Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft Ökologie e.V., Postfach 1305, 76502
Baden-Baden
V.i.S.d.P.: Dieter Rauch
Die verfälschte Wahl
Winterfütterung
der Vögel
Die Glosse: Es bleibt uns nichts
erspart
"Stufen"
Bekenntnis
Zwillingsgeburten
sind häufig
"Himmelfahrt ins Nichts"
Fortschritt - Was ist das?
Kurstadt
"ade!" ?
Der Offenbarungseid
Ein Holzkreuz auf der Straße
Nach
neuen Meeren
Gehen oder fahren ?
Wasser im Überfluß ?
[ Übersicht ]
"Das Recht muß nie der Politik, wohl aber die Politik jederzeit dem Rechte angepaßt , werden. Alle Politik muß ihre Knie vor dem Recht beugen."
(Immanuel Kant)
Vier Parteien und fünf Wählervereinigungen stellten sich am 12. Juni 1994 der Wahlentscheidung der Bürger. Nur die Stimmzettel der CDU, SPD, FDP und GRÜNE entsprachen den Vorschriften. Gemäß Artikel 3 des Grundgesetzes darf niemand wegen seiner politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Am meisten wurden die "Bürger für Baden-Baden" benachteiligt. Ihr Stimmzettel war halb leer, was nicht gerade dazu eingeladen hat, ihn zur Stimmabgabe zu verwenden. OB Wendt behauptet, dieser "Fehler" beruhe auf der Fehleinschätzung eines verdienten und erfahrenen Mitarbeiters, der durch Kontrolle nicht beseitigt worden ist. Die Verletzung der Aufsichtspflicht ist offenkundig. Sie wiegt besonders schwer, weil die Wahl eine der wichtigsten Grundlagen der Demokratie ist. Wer den Mitarbeiter kennt, kann sich nur schwer oder gar nicht vorstellen, daß er ohne Rücksprache mit Vorgesetzten gehandelt haben soll. Schon dies genügt, die Frage nach dem Rücktritt des politisch Verantwortlichen zu stellen.
Bei der Sitzung der Wahlausschusses ging es um die veränderte Stimmzettel-Gestaltung. Der Leiter des Amtes für öffentliche Ordnung behauptete, das Wahlgesetz sei geändert worden. Ein unglaublicher Vorgang, zumal der OB erklärt, diese "falsche Information" basiere auf der Fehlentscheidung des Mitarbeiters. Gerade das tut sie aber nicht nicht. Der Jurist Ostertag hat den Wahlausschuß belogen, so daß die Feststellung des Wahlergebnisses nichtig ist, weil die Zustimmung nur mit dieser Lüge erreicht werden konnte. Der die Sitzung leitende Bürgermeister Liebenstein sah keine Veranlassung, den Sachverhalt richtig zu stellen. Was wiegt schwerer? Die ungesetzlichen Stimmzettel oder das Belügen des Wahlausschusses?
Einer der bedeutendsten Rechtsphilosophen, Rudolf von Ihering, hat festgestellt
"Das Verhalten eines Menschen angesichts einer Rechtskränkung ist der sicherste Prüfstein seines Charakters. Von dem Moment an, wo das Recht seine Kampfbereitschaft aufgibt, gibt es sich selber auf."
Dieser Leitsätze und der Mahnung Kants war sich der stellvertretende Regierungspräsident Dr. Scheurer nicht bewußt, als er trotz der Feststellung, die Stadt habe gegen das Wahlgesetz verstoßen, den Wahleinspruch mit der Begründung abgelehnt hat, eine "konkrete Möglichkeit der Beeinflussung des Wahlergebnisses ist ... nicht ersichtlich". Ich bin sicher, daß das Gericht dieser Auffassung nicht folgen wird. Der OB macht es sich zu einfach, wenn er sagt, nach der Entscheidung des Regierungspräsidiums "ist der Verwaltung die abschließende Behandlung der Wahlvorgänge aus der Hand genommen". Den Gemeinden ist gemäß Art. 28 des Grundgesetzes das Recht gewährleistet, ihre Angelegenheiten in eigener Verantwortung zu regeln. Niemand kann die Stadt hindern, ihre Rechtsverstöße selbst zu heilen. Es ist allemal besser, einen Fehler zu beseitigen, als durch ein Gericht dazu gezwungen zu werden.
Oberbürgermeister Wendt bekennt sich zu seiner politischen Verantwortung. Dieses Eingeständnis überzeugt nur dann, wenn er entsprechend handelt. Fehlt ihm der Mut dazu?
(Dieter Rauch)
Beim Aufstellen von Futtergeräten muß grundsätzlich beachtet werden, daß
Futterhäuser ermöglichen uns, Vögel in beträchtlicher Arten- und Individuenzahl zu beobachten. Gerade dadurch können sie bei fehlender Hygiene aber auch schnell zu gefährlichen Seuchenherden werden, wenn erkrankte Vögel das Futter mit ihrem Kot beschmutzen und auf diese Weise andere Vögel infizieren. Eine häufige, möglichst tägliche Reinigung der Futterhäuser ist dabei erforderlich.
Für den Bau der Futterhäuser verwendet man am besten Tanne- oder Fichtenholz. Sperrholz legt sich bei Feuchtigkeit in Wellen und spaltet auf. Hinsichtlich der Konstruktionsweise der Futterhäuser sind der Phantasie kaum Grenzen gesetzt, in mannigfaltigen Ausführungen werden sie auch in Samenhandlungen und Zoofachgeschäften angeboten. Leider erfüllen sie oft mehr dekorative als zweckdienliche Ansprüche.
Was man nicht füttern sollte!
Soll man im Winter Trinkwasser geben?
Nur bei niederschlagsfreiem strengem Frostwetter, wenn die meisten offenen Wasserstellen zugefroren sind, können die Vögel unter Durst leiden. Normalerweise vermögen sie aber ihren im Winter ohnehin geringen Flüssigkeitsbedarf aus Schnee, Tau oder Rauhreif sowie aus der Nahrung hinreichend zu decken. Aufgestellte Wasserschalen sind von Nachteil, denn
Die Ausführungen wurden entnommen: "Winterfütterung der Vögel", Arbeitsblätter zum Naturschutz, Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg, Karlsruhe 1986. (BF)
Zufällig geriet ich in ein Konzert des modernen Komponisten Ladislaus Bonifacius Strangélich.
Man gab Opus 13a des Künstlers: "Hommage à Joseph Beuys", ein "Quintett für acht Instrumente", nämlich Saxophon, Posaune, altes Waschbrett samt Nudelholz, Trillerpfeife, Klavier, Fagott, antike Autohupe und großes Schlagzeug.
Den Auftakt bildete eine Serie von Hustern, sich gekonnt intervallartig steigernd, vom sensiblen Piano bis zum Fortissimo, durchbrochen vom Fagott, das in etwa die liebestollen Schreie einer brünstigen Schildkröte imitierte.
Dann aber bemächtigten sich alle Künstler zugleich ihrer Instrumente und es entstand ein Eindruck wie beim Zusammensturz einer Fabrikhalle.
Gelegentlich dominierte in diesem Chaos der Jüngling am Waschbrett, das er mit der Miene eines in Konkurs gegangenen Leichenbestatters per Nudelholz traktierte. Bald aber grub ihm der Saxophonist das Wasser. ab, der, in Krämpfen sich windend, seinem Instrument Töne entlockte, die das Blöken eines verirrten Schafes so meisterlich wiedergaben, das jedes verirrte rechtschaffene Schaf darob vor Scham verstummen müßte.
Hin und wieder ebbte das Getöse ein wenig ab, vor allem dann, wenn der Pianist, halb über dem Klavier hängend, seinen Part abarbeitete und mit dem schwermütigen Blick eines toten Huhns auf das wehrlose Instrument einhämmerte. Offensichtlich hatte das Klavier, wie sein Wimmern glaubhaft machte, auch schon bessere Zeiten erlebt, und die verfilzten langen Haare dieses Musenjüngers bewiesen, daß ihm der Fortbestand des Friseurhandwerkes nicht sonderlich am Herzen lag.
Späterhin wurde der inzwischen auflebende, an den frontalen Zusammenstoß zweier Straßenbahnen erinnernde Krach wiederum zurückgefahren; zunächst als die Posaune Töne von sich gab, die den Blähungen des verehrten Beuys abgelauscht schienen, dann wieder bei einem zartfühlenden Duett von Trillerpfeife und Autohupe, abgelöst von einem Saxophon, das treffend das Stöhnen einer in Wehen liegenden Kuh reproduzierte.
Schließlich steigerten sich Posaune, Saxophon und Waschbrett zu den in Noten gesetzten Alpträumen eines schizophrenen Hilfsbuchhalters, bevor das Ganze in den explodierenden Lärm des Finales einmündete.
Anerkennend muß ich bemerken: die Musik war eines Joseph Beuys würdig. Sie klang so, wie seine Werke aussehen.
(Der Kunstkritiker des "Bürgerforums")
Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht
jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer
Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit
zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In
andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der
uns beschützt und der uns hilft zu leben.
Wir sollen heiter Raum
um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der
Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf um Stufe heben,
weiten
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich
eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag
lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch
die Todesstunde
uns neuen Räumen jung entgegensenden,
Des Lebens
Ruf an uns wird niemals enden...
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und
gesunde!
(Hermann Hesse)
"Ich stieg, mein Volk, aus Dir wie Halm aus Acker steigt,
Du hast Dich, Heimat mir wie Mutter hold geneigt,
Ich ward - und sieh, Dein Hauch belebte meinen Geist
Ich wuchs in Deiner Haut von Deiner Hand gespeist
Ich durfte dienen Dir, wie Biene dient dem Schwarm,
Das macht mich reich und stolz - vertrieben noch und arm.Wie hab ich mich gesehnt als Du noch frei von Ketten,
Heimat in Deinem Schoß zur Ruhe mich zu betten !
Nun muß ich fern von Dir und meinen Vätern sterben -
O laß mich Herr, ein Grab in deutscher Erde erben,
Und laß ein Lied von mir in unsrer Jugend leben,
Hab meine Hülle ich Dir längst zurückgegeben!
Agnes Miegels Sehnsucht, in ihrer ostpreußischen Heimat zu ruhen, in der sie 1879 geboren ist. ging nicht in Erfüllung, aber ihr Grab in deutscher Erde fand sie nach ihrem Tod vor 30 Jahren in Bad Nenndorf.
Sie ist aber auch in ihrer Heimatstadt Königsberg unvergessen. Im Oktober 1992 wurde an dem Haus im Stadtteil "Auf den Hufen", in dem sie bis Februar 1945 gelebt hat, eine Gedenktafel feierlich eingeweiht. Gleichzeitig wurde eine Ausstellung zu Leben und Werk der Dichterin im Stadthistorischen Museum eröffnet.
Ende September kam es erneut in Königsberg anläßlich der Gründung der Albertus-Universität vor 450 Jahren am Grabe Kants zu einer gemeinsamen deutsch-russischen Gedenkfeier. Wir hoffen, daß die Gemeinsamkeiten wachsen.
(BF)
Genügsame ostdeutsche Schafrassen werden in Herdbüchern erfaßt
Zwei der ältesten deutsche Schafrassen, die ostpreußischen Skudden, wie auch die rauhwolligen Pommerschen Landschafe, lammen ohne Umstände selbst auf gefrorenem Boden. Ihre mütterliche Fürsorge erübrigt weitgehend Hilfe. Ein windgeschützter Unterstand genügt anstelle sonst nötiger und üblicher Stallhaltung zur Lammzeit für diese harten ostdeutschen Rassen.
Ihr Herdenverhalten einschließlich Bock bietet den gebärenden Muttertieren eindeutige Vorteile. Falls ein windgeschützter oder trockener Platz zur Verfügung steht, räumt die Herde diesen rücksichtsvoll, bis der Nachwuchs selbständig seine Mutter erkennt. Zwillingsgeburten sind häufig.
Das Euter der Mutter birgt für neugeborene Lämmer alle Starthilfe. Sie saugen etwa zwölfmal stündlich, man hat bis zu sechszehnmal beobachtet. Und obwohl es jeweils nur kleine Milchmahlzeiten gibt, wärmt und versorgt dieser liebevolle Strom unersetzbar.
Schon am zweiten Lebenstag erfolgen übermütige Lämmersprünge. Mütterliche Fürsorge umschließt zudem die Warmhaltung der Lämmer unter und neben sicherer Flankenwolle. Bei Sturm oder Gewitter knien die Zibben über ihrem Nachwuchs. Erfahrene Zwillingsmütter hindern sogar das Saugen nur eines Lammes, sie wenden sich ab, bis beide zugleich ans Euter finden.
Der Zuchtverband für Ostpreußische Skudden und rauhwollige Pommersche Landschafe, Auf der Heide 3, 53343 Niederbachem, bemüht sich bundesweit um die Erhaltung und Bestandserweiterung dieser wertvollen, alten Stämme, die seit der Vertreibung noch immer in ihren Bestand gefährdet sind durch Herdbuchbetreuung. Es werden auch gerne Herdenbesuche bei Mitgliedern vermittelt.
(Conrad von Radow. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des "Ostpreußenblattes" vom 25.6.1994.)
"Wo Religion ist, werden Menschen geliebt und Tiere und das All. Jedes Leben ist ja ein beweglicher Tempel des Unendlichen."
(Jean Paul, "Levma I/2")
In seinem Buch
schreibt Herbert Gruhl über die sogenannte "multikulturelle Gesellschaft":
Alle Hochkulturen waren kleinräumige Stadtstaaten mit bäuerlichem Umland. Die europäischen Völker haben ihre Eigenheiten durch die Amerikanisierung weitgehend verloren. Die euroamerikanische Zivilisation hat den ganzen Erdkreis besiegt. In den Hotels und in den Slums laufen die gleichen Fernsehprogramme, tönen die gleichen Schlager, kommen die gleichen Nachrichten aus den Lautsprechern, die Kinos zeigen die gleichen Filme, und die Sportereignisse vereinen Reiche und Arme.
Den Ausgleich der Unterschiede auf ein gemeinsames Mittelmaß nennt man Entropie. Diese besondere Art der Entropie läuft unter dem höchst fragwürdigen Namen "multikulturelle Gesellschaft".
Der Begriff ist ein Widerspruch in sich, da das Hauptkennzeichen jeder Kultur ihre unverwechselbare Eigenart ist. Sie entwickelt einen bestimmen Stil, der alle Lebensbereiche durchdringt: die Religion, die Kunst, die Gebräuche und Sitten, die Erziehungsziele der Kinder. Wenn viele Kulturen vermischt werden, ergibt das entweder ein Neben- und Gegeneinander oder - wie in der physikalischen Wärmelehre - Entropie, also ein Gemisch, dessen Wert bei zunehmender Durchdringung sinkt, bis es letzten Endes keinen Wert mehr hat. Eine Gesellschaft als "multikulturell" zu bezeichnen heißt nichts anderes als festzustellen, daß sie keine Kultur hat.
Bezeichnenderweise ist von multikultureller Gesellschaft die Rede, nie von einem multikulturellen Volk, weil damit der Widerspruch deutlich wird. Denn ein Volk hat noch nie mehrere Kulturen gleichzeitig gehabt, eher schon mehrere Völker eine Kultur. "Gesellschaft" paßt aber immer, denn damit wird ein künstliches Gebilde bezeichnet. Folglich gingen die neuen Theorien von der "Gesellschaft" aus, welche sich aus Menschenmassen, in der jeder gleich sein soll, zu einer beliebig neuen Gesellschaft bilden läßt. Daraus entsteht eine klassen- und völkerlose Gesellschaft. Die Proletarier aller Länder sollten sich enger verbunden fühlen als die Menschen eines Volkes. Das taten sie zum Kummer der Theoretiker nicht, worauf es die politischen Praktiker mit Zwang versuchten. Dies scheiterte. Und wer fegte diese Gesellschaftstheorie hinweg? Der Aufstand der Völker. Das konnten Leute, die sich als "Intellektuelle" verstehen, nicht begreifen. Alle ihre gesellschaftlichen Modelle lösten sich in Wohlgefallen auf. Die Völker erhoben sich gegen die neue, die Völkergrenzen mißachtende Herrenklasse, aber auch gegen die Theoretiker. Das hindert die letzteren im Westen nicht daran, ihre Gesellschaftsmodelle weiter zu jonglieren.
Es wird nie eine "multikulturelle Gesellschaft" geben, die das Adjektiv kulturell wirklich verdient. Je stärker die Völker durcheinander brodeln, um so größer die Entropie, ein um so geringeres Maß an Kultur ist das Ergebnis. Auch zu einer friedlicheren Welt kann dieser Weg nicht führen. Schon Kant wußte, daß der Weg zum Frieden über die Autonomie der Regionen führen muß; er sah in Sprache und Religion Trennungslinien der Natur, die zeigen, daß es kein einheitliches Weltimperium geben könne, daran seien nur Handels-, Kommunikations- und Besuchsrecht erlaubt, aber kein dauerndes Gastrecht".
"Es gibt ein Bild von Klee, das 'Angelus Novus' heißt. Ein Engel ist darauf dargestellt, der aussieht, als wäre er im Begriff, sich von etwas zu entfernen, worauf er starrt. Seine Augen sind aufgerissen, sein Mund steht offen, und seine Flügel sind ausgespannt. Der Engel der Geschichte muß so aussehen. Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet. Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft und sie ihm vor die Füße schleudert. Er möchte wohl verweilen, die Toten wecken, und das Zerschlagene zusammenfügen. Aber ein Sturm weht vom Paradiese her, der sich in seinen Flügeln verfangen hat und so stark ist, daß der Engel sie nicht mehr schließen kann. Dieser Sturm treibt ihn unaufhaltsam in die Zukunft, der er den Rücken kehrt, während der Trümmerhaufen vor ihm zum Himmel wächst. Das, was wir den Fortschritt nennen, ist dieser Sturm."
(Walter Benjamin)
Es ist unglaublich: in einer Stadt wie Baden-Baden, die nicht ihren internationalen Ruf, sondern gar ihre Existenz ihrer Eigenschaft als Kurstadt zu verdanken hat, gibt es keinen Kurdirektor mehr und nicht einmal eine Institution, die dieser so wichtigen Aufgabe verpflichtet ist. Daß die Leute, die nunmehr über das Wohl und Wehe der Kurstadt zu befinden haben, rein gar nichts davon verstehen, verdeutlicht schon die Auflösung der Bäder- und Kurverwaltung. Sie wurde in ihre einzelnen Elemente zerlegt, und nun kocht jeder sein Süppchen für sich, was in der Privatwirtschaft nur zu verständlich ist. Statt Kooperation z.B. zwischen Kurhaus und Kongreßhaus wird- es jetzt blanken Konkurrenzkampf geben. Obwohl Baden-Baden ein Produkt ist, läuft jetzt alles auseinander.
Der Gast und der Kongreßveranstalter sind die Dummen, sie stehen ratlos da auf der Suche nach einer kompetenten Ansprechperson, die ihnen verantwortlich ein "Paket" und alles aus einer Hand anbieten kann. Stattdessen müssen sie nun selber sehen, wie sie ihre Wünsche unter ein Dach bekommen.
Sinn und Zweck der sogenannten BKV-Reform ist doch offensichtlich der Ausbau der Machtposition des Oberbürgermeisters: alles zerhacken und dann einzeln unterordnen. Dem Machtmißbrauch sind damit Tor und Tür geöffnet.
Wie wird es weitergehen mit dieser Stadt? Eine euphorische Hochstimmung sei ausgebrochen, liest man in der Tagespresse. Denken denn die Musiker des BBO und die Mitglieder der städtischen Bühnen wirklich nicht über das Jahr 2000 hinaus? Bis dahin sei ihr Salär gesichert, und dann? - Was sind schon 5 Jahre in der Geschichte Baden-Badens ... ?
Bei aller Arroganz und nicht zu übertreffender Selbstüberschätzung des OB wird über kurz oder lang der Ruf nach einem neuen Koordinator der Splitterkräfte in der Stadt laut werden. Wer wird sich dann sehr schnell an die Spitze des "Fortschritts" stellen? Natürlich derselbe, der jetzt die BKV und den Kurdirektor abgeschafft hat! Nun wird das Kind einen neuen Namen bekommen, damit es als solches auch als von Herrn Wendt gezeugt identifiziert wird und ihm in der Rangordnung den Thron nicht streitig machen kann. Vielen Bürgern ist heute schon klar, daß er als absoluter Laie in Kur- und Tourismusfragen diese Aufgabe nicht bewältigen kann. Auch nicht mit einem 4. Bürgermeister, der völlig überflüssig ist.
Unabhängig davon braucht die Stadt heute mehr denn je unbedingt einen Kurausschuß als Initiativ- und Kontrollorgan, in dem kompetente Fachleute mit entscheiden über Sachfragen, die die Stadt als Kurstadt betreffen. Und das sind wahrscheinlich nicht wenige!
(Hannelore Götz)
Beim Besuch der Regierungspräsidentin Hämmerle mußte Oberbürgermeister WENDT eingestehen, daß Baden-Baden im nächsten Jahr vor großen finanziellen Schwierigkeiten steht. Voraussichtlich wird die Stadt keine Investitionsrate bilden und den Haushalt nicht ausgleichen können. Die Finanzkraft der Kurstadt sei am Ende.
Vor der Wahl hörten wir anderes. Die Schulden der Stadt hätten erheblich abgenommen, die Finanzpolitik sei lobenswert. Tatsächlich begann die Stadt Anfang der siebziger Jahre eine unverantwortliche Schuldenmacherei. Dementsprechend mußten von 1976 bis 1993 für Zinszahlungen 137 Millionen DM und für Tilgungsleistungen weitere 100 Millionen DM aufgewendet werden. Die Stadt könnte bei einer verantwortungsbewußten Haushaltsführung heute schuldenfrei dastehen. Bei den Verwaltungskosten wäre eine äußerst sparsame Linie einzuhalten gewesen, während die Investitionen erst dann hätten genehmigt werden dürfen, sobald eigene Mittel verfügbar waren. Anstatt die Geldgeber mit den Zinsen zu füttern, hätten wir aus höheren Investitionsraten eigenes Vermögen gebildet. Aber es war Mode, über die Verhältnisse zu leben. Zwar wurde viel von Sparen geredet und geschrieben, gleichzeitig wuchsen Jahr für Jahr die Schulden. "Diese Art, das Vermögen der zukünftigen Generationen vorweg zu verschleudern, beweist einen herzlosen Hochmut als wesentlichen Charakterzug", hat schon Jacob Burckhardt in seinen "Weltgeschichtlichen Betrachtungen" festgestellt. Goethe formuliert es im "Faust" so: "Auch auf Parteien, wie sie heißen, ist heutzutage kein Verlaß. Die Goldespforten sind verrammelt, ein jeder kratzt und scharrt und sammelt, und unsere Kassen bleiben leer". Der Marschalk gibt dem Schatzmeister die Antwort: "Wir wollen alle Tage sparen und brauchen alle Tage mehr". So ist es. Ob im Bund, im Land, in den Gemeinden, überall sind die Kassen geplündert. Mit Hilfe der Medien werden die Bürger für dumm verkauft, so daß sie bei den Wahlen diejenigen bestätigen, die sie ins Unglück führen.
Es muß Schluß gemacht werden mit dem leichtfertigen Glauben, es könne so weitergehen. Sparen heißt, in Zukunft weniger auszugeben als wir einnehmen, um die Schulden abbauen zu können. Dieser Weg wird nicht leicht sein, aber er muß gegangen werden. Geschieht dies nicht, ist die finanzielle Katastrophe unabwendbar, auch für unsere Stadt.
(Dieter Rauch)
Er kennt seine Strecke und gibt daher Gas
die Kraft der Maschine
bereitet ihm Spaß.
Er nimmt alle Kurven sicher und schnell,
eine
Herbstnacht sie weichet - und bald wird es hell.
Mit vielen Kurven führt die Straße durchs Land,
es ist seine
Strecke, ihm vertraut und bekannt:
Jetzt kommt der Wald, dann kommen Wiesen,
man
kann jede Fahrt so richtig genießen.
Doch an einer Kurve, da lauert versteckt
eine gefrorene Pfütze, mit
Rauhreif bedeckt.
Ein bißchen Wasser wurde zu glitschigem Eis,
der
Kenner der Strecke aber dieses nicht weiß.
Flott steuert er die letzte Kurve der Strecke an,
aber die Maschine er
hier nicht mehr halten kann.
Ein kleines Holzkreuz am Straßenrand kündigt
davon:
"Hier starb Martin - unser einziger Sohn".
Ein tragisches Schicksal hat immer geführt
zum Holzkreuz am Wege,
das viele berührt.
Drum wäge stets gut und wahre das Maß,
denn
einer liegt hier, der dieses vergaß!
(H. Melcher)
Dorthin - will ich: und ich traue
Mir fortan und meinem Griff.
Offen liegt das Meer, ins Blaue
Treibt mein Genueser Schiff.Alles glänzt mir neu und neuer,
Mittag schläft auf Raum und Zeit - :
Nur dein Auge - ungeheuer
Blickt mich's an, Unendlichkeit!
Auszug aus dem Gedicht "Nach neuen Meeren" das in Friedrich Nietzsches Werk "Die fröhliche Wissenschaft" zu finden ist. Friedrich Nietzsches Geburtstag jährte sich am 15. Oktober zum hundertsten Mal. Das "Bürgerforum" wird in der nächsten Ausgabe auf Friedrich Nietzsche, einem der größten deutschen Philosophen, in einem gesonderten Beitrag eingehen.)
Wer sich zu Fuß auf den Weg zu den Schwarzwaldhöhen macht, ist lange Strecken allein und kann die Schönheiten und die Ruhe der Natur ungestört genießen. Wer dagegen im Auto oder auf dem Motorrad den Verkehr auf der B500 vermehrt, fährt oft in der Kolonne und muß auf den Gegenverkehr achten. Vor allem an Wochenenden sind am Ziel die Parkplätze Mangelware. Der Vergleich beider Möglichkeiten führt zu der Frage, weshalb die große Mehrheit von "Schusters Rappen" nur selten Gebrauch macht.
Zum Ausgleich unserer in vielen Fällen bewegungsarmen Berufe sollten wir zur Erhaltung unserer Gesundheit viel mehr wandern. Von Werner Schriefer stammt der kleine Vers:
"Wer immer sitzt, kommt auf den Hund!
Wer läuft und schwitzt, der bleibt gesund !"
Gehen ist ja nicht nur für die Beine, sondern auch für Herz und Lunge, ja für den ganzen Körper eine heilsame Sache.
Gehen statt fahren schont aber auch die Menschen in den Wohngebieten, durch die die Straßen führen, die auf dem Weg zum Ziel im Grünen durchfahren werden. In Lichtental sind dies oft über eintausend Fahrzeuge in der Stunde, welche die Luft verpesten und Lärm verursachen.
Es wäre ein Mißverständnis, diese Betrachtung als Verteufelung des Automobils zu werten. Das Auto ist ein Hilfsmittel, welches uns in vielen Situationen wertvolle Dienste als Verkehrs- und Transportfahrzeug leistet. Nur dürfen wir uns davon nicht abhängig machen lassen und selbst kleine Wege mit dem Auto zurücklegen.
Der bessere Weg zur Gesundheit aller ist der Fußweg, den wir wieder öfter einschlagen sollten.
(Stadtrat Tilman Mayr)
"Dem Demokraten genügt es nicht, daß wir respektieren, was er mit seinem Leben machen will. Er verlangt darüber hinaus, daß wir respektieren, was er mit uns machen will."
(Nicolás Gómez Dávila)
Die Bundesrepublik Deutschland ist ein wasserreiches Land. Fünf große Flüsse strömen durch unser Land. Hunderte von künstlichen und natürlichen Seen lassen den Gedanken an Wassermangel erst gar nicht aufkommen.
Allerdings käme niemand von uns auf die Idee, das Wasser aus dem Rhein oder der Elbe unmittelbar zu trinken. Da greifen wir schon lieber auf unsere Grundwasservorräte zurück. Denn Grundwasser gilt allgemein als klar, appetitlich und frei von Schadstoffen. Diese Annahme ist aber nur noch teilweise richtig. Zunehmend lesen wir über besorgniserregende Grundwasserverschmutzungen und die Gefährdungen unserer Wasserversorgung.
Grundwasser von ausgezeichneter Qualität ist also schon längst keine Selbstverständlichkeit mehr.
Aber auch die Menge des verfügbaren Grundwassers ist nicht unbegrenzt. Unser Bedarf an gutem Wasser ist in der Vergangenheit ständig gestiegen. Waren es 1950 nur etwa 85 Liter, so verbrauchen wir heute im Durchschnitt 145 Liter Trinkwasser pro Tag. Diese Menge wird aufgrund der zunehmenden Ausstattung unserer Wohnungen mit Badewannen und Duschen, Wasch- und Geschirrspülmaschinen, WC's und Bidets noch leicht ansteigen.
Ungleich "durstiger" als wir selbst ist die Industrie. Mehr als 11 Milliarden Kubikmeter Wasser entnimmt sie jährlich den Flüssen, dem Grundwasser und dem öffentlichen Versorgungsnetz. Allerdings ist hier ein Rückgang im Wasserverbrauch zu verzeichnen.
Die Gründe dafür liegen vor allem in gestiegenen Kosten, aber auch im Umweltbewußtsein. Wasser wird zunehmend als kostbarer Rohstoff und weniger als Wegwerfprodukt begriffen. Deshalb wird es, soweit möglich, mehrfach verwendet. Neue Verfahren verzichten gar ganz auf seinen Gebrauch.
Trotz aller guten Ansätze entnimmt die Industrie immer noch eine riesige Menge Wasser aus dem Grundwasserschatz, um es nach Gebrauch als Schmutzwasser in die Klärwerke einzugeben.
Kraftwerke hingegen benutzen überwiegend Flußwasser bei ihrer Produktion von Energie und Wärme. Allerdings ist deren Wasserbedarf mit 25,6 Milliarden Kubikmeter pro Jahr (1985) gigantisch. Würde unser Energieverbrauch tatsächlich - wie von einigen Experten angenommen - um jährlich zwei bis drei Prozent steigen, würde sich der Wasserbedarf bis zum Jahre 2010 fast verdoppeln. Folge dieses enormen Wasserverbrauches wäre vor allem eine weitere Belastung unserer Umwelt mit Abwärme: Flüsse und Atmosphäre würden noch stärker angeheizt.
Durch Erwärmung aber werden die Abbauprozesse im Wasser beschleunigt. Dadurch wird mehr Sauerstoff verbraucht, der damit Fischen und anderen Flußbewohnern entzogen wird.
(Auszug aus der Broschüre "Ohne Wasser läuft nichts!", Umweltbundesamt Berlin 1984)
© Hubert Gassenschmidt 1997