihm doch diesen Triumph! Er hat ihn nötig.

(Till Eulenspiegel)

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Die Hotelanlage Balzenberg: Eine Fehlplanung

Beidseits der Schloßbergtangente sollen ein Hotel und ein medizinisches Zentrum entstehen. Das Hotel wäre mit 394 Betten nahezu doppelt so groß wie die größten vorhandenen Betriebe. Im medizinischen Zentrum sollen täglich zwischen 300 und 500 Personen untersucht und behandelt werden. OB Wendt glaubt, damit dem kränkelnden Kurort neuen Schwung geben zu können und ist mit der Mehrheit des Stadtrates bereit, der Holzmann AG den Eingriff in das Landschaftsschutzgebiet zu erlauben. Wenn tatsächlich ein wirtschaftlicher Aufschwung ausgelöst werden würde, könnten auch wir der Zurückstellung des Naturschutzes zustimmen, zumal es möglich wäre, an einer anderen Stelle einen Ausgleich zu schaffen - zum Beispiel durch die Einbeziehung des Runkewitz-Grundstückes in das Schutzgebiet Lichtentaler Allee.

Entscheidend ist also die Frage, ob eine neue Kureinrichtung am Balzenberg für Baden-Badens Zukunft neue Möglichkeiten schaffen könnte. Leider muß dies eindeutig verneint werden.

Baden -Baden verfügt über 65 Hotels und 5 Sanatorien, die alle nur denkbaren Einrichtungen wie Frei- und Hallenschwimmbäder, Solarium, Fitneßraum, ärztliche Betreuung und Tagungsmöglichkeiten für bis zu 200 Personen anbieten. Es ist absurd, zu behaupten, der Gästekreis des neuen Hotels werde ein völlig anderer sein. Wer das verbreitet, der versteht nichts vom Hotelgewerbe. Dieses Unverständnis zeigt sich auch in der Aussage, daß es "allgemein bekannt sei, daß ein Hotel als Wirtschaftsunternehmen erst ab ca. 160 Zimmern geführt werden kann". Kein einziges der vorhandenen Hotels verfügt über 160 Zimmer, nur fünf haben über 160 Betten. Gerade diese großen Häuser habe Schwierigkeiten, die noch zunehmen werden, wenn die Hotelanlage Balzenberg gebaut werden sollte. Für Baden-Baden wäre es eine Katastrophe, wenn nach Inbetriebnahme eines neuen Großhotels alteingesessene erstklassige Hotels aufgeben müßten.

Nach den bisher vorliegenden Zahlen werden die Hotelbetten in diesem Jahr nur etwa zu einem Drittel belegt sein. Das ist ein ein neuer Minus-Rekord!

In dieser Lage ist es unsinnig und unverantwortlich, die vorhandene Bettenzahl um rund zehn Prozent zu erhöhen. Investitionen, die zu Überkapazitäten führen, sind stets ein Übel. Die Krisen in der Auto-, Stahl- und Maschinenbauindustrie zeigen dies nur allzu deutlich.

Der Bau des Balzenberghotels würde nicht nur für die Hotels und den Handel zu harten Konsequenzen führen, sondern für ganz Baden-Baden. Wer kann das verantworten? Der Oberbürgermeister, der dem Gemeinderat empfohlen hat, den Bebauungsplan zu beschließen, obwohl bekannt war, daß es nicht gelungen ist, einen namhaften Hotelbetreiber ausfindig zu machen? Der Gemeinderat, der dieser Empfehlung folgte, ohne zumindestens den Vorbehalt zu machen, daß vor Baubeginn feststehen muß, wer die Hotelanlage betreiben wird und er hierzu seine Zustimmung geben muß?

Solange das nicht geklärt ist, kann niemand guten Gewissens die Verantwortung tragen.

(Stadtrat Tillman Mayr, Grüne Bürgervereinigung Baden-Baden GBB)

Neueste Meldung: Die Suche nach einem Hotelbetreiber ist nach 3 Jahren (Stand 1996) immer noch erfolglos geblieben.

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Der Karrierist

gehört zu der Gattung der Kriechtiere. Zwar kann sein äußerst biegsames Rückgrat die Stabilität des Körpers nicht gewährleisten, doch hilft dabei seine besonders dicke Haut. Er verfügt über ein ausgezeichnetes Gehör, gepaart mit einem hoch entwickelten Geruchssinn. Seine Ohren stets gespitzt, schnüffelt er mit Vorliebe Dingen nach, die anderen zum Nachteil gereichen. Dabei zeigt er eine Vorliebe für Schlammgruben; denn er braucht den Schlamm, um seine Widersacher zu beschmutzen.

Von höchster Vollkommenheit zeigt sich seine Mimikry. Je nach Situation versteht es der Karrierist, sich jeweils der herrschenden oder aussichtsreichen Machtkonstellation anzupassen. Dabei fällt es ihm nicht schwer, seine Meinung schneller als sein Hemd zu wechseln.

Er schlägt sich stets auf die Seite, welche ihm Vorteile verspricht. Und als Herdentier versucht er in Anbetracht seiner Persönlichkeitsdefizite beizeiten Unterschlupf in einer Partei, einem Verband oder einer mächtigen Clique. Anfänglich dienert er devot als Kofferträger, Zuträger bzw. als Kläffer wider die von den Mächtigen ausgemachten Gegner. Gerade seine Unsicherheit und die zunächst niedrige Position in der Hackordnung machen ihn zu einem besonders giftigen kleinen Wadenbeißer. Das allerdings nur, wenn er besonders starke Herrchen (d.h. die Macht seiner Gruppe) präsent weiß. Auf sich gestellt, zieht er Kopf und Schwanz ein und verkriecht sich.

Mit Urteilen ist der Karrierist zunächst übervorsichtig. Er vergewissert sich erst der Oberen und Mächtigen, um dann, wenn die Sache gut geht, enthusiastisch beizujubeln. Geht sie schief, war er schon immer dagegen und wäscht seine Hände in Unschuld. Ist die Lage für ihn günstig, sägt er vorsichtig am Stuhle derer, vor denen er seine Bücklinge absolvierte.

Kommt eine Sache so richtig in Fahrt, wittert er sorgsam, ob sie auf Dauer Erfolg verspricht, springt bei guter Entwicklung noch schnell auf den letzten Zug des Wagens auf, um sich dann nach allen Seiten sichernd bis zum Führerstand vorzuarbeiten, dabei alle Konkurrenten zurückdrängend oder vom fahrenden Zug stoßend.

Hat er im Wechsel von Speichelleckerei und Intrigen sein Ziel weit vorn erreicht, so kompensiert er seine Defizite und die auf seinem Kriechgang erlittenden Demütigungen durch herrscherlichen Attitüden. Er weiß alles, kann alles und fühlt sich als der Mittelpunkt der Welt. Um sich auf seinem Sitz zu halten, webt er an einem dichten Filz, der ihn hält und der dafür entsprechend belohnt wird. Da er seine Position nicht aus der Kraft einer integren, in sich geschlossenen Persönlichkeit erreichte, wird er sich mißtrauisch und feindselig gegenüber jenen zeigen, die ihm nicht schmeicheln. Infolge seiner aus kaschierter Schwäche erwachsenden Eitelkeit ist er stets geneigt, seine Befugnisse zu mißbrauchen, um sich und den in ihn stützenden Filz an der Macht zu halten.

( Prof. Dr. H. Gräbenitz, "Bürger für Baden-Baden" )

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Ein reicher Freund

hatte Sokrates durch sein prächtiges Haus geführt, das mit Schätzen und allerlei Köstlichkeiten angefüllt war, die man damals haben mußte. Lob erwartend frug er ihn, wie es ihm gefiele. Sokrates aber überraschte ihn mit folgender Antwort: "Lieber Freund, ich wußte gar nicht, wie viele Dinge es gibt, die ich nicht brauche."

Soweit die Anekdote, die durchaus dem Geist des Weisen entspricht.

Das "Bürgerforum" hat einige Bundesministerien gebeten, hierzu Stellung zu nehmen.

Aus dem 'Wirtschaftsministerium" verlautete: "Konsumschädigendes Gerede! Würde seine Meinung Allgemeingut, unser Bruttosozialprodukt würde gewaltig schrumpfen. Ein Fiasko! Die antiken Athener haben dies klar durchschaut und dem Sokrates - leider sehr spät den Schierlingsbecher gereicht." ,

Herr Blüm im "Arbeitsministerium" stöhnte: "Um Himmels willen! Deutschland bevölkert von 80 Millionen Sokrates! Katastrophal! Sie wissen wohl nicht, auf wievielen Arbeitsplätzen Unnötiges produziert wird. Das bedeutet Massenarbeitslosigkeit. Ich nehme sofort meinen Hut!"

Rückfrage aus dem "Ministerium für Wissenschaft und Forschung":
"Wer ist Sokrates?"

Das "Justizministerium":
"Die Ablehnung der Revision des Todesurteiles in letzter Instanz ist korrekt. Das Urteil beruht ja auf dem Tatbestand der Verführung der Jugend. Genau dies ist durch die obige Aussage dokumentiert.
Übrigens sollten alle Schriften des Verurteilen beschlagnahmt werden. Wie bitte? Der hat überhaupt nichts geschrieben? Unglaublich!"

Herr Töpfer vom "Umweltministerium" hingegen wollte Sokrates sofort in der Abteilung "Müllvermeidung" als Propagandist einstellen. "Leider kann ich mich damit im Kabinett nicht durchsetzen", seufzte er hinter vorgehaltener Hand.

Fast hätten wir Bundeskanzler Helmut Kohl vergessen:
"Meine Damen und Herren, ich verstehe sie nicht. Warum regen sie sich denn überhaupt auf? Glauben sie im Ernst, die Meinung eines Weisen würde allgemein angenommen? Sie irren sich, meine Damen und Herren. Das sitzen wir doch aus!"

Beim Verlassen des Gebäudes wurde unser Redakteur von einer verhüllten weiblichen Gestalt angesprochen: "Interessiert Sie meine Meinung?" "Bitte sehr!" "Der Gipfel des Wohlstandes ist überschritten. Wir gehen mageren Zeiten entgegen. Es wird ihnen gar nichts anderes übrig bleiben als Herrn Sokrates nachzueifern. Vielleicht können Sie dies auch bei Ihren Planungen in Baden-Baden berücksichtigen. " "Interessant. Wer sind sie denn?" "Oh, ich bin Kassandras Geist!" "Das hätte ich mir denken können." "Ich weiß, Sie hören meine Prophezeiungen nicht gern. Aber wer hatte am Ende der Geschichte denn recht?", rief die Gestalt im Weggehen.

Und was meinen SIE, liebe Leser und Leserinnen?

(Dr. Herbert Petri)

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Vor 500 Jahren wurde er geboren:
PARACELSUS,

der Schriftstellername des Theophrastus Bombastus von Hohenheim (1493/94-1541), Arzt schwäbisch-schweizerischen Geblüts, dessen unruhiges, abenteuerliches Leben Stoff für manchen Roman lieferte. Er war das Kind einer bewegten Epoche, die am einfachsten durch sein Zeitgenossen zu charakterisieren ist: Kolumbus, Kopernikus (der kurz vor ihm in Ferrara seine Promotion in Medizin beendete), Erasmus von Rotterdam (sein Patient und ihm in Freundschaft verbunden), Fugger (der seine Schriften als geschäftsschädigend empfand) und Martin Luther, dem er vielleicht in Wittenberg zugehört hatte.

Obwohl durchaus nicht frei von Magie, Alchemie, Astrologie und den spekulativen Theorien der damaligen Medizin, lehnte er sich entschieden gegen das sklavische Festhalten an den Lehren der antiken Heilkunst, gegen eine Ärzte-Medizin auf, die sich in erste Linie als Bücherweisheit verstand. Statt dessen forderte er: "...lese, belausche, sammle wieder und wieder alle Künste der Erfahrenen und der Ärzte und erwerbe schließlich die vollkommene Erfahrenheit in allem, was über die Dinge der Natur überliefert worden ist. Nicht meinen, sondern wissen!..." Man findet ihn auf Kriegsschauplätzen, auf den Straßen ganz Europas, auf Märkten, in Bergwerken, in Metallhütten; er lernt bei Badern und Chirurgen, er erprobt die Volksmedizin, hört an vielen Universitäten und lehrt auch selbst an der Universität Basel - sensationell genug - in deutscher Sprache; sehr zum Ärger seiner lateinisch lesenden Professorenkollegen. Deshalb und aufgrund seiner vernichtenden Kritik am Lehrbetrieb wurde er als "Lutherus medicorum", als Ketzer, aber auch als Reformator der Medizin tituliert.

Er ergreift Partei für die aufständischen Bauern, kritisiert die Reformation wie die katholische Kirche. Keine Institution bleibt von seiner scharfen Kritik verschont, so daß er zwangsläufig in Schwierigkeiten geriet und mehr als einmal flüchten mußte.

Und er schrieb und schrieb und schrieb - über Philosophie, Theologie, Astrologie und vieles andere mehr, das ihn bewegte.

Warum gedenkt nun ausgerechnet das "Bürgerforum" dieser originellen Persönlichkeit? Gewiß unterschied sich sein Natur- und Weltverständnis erheblich vom heutigen, aber es zeigte auch erstaunlich moderne Züge. In seiner Schrift 'Von der Bergsucht" wies er den Zusammenhang zwischen langjähriger Arbeit im Bergwerk und der Entwicklung der Steinstaublunge nach, sowie den Einfluß der Umwelt auf die Entstehung der Krankheit. So wurde er zum Ahnherren der Arbeitsmedizin, aber auch der Chemotherapie, der Bäderheilkunde, Psychologie, Naturheilkunde und der naturwissenschaftlichen Medizin wie der Pazifisten.

Mit Schmunzeln sei am Schluß noch vermerkt, daß auch Markgraf Philipp I. von Baden (um 1526) von Paracelsus offenbar erfolgreich behandelt wurde, der undankbare Patient ihm aber die zugesagte fürstliche Entlohnung nicht gewährt habe, "...was meinen feinden ein freud war und ein stichblat wider mich...", wie er später grollte.

Welchen Baden-Badener würde deshalb das schlechte Gewissen plagen, wenn er auf dem idyllischen Paracelsusweg hinter den Bädern lustwandelt?

(Dr. Herbert Petri)

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Einige Gedanken zur "gelben Tonne" in Baden-Baden

Das Duale System mit seinen gelben Tonnen und Grünen Punkten verwandelte die Demokratie innerhalb kürzester Zeit in eine "Müllokratie" und zwar europaweit. Unter der Schirmherrschaft des Bundesumweltministers wird die Bevölkerung einer milliardenteuren Gehirnwäsche unterzogen: Mit dem Begriff Müll sollen nicht mehr negative Aspekte wie "Schmutz, Abfall, Gestank, Rohstoffverbrauch..." verbunden werden, sondern äußerst positiv - 'Wirtschaftsgut, Rohstoffquelle... Motto: Wer ein Produkt mit dem Grünen Punkt kauft, wird damit an der Ladenkasse zum staatlich anerkannten Umweltschützer.

Achtung: Für jede Verpackung mit dem Grünen Punkt bezahlen Sie 4 bis 40 Pfennig mehr. Ein großer Teil der Preissteigerungen, die jede Hausfrau/mann beim täglichen Einkauf feststellen muß, hat ihren Ursprung in den Lizenzgebühren für den Grünen Punkt. Damit finanzieren SIE das Duale System der Industrie.

Übrigens: Das Duale System hat erstaunliche Ähnlichkeiten mit den spätmittelalterlichen "Ablaß-Zahlungen". Damals bot die Kirche den Gläubigen an, sich von ihren Sünden freizukaufen. Heute soll der Grüne Punkt als 'Verpackungs-Pfennig" das schlechte Verpackungsgewissen der Verbraucher lindern. Über das pervertierte "Ablaß-System" von damals ging die Glaubensgeschichte hinweg, dem Dualen System wird kein besseres Schicksal beschieden sein. Der einmal produzierte Müll bleibt in der Welt, denn Geld heilt keineswegs alle Wunden und die Wunden der Umwelt erst recht nicht.

Damals hat es eines Martin Luthers bedurft, um ein neues Zeitalter einzuläuten. In naher Zukunft wird auch unsere Welt der Verschwendung einer neuen Orientierung bedürfen. Die Einführung des "'Dualen Systems" verheißt diese Wende nicht.

Im Gegenteil.

(Wolfgang Jacob)

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Die aktuelle Buchbesprechung:
"Cliquen, Klüngel und Karrieren"

Erwin K. und Ute Scheuchs Studie über den Verfall der Großparteien, Rowohlt - Verlag 1992

Groß ist die Kreativität unserer Volksvertreter, wenn es darum geht, Geldquellen für die Aufbesserung ihres schmalen Salärs ausfindig zu machen. Ihr Einfallsreichtum hat in den letzten Jahren auch in den Medien ein gewisses Echo ausgelöst - wohl auch deshalb, weil innovatives Denken in Politikerkreisen sonst höchst selten anzutreffen ist. Intellektuelle Ausdünnung war und ist als liebgewordene Begleiterscheinung der "geistig-moralischen Wende" allen nur zu gegenwärtig. Immerhin aber konstatierte der "SPIEGEL' eine "verlotterte Republik", geißelte die "ZEIT' das "System Amigo" in Bayern und anderswo, sah die "SÜDDEUTSCHE ZEITUNG" sogar das "bundesrepublikanische System aus dem Ruder laufen" und veröffentlichte "Anmerkungen zu der zunehmenden Raffgier in unserer Gesellschaft".

Was aber ist wirklich dran an der Rede von der "Krise des Parteienstaates", das nicht zuletzt Bundespräsident Richard von Weizsäcker durch seine parteikritischen Äußerungen mit lostrat?

Dieser Frage ging das Kölner Soziologen-Ehepaar Scheuch in ihrer Studie "Cliquen, Klüngel und Karrieren" nach. Abenteuerlich ist schon die Entstehungsgeschichte dieser Studie, die zunächst unter dem nichtssagenden Titel "Parteien und Politiker in der Bundesrepublik (alt) heute - Thesen zu einer strukturellen Erneuerung des politischen Führung" von der Wirtschaftsvereinigung der CDU NRW - die den Scheuchs den Auftrag für diese Untersuchung erteilt hatte - herausgegeben wurde. Kaum aber war die Studie erschienen, da begann die Geschichte der versuchten Unterdrückung von unbequemen Wahrheiten, die die Scheuchs zusammengestellt hatten. Als es nicht gelang, das unbequeme Papier aus der Diskussion zu halten, versuchte man die Scheuchs als "pathologisch" zu diffamieren oder die Studie als ,.unwissenschaftlich" abzuwerten.

Der neuralgische Punkt des politischen Systems in Deutschland, so die Zentralthese der Studie, ist der Berufspolitiker, für dessen Erfolg dreierlei wichtig ist:

  1. Die Unterstützung durch eine Seilschaft (Die sogenannten "Duzfreunde")
  2. Das über die Medien vermittelte Ansehen (Siehe Glosse "Bürgerforum 1")
  3. Ein Kapital von Gefälligkeiten, die in erster Linie dem politischen Gegner, bzw. einflußreichen Bürgern erwiesen wird (Wer denkt hier nicht an den dritten Bürgermeisterposten in Baden-Baden?)

Am Beispiel der Stadt Köln zeigt das Ehepaar Scheuch, daß ein System von Vorteilsnahme nur dann funktionieren kann, wenn der politische Gegner mitzieht. In concreto heißt das, daß man den politischen Gegner bei der Verteilung von Ämtern und Pfründen beteiligt. So wurden in der Stadt Köln öffentliche Ämter zwischen der SPD und der CDU bis in das Jahr 2002 aufgeteilt. Diese Ämter sind in der Regel mit einem Jahreseinkommen von 250.000 - 450.000 DM dotiert...

Scheuchs Analyse zeigte weiter, daß Sachkompetenz für ein Amt keine keine Rolle mehr spielt. Dies ist auch das Resultat eines Leitbildwechsels hin von "harten" zu "weichen Themen", der sich seit 1968 vollzog. Unter "harten Themen" versteht Scheuch Fragen der wirtschaftlichen Entwicklung und der materiellen Versorgung, während "weiche Themen" sich auf die Fragen der Lebensqualität konzentrieren: Soziale Gerechtigkeit, Asylpolitik USW.

Scheuch stellt heraus, daß sich inzwischen bis in die politischen Führungsetagen ein Personal heraufgedienert hat, daß zwar auf der Klaviatur "weicher Themen" zu spielen versteht, nicht aber mit den Herausforderungen "harter Themen" umzugehen weiß.

Darüber hinaus wird die Besetzung von Posten durch wirklich kompetente Fachleute durch den Postenschacher lokaler und überlokaler Cliquen verhindert. Es ist also weniger die zu geringe Bezahlung der Politiker, die angeblich weit hinter der der Wirtschaft herhinken soll , die ein politisches Amt unattraktiv macht. Es ist dieser Sumpf von Filz und Vetternwirtschaft, der viele, deren Fachwissen dringend benötigt würde, abwinken läßt. Die Folge: Der konturlose Populist feiert Triumphe auf der ganzen Linie.

Die Ignoranz und Dickfälligkeit vieler Politiker in "diesem unserem Lande" , die mit diesem "Privilegien- und Feudalsystem" einhergeht, bewirkt, daß in grundsätzlicher Kritik immer häufiger ein "Problem des politischen Marketings" gesehen wird (so beispielsweise Helmut Kohl). Diese Haltung macht allzu deutlich, warum sich immer mehr Bürger und Bürgerinnen in Deutschland von den Parteien, deren Konturen immer verwaschener und undeutlicher werden, nicht mehr repräsentiert fühlen.

Der "Kölsche Klüngel" ist von beispielhafter Natur. Köln ist demnach überall - auch in Baden-Baden.

(Michael Wiesberg)

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Bauwillige schreiten zur (Un-)Tat

Mit der alten Mühle, einer Attraktion und vor allem einem Wahrzeichen Hauenebersteins hat es angefangen. Weil dies damals so gut klappte, weil es so einfach ging, eine wertvolle Idylle und einen wichtigen Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen zu vernichten, sollte es doch nicht so schwer sein, den Illgenberg auch noch zu schaffen, zumal ein (längst überholter) Bebauungsplan vorliegt.

Während Hauenebersteiner Bürger erreicht haben, daß der Eberbach nicht verdohlt wird (womit automatisch das Aus für die vorgesehene Bebauung des Illgenbergs gesprochen war), während sie viel Mühe und Mittel aufwenden, um den alten Ortskern zu erhalten und zu verschönern, während sie sich mit mehr als 800 Unterschriften und zahlreichen Einsprüchen einsetzen, um eindeutig Schlimmes zu verhindern, schreiten die "Bauwilligen" zur (Un-)Tat.

Tatort: Die Baden-Badener Gemeinderatssitzung vom 6. September 1993. Sie war im Kleinformat ein Abbild der feudalen Strukturen in der heutigen Politik. Da werden Vertreter kleinerer Parteien fast grundsätzlich belächelt oder zurechtgewiesen. Da "kämpft" das Stadtoberhaupt OB Wendt für die "BKV-Reform" und einen dritten Bürgermeister und begnügt sich im Falle des an den achten Tagungsordnungspunkt gesetzten Illgenberg mit einem Vermittlungsversuch, weil doch - wie ich schon vor vielen Wochen aus dem wohltemperierten Rathaus hörte - "die Sache längst gelaufen ist". Da macht sich der Stadtrat Kortmann (CDU), ein Befürworter der Bebauung, offenbar ohne nennenswerten Widerspruch mit der Behauptung lächerlich, daß er sich dagegen wende, wenn das "Baurecht auf krumme Tour kaputtgemacht" werde. Da tritt der Fraktionsvorsitzende Liebenstein (SPD) vor und begründet den Vollzug des Bebauungsplans mit "Vertrauensschutz" (was immer das heißen soll). Die Mühe, das Gemeinwohl und die berechtigten Interessen der Bürger gerecht gegeneinander abzuwägen, machen sich wenige der dem Gemeinwohl Verpflichteten.

Den Vogel aber schoß der Hauenebersteiner Ortsvorsteher Lehmann ab. Ungeachtet der von den Bebauungsgegnern vorgetragenen Argumente erteilte er dem vernünftigen Kompromißvorschlag des Stadtrates Bergengruen (FDP) eine Absage: Die Bergengruensche Meinung, so Lehmann, sei identisch mit der von zehn Leuten, die der FDP-Mann "aufgehetzt" habe. Der Hieb saß - allerdings weit unter der Gürtellinie. Und nun ist es natürlich leicht zu behaupten, die Zeitungszitate stimmen so nicht und alles sei sowieso aus dem Zusammenhang gerissen.

(-ey-)

"Mann kann auch in einer Welt, die so verkommen ist wie die unsere, ein lebenswertes Leben führen. Es genügt, daß man denkt, daß man sich nicht verkauft, daß man auf seiner Würde besteht und dem Unwürdigen nicht den kleinen Finger reicht - auch unter Opfern nicht."

(Joachim Fernau, "in dem Hause auf dem Berge")

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Karrikatur

So, den Kleinen werden wir Ruhigstellen

"Der OB... hat ein gestörtes Verhältnis zur Wahrheit. ...Es ist deshalb entscheidend wichtig, den schwarzen Filz als solchen zu benennen und offensiv bei Gesprächen in die Öffentlichkeit zu tragen."

Kurt Liebenstein am 4.10.83

Gehört er als 3. Bürgermeister in Zukunft zum Filz?

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© Hubert Gassenschmidt 1997