Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft Ökologie e.V., Postfach
1305, 76502 Baden-Baden
V.i.S.d.P. Dr. Herbert Petri
Namentlich gekennzeichnete Artikel werden vom Verfasser verantwortet.
Die Indianerrede des Häuptling Seattle
Mogelpackung 3. Bürgermeister
Die
Glosse: "Glückliche Räte"
Aufgelesen...
14.000 Arbeitstage: Die Leistung einer Mutter.
Das Kongreßhausmärchen
Anfang
der Tyrannei
Lebenselement Wasser
Die "Unabhängigen e.V."
Die Selbstbedienung der Parteien aus den Taschen der Bürger
Alemanisches an Oos und Murg
[ Übersicht ]
"Meine Worte sind wie Sterne, sie gehen nicht unter. Jeder Teil dieser Erde ist meinem Volk heilig, jede glitzernde Tannennadel, jeder sandige Strand, jeder Nebel in dunklen Wäldern, jede Lichtung, jedes summende Insekt ist heilig in den Gedanken und Erfahrungen meines Volkes. Der Saft, der in den Bäumen steigt, trägt die Erinnerung des roten Mannes.
Unsere Toten vergessen die wunderbare Erde nie, denn sie ist des roten Mannes Mutter. Wir sind ein Teil der Erde, und sie ist ein Teil von uns. Die duftenden Blumen sind unsere Schwestern, die Rehe, das Pferd, der große Adler - sind unsere Brüder. Die felsigen Höhen, die saftigen Wiesen, die Körperwärme der Ponys - und des Menschen - sie alle gehören zur gleichen Familie.
Glänzendes Wasser, das sich in Bächen und Flüssen bewegt, ist nicht nur Wasser - sondern das Blut unserer Vorfahren. Wenn wir Euch das Land verkaufen, müßt ihr wissen, daß es heilig ist, und Eure Kinder lehren, daß jede flüchtige Spiegelung im klaren Wasser der Seen von Ereignissen und Überlieferungen aus dem Leben meines Volkes erzählt. Das Murmeln des Wassers ist die Stimme meiner Vorväter. Die Flüsse sind unsere Brüder - sie stillen unseren Durst, tragen unsere Kanus und nähren unsere Kinder.
Ich weiß nicht - unsere Art ist anders als die Eure. Der Anblick Eurer Städte schmerzt die Augen des roten Mannes. Er gibt keine Stille in den Städten der Weißen. Keinen Ort, um das Entfalten der Blätter im Frühling zu hören oder das Summen der Insekten.
Die Luft ist kostbar für den roten Mann - denn das Tier, der Baum, der Mensch - sie alle teilen denselben Atem. Der weiße Mann scheint die Luft, die er atmet, nicht zu bemerken. Wie ein Mann, der seit vielen Tagen stirbt, ist er abgestumpft gegen den Gestank.
Ihr müßt eure Kinder lehren, daß der Boden unter ihren Füßen die Asche unserer Großväter ist. Wir wissen, die Erde gehört nicht den Menschen, der Mensch gehört zur Erde. Alles ist miteinander verbunden, wie das Blut, das eine Familie vereint. Was die Erde befällt, befällt auch die Söhne der Erde. Der Mensch schuf nicht das Gewebe des Lebens, er ist darin nur eine Faser. Was immer Ihr dem Gewebe antut, das tut Ihr Euch selber an".
Diese Rede eines Indianerhäuptlings ist eine Mahnung an uns. Auch unseren Vorfahren war die Natur ein Heiligtum. In der Natur sahen sie das Göttliche. Wir müssen aufhören, den hintersten Winkel des Erdballs technisch zu erobern und wirtschaftlich ausbeutbar zu machen und die Natur zu zerstören.
"Gott schläft im Stein, träumt Im Tier, wacht auf im Menschen", sagt ein alter indischer Spruch. Das ist in einem Satz dieselbe Erkenntnis, dasselbe Wissen. Es gibt für uns nur Rettung, wenn wir zurückfinden zu dem tiefen Gefühl: Gott ist überall und der Grund und der Sinn allen Lebens.
(Dieter Rauch)
Die oben In Auszügen zitierte Rede entnahmen wir dem Buch 'Wir sind ein Teil dieser Erde. Die Rede des Häuptlings Seattle". Walter Verlag, Olten/Freiburg i.Br. 1984.
"Soviele widersetzen sich dem Echten und Wahren nur deshalb, weil sie zugrunde gehen würden, wenn sie es anerkennen würden."
(Johann Wolfgang von Goethe)
Die Diskussion um einen weiteren Bürgermeister begann mit der Täuschung von Stadträten und Bevölkerung und dürfte in einem Sumpf von Falschinformationen, Halbwahrheiten und Verschleierungsversuchen enden. Und das nur, weil die Ratsmehrheit nicht willens oder fähig ist, komplizierteren Dingen auf den Grund zu gehen.
Es begann mit der Falschinformation seitens des OB, ein weiterer Bürgermeister würde lediglich 40.000 DM jährlich kosten. Tatsache ist jedoch, daß er mit 300.000 DM jährlich zu Buche schlägt (Gehalt, Repräsentationskosten, hohe Versorgungsrückstellungen, Sekretariat/Sekretärin, Versicherungen etc.). -
OB Wendt, am 13.12.93 im Hauptausschuß nach den tatsächlichen Kosten befragt, schnitt Amtsleiter Steinberg das Wort ab und verstand es, durch rhetorische Ablenkungsmanöver die Beantwortung der Frage zu vermeiden. Das Üble an der Sache ist, daß sich Ratsmitglieder einmal mehr an der Nase herumführen ließen. Im übrigen ist der Trick, die hohen Kosten mit Einsparungen an anderen Stellen zu rechtfertigen, nur geeignet, Räten und Bevölkerung ein X für ein U vorzumachen. Wenn Personalstellen ohnehin überflüssig sind, hat deren Einsparung unabhängig von der Einstellung eines weiteren Bürgermeisters zu geschehen, wie in anderen Gemeinden auch.
Hier wird offensichtlich im Zuge der Ämterpatronage ein unnötiger und sehr kostspieliger Posten geschaffen, der u.a. dazu dient die SPD-Fraktion als Opposition lahmzulegen, das undemokratische Verfahren bei Kongreßhauserweiterung und BKV-Reform abzusichern und die tatsächlichen Kosten vor Räten und Bürgern zu vertuschen.
Wichtiger als eine weitere Bürgermeisterstelle wäre es, das Mißmanagement im Rathaus zu beseitigen. Dazu gehört, Fachleute dort einzusetzen, wo ihre Kompetenz zum Tragen kommt. Gerade dabei zeigen sich gravierende Mißstände. Dem Baufachmann Klein übertrug man Finanzen und Stadtklinik. Statt seiner versuchte sich OB Wendt als Laie in der Leitung des Bauamtes mit entsprechenden Folgen. Auf mehr als merkwürdige Weise bootete man den Fachmann Witte von den Stadtwerken aus. Ihm folgte der Laie Steinberg. Den international anerkannten Kurdirektor Dr. Götz schickte man mit vollem Gehalt nach Hause und ließ das Kurwesen herunterkommen. Nunmehr folgt Bürgermeister Zwosta OB Wendt in der Leitung des Bauamtes, wovon dieser ebensowenig versteht wie sein Vorgänger. Dafür will sich der Laie Wendt im Marketing und in der Kurortpolitik versuchen.
Und wenn OB Wendt öffentlich verkündet, in der Regel sei ein erfahrener Verwaltungschef besser zur Leitung eines Fachdezernates geeignet als ein auf diesem Sektor ausgebildeter Fachmann, dann gilt das nur für jenen seltenen Fall, in dem ein Verwaltungschef über ausgesprochene Managerqualitäten verfügt. In Verkennung dessen glauben die in Parteikarrieren hochgedienten Politiker nicht selten, daß politisches Taktieren, gefälliges Reden und ein Allroundwissen diese Voraussetzung erfüllt und wichtiger als Sachkompetenz sei. Dem ist jedoch nicht so. Denn ein guter Manager verfügt neben fundierter Allgemeinbildung und der Fähigkeit zu kaufmännisch-strategischem Denken über die Einsicht seiner eigenen Grenzen. Infolgedessen holt er sich die besten Fachleute, die zu haben sind, und setzt sie genau dort ein, wo ihre Begabungen und Fähigkeiten am besten zum Tragen kommen. Solche Mitarbeiter finden sich jedoch kaum unter Parteibuchkarrieristen. Ihre Stärke liegt in der aus ihrer Persönlichkeit erwachsenden Eigenständigkeit, aus der wiederum Zielbestimmtheit, Durchsetzungskraft und Kreativität fließen. Ein echter Manager erarbeitet mit seinen Fachleuten in sachbezogener Auseinandersetzung Strategien, Wege, Mittel.
Folglich gilt es im modernen Management, Entscheidungskompetenzen nach unten hin zu verlagern (Re-Engineering). Dazu verhält sich die kostspielige Aufblähung unserer Verwaltungsspitze durch einen 3. Bürgermeister kontraproduktiv. Die Rückverlagerung von Entscheidungsbefugnissen auf die Sachebene motiviert die Mitarbeiter und entlastet die Führungsspitze.
Offensichtlich ist die Einrichtung einer weiteren Bürgermeisterstelle keine sachliche Notwendigkeit. Hier geht es um politische Klüngelei auf Kosten der Bürger. Schließlich ist die von den großen Parteien betriebene Politisierung der Verwaltungen schon so weit gediehen, daß ohne Partei auf mittleren und höheren Ebenen fast nichts mehr geht. Dabei bleiben nur zu oft geeignete Anwärter, die keinen Rückhalt in Cliquen und politischen Seilschaften besitzen, auf der Strecke. Folglich setzt sich mehr und mehr das sich andienende Mittelmaß durch. Unter diesen Umständen sind Außenseiter, denen es um die Sache geht - und mögen sie noch so tüchtig sein - störende Elemente, die ein eingespieltes Räderwerk von gegenseitigen Abhängigkeiten und Gefälligkeiten durcheinanderbringen, besonders dann, wenn sich gute fachliche Kompetenz mit dem Mut der eigenen Meinung verbindet.
Wir werden sehen, wie es Bewerbern um das Bürgermeisteramt ergeht. Z.B. dem parteilosen Herrn Nagel, der ebenfalls über pädagogische Voraussetzungen, wie Herr Liebenstein verfügt, darüber hinaus aber ein Mehr an Erfahrung, Begabung, Engagement auf kulturellem Sektor aufweist und - eine Seltenheit - über nachgewiesene Managerqualitäten verfügt. Auf die kommt es ja wohl - laut OB Wendt - bei der Leitung eines Dezernates vor allem an. Wir sind gespannt, ob dieses Hauptkriterium auch bei einem Bewerber entscheidet, der nicht in politische Seilschaften eingebunden ist.
(Prof. Dr. Gräbenitz, "Bürger für Baden-Baden")
Mich wurmt immer noch die Verschwendung von Geldern beim Millionenflop Leo. Außerdem muß der angeschmierte Bürger auch noch alle Häßlichkeiten erdulden, die das Kunstgenie Herman den Räten und Stadtgewaltigen aufgeschwätzt hat.
Damit sich der unschuldige Bürger z.B. nicht immer wieder über die scheußliche Walfischgräte vor der Post ärgert, mache ich folgenden Vorschlag:
Man setze das Ungetüm schnellstens in eine besser zu ihm passende Umgebung. Am besten "ziert" man damit die Einfahrt der Deponie Tiefloch. Sollten das jedoch unsere fleißigen Müllwerker als Verunstaltung der Deponie empfinden und protestieren, so bietet sich an, das Monstrum (in der Höhe gekürzt) im Ratssaal bei denen aufzustellen, die es so gerne wollten.
Die Mehrheit unserer Ratsmitglieder wird sich vor Glück kaum fassen können. Und wenn glückliche Kühe bessere Milchleistungen erbringen, dann werden noch glücklichere Räte - so hoffe ich - in Zukunft bessere Entschlüsse fassen als die zum Millionengrab Leo.
(Till Eulenspiegel)
Wieder einmal ins Gerede gekommen ist der geschäftsführende Vorsitzende der FDP- Akademie "Friedrich-Naumann-Stiftung", Fritz Fliszar. Fliszar, der als Student Angehöriger der Grazer akademischen Burschenschaft war, wurde laut Pressemeldungen in jüngster Zeit Objekt polizeilicher Ermittlungen wegen des Ankaufes eines sündteuren Dienstwagens aus öffentlichen Mitteln und wegen der "Privatisierung" eines alten Dienstautos. Überdies geriet die FDP-Stiftung in die Schlagzeilen, weil sie in Zeiten der wirtschaftlichen Rezession im exotischen Ausland Schlösser ankaufen wollte. Mit 100 Millionen DM Jahresbudget, über die die Friedrich-Naumann-Stiftung verfügt, läßt sich leicht klotzen...
(BF)
Gott konnte nicht überall sein - deshalb schuf er die Mutter!
Als ich kürzlich die Bodenkammer aufräumte, stieß ich hinter aufgestapeltem Gerümpel auf den Korbstuhl meiner verstorbenen Mutter.
Vom Tage ihrer Verehelichung an führte Mutter den Haushalt, vierzig Jahre lang, das sind 14.600 Tage. Einen Arbeitsurlaub wie Vater ihn hatte, kannte sie nicht. Auch keinen Streik, wie er in vielen Berufsgruppen vorkommt.
Ihre Hauptarbeit verrichtete sie in der Küche. Rund gerechnet bereitete sie 14.000mal das Frühstück, 14.000mal das Mittagessen und ebensooft das Abendessen zu. Obwohl im Laufe der Zeit die Familie kleiner wurde, hat sie hundert Zentner Gemüse gereinigt und 24.000 Pfund Kartoffeln geschält. Ein ganzes Jahr ihres Lebens beanspruchte das Spülen des Eßgeschirrs und der Kochtöpfe: insgesamt 500.000 Bestecke, 100.000 Tassen und Unterteller, 100.000 Suppen- und Eßteller, 28.000 Töpfe und Pfannen. Würde man die Tassen und Teller in solcher Zahl übereinanderschichten, entstünde eine 12.000 Meter hohe Säule, die beträchtlich den Mount Everest, den höchsten Berg der Erde, überragte.
Mutter war auch Wäscherin und Büglerin der Familie, sie hielt die Wohnung instand, sie kaufte ein, sie nähte bestimmt 20.000 abgerissene Knöpfe wieder an und stopfte für uns an die 18.000 Strümpfe. Viel würde ich darum geben, wenn Mutter noch einmal in ihrem Rohrstuhl vor mir sitzen würde.
(BF)
Es war einmal der Oberbürgermeister eines Kurortes, der ein größeres Kongreßhaus haben wollte. Bauherr sollte die Bäder- und Kurverwaltung sein, in der Stadt und Land gleichberechtigt zusammenarbeiteten. Im entscheidenden Verwaltungsrat waren je fünf Vertreter des Landes und der Stadt stimmberechtigt. Das Land war bereit, den Teil der Baukosten zu tragen, der nicht aus den Mitteln der BKV bezahlt werden konnte. Andererseits sollten die Folgekosten zu Lasten der Stadt gehen, die Eigentümerin des neuen Kongreßhauses werden sollte.
Der Oberbürgermeister ließ sich vom Gemeinderat für den Baubeschluß allerdings keinen Auftrag geben. Auch versäumte er es, ihn über die Auswirkungen, die diese Entscheidung für die Zukunft der Stadt haben wird, zu unterrichten. Stattdessen erklärte er mehrfach, seiner Ansicht nach werde es für Baden-Baden keine Folgekosten geben. Am 8.11.1991 hat der Verwaltungsrat der BKV den Kongreßhausum- und Erweiterungsbau beschlossen. Die Landesvertreter erklärten hierbei: "Bei einer Strukturreform der BKV können erhöhte Folgekosten, die sich aus der Erweiterung des Kongreßhauses ergeben, nicht einseitig in den Finanzbedarf gegenüber dem Land eingesetzt werden". Dennoch schlug der OB dem Gemeinderat am 2.7.1992 vor, die Stadtvertreter zu beauftragen, den Landesvertretern zu erklären, daß die Stadt aus der Kongreßhauserweiterung keine Folgekosten übernehmen wird. Ein Beispiel dafür, wie ein Märchen entsteht, wenn man einen Wunsch an die Stelle der Wirklichkeit setzt.
Bemerkenswert ist weiter, daß dies der Gemeinderat nicht erkannt hat, obwohl ihm gleichzeitig mitgeteilt wurde, daß der Verlust aus dem Betrieb des Kongreßhauses von bisher 3 Millionen auf zukünftig 7,8 Millionen DM jährlich steigen wird. Um den Stadträten die Sache dennoch schmackhaft zu machen, wurde ihnen eine fehlerhafte "Berechnung der sekundären Wertschöpfung" vorgelegt. Diese ging von 110 - 120.000 Übernachtungen jährlich und von 400-600 DM Ausgaben je Tag und Kongreßgast aus. Daraus errechnet sich ein Jahresumsatz von 57,5 Millionen DM. Die Rechnung hat den Fehler, die Ausgaben viel zu hoch angesetzt zu haben. Der Jahresumsatz beträgt tatsächlich nur etwa 30 Millionen DM.
Die Irreführung des Gemeinderates ist fortgesetzt worden. Es kam daher, wie es kommen mußte. Am 29.11.1993 stimmten die Rätinnen und Räte gegen fünf Stimmen und zwei Enthaltungen der Übernahme der Zinsen und künftigen Modernisierungskosten in Höhe von rund 24 Millionen DM während der kommenden 10 Jahre zu. Dazu kommen weitere 10 Millionen DM zur Entlastung der BKV, deren Übernahme die städtischen Vertreter am 8.11.1991 - vorbehaltlich der Zustimmung des Gemeinderates - bis 1995 zugesagt haben.
Obwohl der SPD-Fraktionsvorsitzende am 23.4.1992 eine Beschlußfassung hierüber beantragt hat, ist bisher nicht entschieden worden. Der Grund ist leicht zu erkennen. Es stehen Wahlen bevor. Die Bürger sollen nicht wissen, wie leichtfertig trotz leerer Kassen und hoher Schulden über die von ihnen aufzubringenden Steuern entschieden wird.
Es steht also fest, daß die Folgekosten des Kongreßhauses 34 Millionen DM betragen werden. Unberücksichtigt bleiben hierbei die Einnahmeausfälle des Gastgewerbes (siehe Konkurs Kurhaus) und des Handels während der Bauzeit, die eine Minderung der Kurtaxe und der städtischen Steuern verursachen.
Das ist aber noch nicht das Ende des Märchens. Es ist eine Illusion zu glauben, die Kongreßhaus-Pacht würde die Betriebs- und Unterhaltskosten decken. Niemand vermag heute zu sagen, wie hoch der Verlust in Zukunft sein wird. Es wird mit Sicherheit ein Millionen-Betrag sein.
Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hat den Bericht über die Antrittsrede des Rektors der Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer, Hans-Herbert von Arnim, mit der Frage eingeleitet:
"Hat die Demokratie Zukunft?"
Diese Frage ist bezeichnend für den Zustand Deutschlands, nicht nur auf Bundes- und Landesebene, sondern auch in unserer Stadt. Die Mißachtung der Vertretungskörperschaft der Bürger und damit der Bürgerschaft, das Aufbürden von Schulden in einer Zeit, in der die öffentlichen Kassen ohnehin von Schwindsucht befallen sind, das Täuschen über die Folgen, nur weil ein OB seine "Visionen" durchsetzen will, koste es was es wolle, dieser Mangel an Durchschaubarkeit der Verwaltungsentscheidungen, das führt zur Parteien- und Politikverdrossenheit und macht die Demokratie fragwürdig. Es ist daher allerhöchste zeit zum Wandel!!
Wohlan, mein lieber Freund, wie steht es mit der Diktatur? Ist es nicht so, daß sich die Demokratie selber auflöst durch eine gewisse Unersättlichkeit in der Freiheit?
Wenn sich Väter daran gewöhnen, ihre Kinder einfach gewähren und laufen zu lassen, wie sie wollen, und sich vor ihren erwachsenen Kindern geradezu fürchten, ein Wort zu reden;... Und auch die Lehrer zittern bei solchen Verhältnissen vor ihren Schülern und schmeicheln ihnen lieber, statt sie sicher und mit starker Hand auf einen geraden Weg zu führen, so daß die Schüler sich nichts mehr aus solchen Lehrer machen.
Auf diese Weise werden ... die Jungen ... aufsässig und können ... reicht mehr ertragen, wenn man nur ein klein wenig Unterordnung von ihnen verlangt. Und das ist der schöne, jugendfrohe Anfang der Tyrannei".
(Platon, "Der Staat", 5. Buch)
Wasser ist unentbehrlich für alles menschliche, tierische und pflanzliche Leben. Im Altertum galt Wasser als eines der vier Grundelemente: Quellen und Flüsse wurden als Wohnstätte von Göttern verehrt und als Spender von Leben und Fruchtbarkeit geachtet. Die in den vergangenen Jahrzehnten zunehmende Bevölkerung, das starke wirtschaftliche Wachstum, aber auch die zunehmende Freizeit haben die Bedeutung des Wassers noch weiter in den Vordergrund gerückt. Es wurde mehr und mehr deutlich, daß auch Wasservorräte begrenzt sind. Wollen wir unseren Lebensraum funktionsfähig erhalten, die Natur in Ihrer Vielfalt und Schönheit bewahren, müssen wir vor allem mit dem Wasser pfleglich umgehen.
Drei Viertel der Erdoberfläche sind mit Wasser bedeckt. Durch Sonnenenergie ist das Wasser einem ständigen Kreislauf unterworfen. Es verdunstet an der Oberfläche der Meere und Kontinente. Der aufsteigende Wasserdampf kühlt sich in der Höhe ab und kondensiert zu Wolken. Bei weiterer Abkühlung geben sie ihre Feuchtigkeit als Niederschlag ab.
In Mitteleuropa fallen in jedem Jahr über 800 mm Niederschlag - also über 800 Liter pro Quadratmeter. Über die Hälfte davon verdunstet an Ort und Stelle wieder, der Rest fließt über die Oberflächengewässer oder das Grundwasser dem Meer zu.
Wasser ist an allen Stoffwechselvorgängen beteiligt. Es ist Grundlage für das Wachstum aller Lebewesen, der Menschen, Tiere, Pflanzen. Vom Menschen wird Wasser unmittelbar und mittelbar auf vielfache Weise genutzt:
Wasser ist Teil des Naturhaushaltes. Oberflächen und Grundwasser prägen einerseits Natur und Landschaft und werden andererseits von ihrer Umgebung beeinflußt. Gewässerschutz kann sich daher langfristig nicht nur an Mindestanforderungen orientieren; er muß darüber hinaus die ökologischen Funktionen des Wassers beachten und das ökologische Gleichgewicht zum Ziel haben.
Ökologie der Gewässer
Durch die natürliche Gliederung unserer Landschaft lassen sich an größeren Flüssen oder Fließgewässern meist drei Abschnitte mit abnehmenden Gefälle unterscheiden: Der ursprungsnahe, oft reißend fließende, steinig-kiesige und kühlere Oberlauf, der rasch fließende, sandige Mittellauf und der Unterlauf mit höherer Temperatur, träger Strömung und Schlammablagerungen.
Die in den Gewässern siedelnden Lebenwesen gehören fast allen systematischen Gruppen des Tier- und Pflanzenreiches an, von mikroskopisch kleinen Bakterien und Algen bis zu den Fischen. Nach ihrer Ernährungsart lassen sich alle Organismen des Tier- und Pflanzenreiches drei Gruppen zuordnen:
Das Verhältnis der drei Organismengruppen zueinander ändert sich vom Quellgebiet zur Mündung des Fließgewässers. In den ursprungsnahen, zumeist kälteren und wenig belichteten Bächen ist die Produktion noch gering, vor allem aufgrund der meist unbedeutenden Nährstoffzufuhr (Phosphor und Stickstoff) aus den Waldböden.
Ihr Sauerstoffgehalt wird allein vom temperaturabhängigen Sättigungsverfahren bestimmt und ist deshalb praktisch kaum Schwankungen unterworfen. Durch die Erwärmung des Gewässers Im Mittel- und Unterlauf wird das Sauerstoffsättigungsvermögen vermindert. Andererseits werden die Stoffwechselvorgänge der Organismen und damit der Sauerstoffverbrauch bei einer Temperaturzunahme von 10 ºC um das Zwei- bis Vierfache beschleunigt. In erwärmten Gewässern verschiebt sich damit das ökologische Gleichgewicht.
Stehende Gewässer weisen aufgrund ihrer bewegungsarmem Wasserkörper besondere ökologische Verhältnisse auf. Alle unsere Seen sind erdgeschichtlich in kurzer Zeit entstanden und waren ursprünglich nährstoffarm. Jeder See macht aber einen Alterungsprozeß durch. Der Nährstoffnachschub aus den Bodenablagerungen nimmt langsam zu. Die Seen werden allmählich nährstoffreich. Die Zahl der Organismen wächst und die Intensität der Abbauvorgänge nimmt zu.
Das Grundwasser, das sich zum einen aus Niederschlags- und zum anderen aus Oberflächenwasser zusammensetzt, das in den Boden sickert, staut sich über wasserundurchlässigen Schichten. In der Regel sind Lockergesteine wie Sand und Kies die besten Grundwasserspeicher. Durch die Bodendeckschichten wird Grundwasser vor Verunreinigungen geschätzt.
Die naturgegebenen Verhältnisse in den Gewässern werden durch die Einwirkung des Menschen erheblich gestört. Insbesondere stellen die häuslichen und die gewerblichen Abfälle eine Gefahr für die Gewässer dar, wenn sie nicht ausreichend behandelt werden. Viele industrielle Abwässer, wie z.B. aus Metallveredelungen, Härtereien, chemischer Produktion u.a.m. belasten die Gewässer nicht In erster Linie mit sauerstoffzehrenden Substanzen, sondern mit schwer abbaubaren organischen Substanzen. Deswegen kommt dem Gewässerschutz eine der wichtigsten Aufgaben im Umweltschutz zu.
Auszüge aus der empfehlenswerten Broschüre "Umweltschutz in Baden-Württemberg, Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Umwelt und Forsten, Marienstr. 41, 70178 Stuttgart
sind eine Vereinigung Baden-Badener Bürgerinnen und Bürger mit kommunalpolitischer Zielsetzung. Seit 1980 sind wir im Gemeinderat vertreten. Seit 1985 durch Stadträtin Renate Daub, die am 1.12.1993 von Stadträtin Ursula Opitz abgelöst wurde. Unsere Kandidaten gehören keiner politischen Partei an, weil kommunale Anliegen sachgemäß und nicht parteipolitisch gelöst werden müssen. Wir betrachten unser Mandat als Wählerauftrag und sind gegen jede persönliche Vorteilnahme durch dieses Amt.
Bei den unten aufgeführten kommunalen Sachgebieten vertreten wir folgende Meinungen:
In der Stadt- und Kurortentwicklung sind wir gegen Hotelneubauten, die unseren angestammten Hotels eine überflüssige Konkurrenz sind, zumal die Bettenkapazität der vorhandenen Hotels nur zu einem Teil ausgelastet ist. Eine Situation, die bei der wirtschaftlich schlechten Lage in den nächsten Jahren noch schlechter zu werden droht. Solange für neugeplante Hotels keine solventen Betreiber zu finden sind, was in dieser Zeit der Rezession besonders wichtig ist, da der Konkurs der Betreiber der Kurstadt Nobelhotelruinen beschert, sollten keine Projekte wie z.B. das Balzenberghotel in Angriff genommen werden.
Die Ansiedlung umweltverträglicher Wirtschaftsunternehmen, die einer Kongreß- und Kurstadt nützen, muß gefördert werden.
Die Verkehrsprobleme in Baden-Baden sind existenziell für unseren Kurort. Wir sehen nach wie vor in der totalen Sperrung des "Leo" einen Schildbürgerstreich. Mit dieser Schließung wird der Verkehr durch enge Wohngebiete geschleußt (Stefanienstraße!), anstatt durch eine breite Geschäftsstraße wie der Sophienallee.
Eine Leo-Öffnung mit der Achse Lichtenthalerstraße/Sophienstraße Richtung Bäderviertel und zurück durch die Stefanienstraße als Einbahnstraße/Eichstraße würde der total überlasteten Stefanienstraße im Wohngebietteil und dem Einzelhandel im Bäderviertel entscheidend Hilfe bringen.
Der öffentliche Nahverkehr ist ein kostenintensiver Faktor der Stadtfinanzen. Das Geld ist mehr als knapp. Folge: der öffentliche Nahverkehr wird drastisch beschnitten. Wir finden, daß dies der falsche Weg ist, dem Bürger öffentliche Verkehrsmittel schmackhaft zu machen und ihn zum Verzicht auf den PKW zu bewegen. Im diesem Bereich müssen Kosten in Kauf genommen werden, um auf die Dauer eine Verkehrsentlastung der Innenstadt zu erreichen. Freiburg i.Br. hat zum Beispiel mit langem Atem und hohem Kosteneinsatz ein vorbildliches öffentliches Verkehrsnetz mit einer .äußerst hohen Akzeptanz geschaffen. Für diesen Zweck finden wir Einsparungen in anderen Bereichen - z.B. "Söllingen" - bei weitem sinnvoller.
Im Bereich des Umweltschutzes haben wir die Schaffung eines Radwegenetzes erreicht. Die Optimierung dieser Einrichtung wird uns weiter beschäftigen. Wir haben das Blockheizkraftwerk "Stadtklinik" mit unterstützt und werden weitere Projekte dieser Art (Briegelacker) fördern. Eine Dezentralisierung der Energiewirtschaft scheint uns ein praktikabler Weg zum Energiesparen und damit zum Schutz unserer Atmosphäre. Auch bei der Abfallwirtschaft hat Zentralisierung negative Auswirkungen (siehe DSD = Duales System Deutschland). Die "Ökohauptstadt" Freiburg betreibt ein eigenes Sortierungs- und Recycling-System, das sich bewährt. Müllgebühren werden dort nicht erhöht, um das vorbildliche Sammel- und Sortierverhalten der Bürger zu honorieren. Wir müssen von anderen Kommunen lernen.
Für das Sozialwesen gilt - wie für andere Sachgebiete auch - Baden-Baden tut zuviel für Prestigeobjekte und zuwenig für die Menschen in unserer Stadt. Durch das Freiwerden der Wohnungen im "Briegelacker" hat die Stadt die einmalige Chance, günstigen Wohnraum anzubieten und die Wohnungsnot zu lindern. "Die Unabhängigen" setzen sich dafür ein, daß nicht einfach Familien aus akzeptablem Wohnraum umgesiedelt werden, weil die Stadt oder GSE in diesem Gebiert etwas Lukrativeres vorhat (Schußbach!).
Der Jugendhilfeplan der Stadt Baden-Baden, erstellt vom Institut für Erziehungswissenschaften der Universität Tübingen, zeigt in vorbildlicher Art und Weise Sozialstrukturen und die damit verbundenen Aufgaben der Stadt. Unsere Gesellschaftsstruktur basiert auf der Familie. Es ist gegen jede Vernunft, die Erziehungsarbeit in der Familie nicht möglichst zu erleichtern. In Baden-Baden gibt es sehr viele Alleiner-ziehende. Tageskindergärten und bezahlbare Beiträge sollten selbstverständlich sein. Wenn wir es den Frauen nicht ermöglichen, Beruf und Familie zu haben, wird die Rentensituation in Deutschland immer enger werden. Die Arbeit der Frauenbeauftragten zu unterstützen, ist uns ein wichtiges Anliegen.
"Zwischen der Macht der Parteien im Staat und ihrer Kraft zur Lösung der Probleme hat sich eine breite Kluft aufgetan. Wahr ist aber auch, daß sich im öffentlichen Bewußtsein die Trennungslinie zwischen Staat und Regierungsparteien immer mehr verwischt. Dies liegt primär daran, daß sich der Einfluß der Parteien quasi fettfleckenartig über nahezu alle staatlichen Institutionen immer weiter ausgebreitet hat. Tatsächliches Verhalten und Einfluß der Parteien auf den Staat haben ihren Ruf begründet, daß sie sich den Staat zur Beute gemacht haben"
(Bundespräsident Richard von Weizsäcker 1992)
Wie antwortete ein führender Parteivertreter auf den von Stadtrat Tilman Mayr (Grüne Bürgervereinigung Baden-Baden, GBB) gestellten Antrag, die Fraktionskosten-Zuschüsse ab dem 1.1.1994 zu streichen?
Kurt Liebenstein, SPD-Vorsitzender:
"Sie gehören einer Gruppe an, die sich krimineller Energien bedient".
Also Verleumdung statt sachlicher Antwort! Wer sich so verhält ist völlig ungeeignet in der Stadtverwaltung als 3. Bürgermeister Verantwortung zu übernehmen, ganz abgesehen davon, daß dadurch 300.000 DM zusätzliche Kosten entstünden. Statt zu sparen, wird also noch mehr ausgegeben als bisher!
Und wie steht es mit der Vergütung der Stadträte? Läßt sich ein Ehrenamt überhaupt noch entlohnen? Ist der Lohn nicht vielmehr die Ehre, die Bürgerschaft vertreten zu dürfen? Die Aussprache Im Gemeinderat hat gezeigt, daß fast alle Stadträte nicht ehrenhalber, sondern des Geldes wegen tätig sind. Es wird viel von und über die politische Kultur gesprochen. Die Aussagen der Stadträte Liebenstein (SPD), Dr. Müller und Bloedt-Werner (beide CDU) am 13.12.1993 beweisen, daß von politischer Kultur keine Rede sein kann. Das muß im neuen Stadtrat anders werden!
(BF)
"Es wird die Zeit kommen, in der die Menschen in ihrer Gier nach Besitztümern und Reichtum das natürliche Mass verlieren und jede Selbstbeschränkung ablegen."
(Ch. Al. de Tocqueville, frz. Politiker, 1805 - 1859)
ist ein Stück Leben, ein Teil des täglichen Ablaufes. Wer schnell etwas erledigen, hinter sich bringen will, der handelt nicht überlegt, der "huddld". Dieses "huddle" ist der Auslöser für viele Unannehmlichkeiten, die der wahre Alemanne mit seinem "numme nit huddle" vermeidet. Mit "numme nit huddle" gewinnt er zeit zum überlegen, tappt auch nicht so schnell in eine gestellte Falle und bringt den, der drängt und treibt aus der Ruhe, was in vielen Fällen für ihn zum Vorteil wird. Der Begriff für "huddle" ist "hastig, fahrig, oberflächlich". Ein "Huddlar" ist ein wenig zuverlässiger Mensch. Im alemannischen Wörterbuch von Hubert Baum ist der "Huddler" mit "Lumpenkerl" übersetzt. Das "Huddle" scheint auf das (im mittelhochdeutschen) "hudel" zurückzugehen, das dort mit "lumpen" übersetzt wird. Auch in unserem Dialekt hören wir den "Huddl" in der Bedeutung von "Fetzen", "Lumpen" oder "schlechte Kleidung". Im selben Sinn hat sich dieses "Huddel" auf das "Netz der Spinne" mit "Schpinnehuddl" übertragen.
Schon vor der hochdeutschen Lautverschiebung als altfränk. "ikon" und im spätmittelhochdeutschen "ichen" haben wir das ursprüngliche Fachwort des Weinbaues für das Ausmessen und Zeichnen der Gefäße. Aus diesem "ichen" kommt das "eichen", das gesetzliche Maß geben oder prüfen. Ein Brennkessel, der ein geprüftes Maß hat, ist "geeicht".
Hier nun haben wir dieses Wort, das uns mit "gichä" in den Dialekt gerutscht ist. Ein Behälter mit Eichmaß ist also "gichä". Ohne dieses Eichmaß, wäre er "uugichä". Im täglichen Leben machen wir so manche Erfahrung und erhalten bei Einladungen ganz besonderen Einblick in die Gewohnheiten unserer Mitmenschen. Erleben wir, daß jemand am Tisch sitzt und überwältigt von dem reichlichen Angebot, sich einigemale nachreichen läßt, wird das allgemeine Urteil über den Genießer gefällt, das da mit: "dear isch awar ämol ugichä", nur besagen will, daß der Betreffende kein Eichmaß besitzt.
(Wer mehr über Herkunft und Bedeutung alemannischer Ausdrücke wissen möchte, der lese: "Alemannisches an Oos und Murg" von Heinz Erlewein, Verlag Badisches Tagblatt GmbH 1992)
© Hubert Gassenschmidt 1997