Bürgerforum
Dem Gemeinwohl verpflichtet

Nummer 10, 2. Jahrgang, Dezember 1994

Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft Ökologie e.V., Postfach 1305, 76502 Baden-Baden
V.i.S.d.P.: Dieter Rauch


Inhalt:

Der Weihnachtsbaum in Glauben und Brauch
Weihnachten 1942 in Stalingrad
Die Glosse: Chefsache Kinderspielplätze.
Phantomfrau in den Medien
Erinnerung
Theodor Storms Rat an seinen Sohn
Der Freund aller Völker.
Ich wünsche mir
Die Naivität des Jahres 1994
Die Rückkehr der Wölfe
Killer Nr. 1
Rauchfreie Schule in Baden-Baden?

[ Übersicht ]


Der Weihnachtsbaum in Glauben und Brauch

Nach Straßburg, der alten Heimat des weihnachtlichen Wintergrüns, führt uns im Jahre 1785 der Reisebericht der Baronin von Oberkirch mit der Bemerkung: "Man bereitet in jedem Hause den Tannenbaum, bedeckt mit Lichtern und Bonbons, mit einer großen Illumination". Man könnte hiernach annehmen, daß auch Goethe, der in den Jahren 1770 bis 1771 in Straßburg studiert hatte, den Weihnachtsbaum, von dem er 1774 in den "Leiden des jungen Werther" spricht, zum mindesten dort im Elsaß, ebenso wie schon einige Jahre vorher in Leipzig, kennengelernt habe. Es klingt aber doch so, als hätte er ihn schon aus seiner frühen Frankfurter Jugendzeit gekannt, wenn er erzählt, wie Werther am Sonntag vor Weihnachten zu Lotte kam: "Sie beschäftigte sich, einige Spielwerke in Ordnung zu bringen, die sie mit ihren kleinen Geschwistern zum Christgeschenk zurecht gemacht hatte. Sie redete von dem Vergnügen, das die Kleinen haben würden, und von den Zeiten, da Einen die unerwartete Öffnung der -Tür und die Erscheinung eines aufgeputzten Baumes mit Wachslichtern, Zuckerwerk und Äpfeln in paradiesische Entzückung setzte".

Als Goethe bald darauf nach Weimar kam, war der Weihnachtsbaum dort bereits in Übung. Schon hatte man wie auch sonst in Thüringen, in Eisenach und Coburg, in Gotha und in Jena, Veranlassung, in Verordnungen gegen den Waldfrevel, die Plünderung der Wälder aus Anlaß des Christfestes zu verbieten. Die Weimarische Forstordnung von 1775 setzte eine Strafe von 5 Thalern oder 14 Tagen Gefängnis darauf, Tannengipfel für "sogenannte" Christbäumchen auszuschneiden.

Jedenfalls war der Baum in Weimar und ganz besonders am dortigen Hofe längst eingeführt, als Goethe zu Weihnachten 1821 für Karl August die Verse dichtete:

"Bäume leuchtend, Bäume blendend,
Überall die Süße spendend
In dem Glanze sich bewegend,
Alt und junges Herz erregend,
Solch ein Fest ist uns bescheret,
Mancher Gaben Schmuck verehret,
Staunend schaun wir auf und nieder,
Hin und her und immer wieder."

(Auszug aus: "Der Weihnachtsbaum in Glauben und Brauch", Historische Faksimiles, Bremen 1982.)

[ Inhalt | Übersicht ]


Weihnachten 1942 in Stalingrad

Weihnachten - das ist für uns vom Wohlstand verwöhnte Bundesbürger oft genug die Summe unserer Anspruchsunverschämtheiten. Erst in zweiter Linie tritt - wenn überhaupt - die religiöse Dirnension dieses Festes zutage, das ein Fest der Liebe und des Friedens sein soll. Vielleicht auch ein Fest der Demut, des Innehaltens und der Einkehr. Hält man inne, dann wird man sich vielleicht daran erinnern, daß es Zeiten in der Geschichte dieses Landes gab, in denen der Leidensdruck, unter dem das deutsche Volk stand, gerade im Weihnachtsfest auf unmißverständliche Art und Weise zum Ausdruck kam. Selten erreichte der Leidensdruck wohl ein größeres Ausmaß als in jenen Tagen des Kampfes um eine Stadt, die wie ein Mahnmal aus der langen Geschichte kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen Völkern herausragt.

Selten war er größer als in der Zeit des Kampfes um Stalingrad. Diese Schlacht, die mehr war als jener vielzitierter "Wendepunkt des Krieges", brachte jeden, der an ihr beteiligt war, mit' zwingender Notwendigkeit auf die Grundfragen des Daseins. Was könnte darüber eindrucksvoller Zeugnis ablegen als jene Lebenszeichen aus dem "tiefen Tal der Finsternis", die nüchtern als "Feldpostbriefe" bezeichnet werden? So schreibt beispielsweise ein Doktor der Medizin und der Theologie am 3.12.1943: "...Das ist nackt und wirklich und wahr das Letzte: der Wille zum Leben, zum eigenen Leben. Ernsthafte Gespräche über Gott und Welt. Und draußen furchtbares Kampfgetöse der Vernichtung. Das Herz ist übervoll. Ich möchte Dich nur an meiner Gegenwart und jüngsten Vergangenheit Anteil nehmen lassen. Du sollst auch in dieser Lage nicht in vollkommenem Nichtwissen um mich stehen". Doch nicht nur das massenhafte Sterben um jeden Einzelnen herum gehörte zu den täglichen Erfahrungen der Soldaten, die in Stalingrad kämpften, auch Hunger, Erschöpfung und Auszehrung.

Davon legt ein Feldpostbrief vom 31.12.1942 Zeugnis ab: "Von den 380 Mann, die stolz ausrückten, sind noch 100 Gestelle aus Haut und Knochen vorhanden. Wir Überlebenden können kaum noch laufen vor Hunger und Schwäche". Der Hunger tat nach Aussage eines anderen Soldaten "so weh, daß wir die toten Russen nach Brot durchsuchen und oftmals bei ihnen auch Erbsenmehl finden, das wir in Wasser ohne Salz kochen" (aus einem Brief vom 5.1.1943).

Trotz alledem gab es viele Zeugnisse zutiefst beeindruckender Tapferkeit auch diesem Leben gegenüber: "...Wir haben uns manches Mal gefragt, in den Tagen vorher, wie dieses Weihnachtsfest 1942 verlaufen wird. Ich weiß nur, daß es in dieser 'Trotzdem-Stimmung' gut und tiefer verlaufen wird wie alle Feste des 24.12. es waren oder es je noch werden können ... wie in dieser Nachtstunde des 24.12., M.W.) der Wind abflaute, es klar wurde, ... war mir das wie ein Symbol dafür, daß nach Not und Ungestalt des Schicksals das Leben sich wieder wendet" (Brief eines Soldaten vom 24.12.1942).

Diese Soldaten, die täglich mit der Macht des Todes konfrontiert waren, ihnen ist wohl mehr als anderen Menschen deutlich geworden, was Sterblichsein bedeutet. Im Tode, so formulierte es einmal der deutsche Philosoph Martin Heidegger, versammelt sich die Lethe, die Verborgenheit des Seins. Lethe verweist auf das Herz der Aletheia. Jenem Ort der Stille, an dem sich das Geben versammelt, das die Unverborgenheit gewährt und die Gabe des Seins gibt. Der Tod bildet die Gestalt, in welcher das Geheimnis aller Geheimnisse den Sterblichen angeht. Durch den Tod ist der Mensch ständig beansprucht, dem Sein zu entsprechen, dessen Geheimnis nicht zu entschleiern, sondern zu hüten.

In Zeiten der "Seinsvergessenheit" (Heidegger), wie es die unsrige zweifelsohne ist, verweist uns das Weihnachtsfest auf das Geheimnis des Seins. Diesem sollten wir in diesen Tagen nachspüren.

(Ansgar Hofacker)

Was ihr erduldet - niemand kann's ermessen,
wenn wir's auch liebend oft und oft bedächten -
in jenen Tagen und in langen Nächten
und, wie es schien, von Welt und Gott vergessen;

da jähe Zweifel sich in Herz gefressen
und wie Verbannte ihr in Todes Schächten,
verzehrt von Kälte, Hunger und Gefechten
schon wie in Gräbern, lebend noch, gesessen -

was ihr erduldet, keiner kann's erzählen
mit jenen Worten, die die Sprache nennt.
Zu solchen Leiden kann nur Gott erwählen,

und die erwählt in Todes Rachen blieben,
die sind von Gott, der die Erwählten kennt,
mit ihrem Leiden in sein Herz geschrieben.

Arno Pötzsch, "Stalingrad"

[ Inhalt | Übersicht ]


Die Glosse: Chefsache Kinderspielplätze.

Eine erdachte Geschichte

Paukenschlag: Allgemeine Empörung. Kinderspielplätze unsicher, Schluderei in der Verwaltung.

Wie zieht man sich aus der Affäre und wandelt sich gekonnt vom Schuldigen zum Helden?

Rezept: Man erklärt den Mißstand zur CHEFSACHE. So schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe.

  1. Man distanziert sich von den Mißständen der eigenen Verwaltung und erweckt den Eindruck, Schuld seien immer nur die da unten, während man selber frei von Fehl und Tadel ist. (Vergleiche Affäre Wahlverfälschung.)
  2. Desweiteren spiegelt man dem Publikum vor, man sei allein der große Macher, ein Ausbund an hervorragenden Fähigkeiten und Weitsicht, um schwerwiegende Probleme zu lösen.

Auf diese Weise wandelt man sich vom Sünder zum Helden. Dabei bekommt das verehrte Publikum zumeist nicht mit, daß die vielen Mißstände auf tiefgreifenden Fehlern der Verwaltung beruhen.

Hypothetischer Ablauf solch eines Reinwaschungsprozesses am Beispiel Spielplätze.

1. Akt:
DER CHEF lädt ein zur Pressekonferenz. Stifte flitzen über das Papier, Kameras klicken. Heroische Geste: Sicherung der Kinderspielplätze wird zur höchstselbigen Angelegenheit, also zur CHEFSACHE erhoben. Große Rede: Wohl unserer Kinder, Jugendlichkeit der Stadt, unermüdlicher Einsatz usw. (Tusch, Vorhang.)

2. Akt:
Ein Kinderspielplatz. Der Held betritt die Szene, wirkungsvoll dekoriert von zahlreichen Ratsmitgliedern. (Tusch, Vorhang.) Presse, Kameras klicken. Große Rede: Kinder unser höchstes Gut, jugendliche Stadt, unermüdlicher Einsatz für unsere Jugend usw.

Gang über den Spielplatz. Statt besorgtväterlicher Milde nunmehr sorgenbefurchter Ernst. Der Chef rüttelt an einer Stange - sie widersteht. Er betrachtet kummerbefaltet eine Rutschbahn - sie hält seinen Blicken stand. Er entnimmt dem Kasten eine Handvoll Sand und stellt fest, daß dieser rieselt. Großaufnahme.

Ein ihn begleitender Stadtrat weist auf einen Hundehaufen hin. Mißgunst beim Helden
a) weil er den Haufen nicht selber bemerkte,
b) weil sich hier jemand in Szene setzen will, dem das nicht zusteht.

Schließlich großer Abgang. (Tusch, Vorhang.)

Man könnte statt des großen Laienklamauks auch zwei städtische Handwerker über die Spielplätze schicken, um Sicherungsmaßnahmen zu ergreifen. Man könnte zudem ohne Kosten Kinder nach dem befragen, was ihnen an den Spielplätzen nicht gefällt und was verbessert werden sollte. Man könnte! Aber dann entfiele die Gelegenheit, vor Kameras posieren und sich als Retter zu profilieren. Ja. wenn DER CHEF so besorgt bzw. liebevoll-herzlich gekonnt daherredet und sein Strahlemann-Lächeln anknipst, dann möchte man ihn am liebsten vor Rührung umarmen und ans Herz drücken sofern man noch naiven Kinderglaubens ist.

(Till Eulenspiegel)

[ Inhalt | Übersicht ]


Phantomfrau in den Medien

Langsam gewinnt man den Eindruck, daß es wirklich nur "versklavte Mütter" und "berufsgestreßte Männer" gibt. Die traditionelle Familie steht unter starkem Beschuß. Es wird uns von den Medien ein neues Frauenbild vorgegaukelt: Diese Phantomfrau ist selbstverständlich erfolgreich im Beruf, unabhängig, sportlich, ewig jung und verführerisch schön. Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn viele Mütter an ihrem Wert verzweifeln und sich Unzufriedenheit breit macht. Die Krise, in der die Frau steckt, wird zwangsläufig auf den Mann übertragen.

Ich wage zu behaupten, daß es noch Frauen gibt, die sich mit großem Einsatz um ihre Kinder kümmern und gerade dadurch das schönste und größte Lebensglück erreichen, ohne altmodisch, beschränkt und unselbständig zu sein.

Auch gibt es Männer, die sich ihrer Rolle als Ernährer und Beschützer noch bewußt sind, ohne Angst haben zu müssen, daß sich emanzipierte Frauen diskriminiert fühlen. Dieses Familienbild hat seinen Ursprung in der Bibel. Dabei spielt aber auch die Treue ein große Rolle. Fällt sie weg, ist keine Basis mehr vorhanden für Vertrauen. Der Mensch, der die Treue bricht, schadet sich und anderen. Besonders den Kindern, denen dann Geborgenheit und Sicherheit fehlen. Auch sie werden sich schwertun, einem Menschen wirklich zu vertrauen.

(Renate Ernst)

"Die beste Arznei für den Menschen ist der Mensch. Der höchste Grund der Arznei ist die Liebe."

(Paracelsus)

[ Inhalt | Übersicht ]


Erinnerung

Ich weiß mir ein gar köstlich Ding
In der Erinnerung Schar:
Den Duft, der in der Stube hing,
Wenn Weihnachtsabend war.

Ich saug ihn mit der Seele ein
Aus Kinderfernen her.
Er macht wie süßer, alter Wein
Mein Herz mir fröhlich-schwer.

Es wird mir dann zu Mute schier,
als wär die Welt ein Traum
Und alle Sterne über mir
Ein ew'ger Weihnachtsbaum.

(Hermann Claudius)

[ Inhalt | Übersicht ]


Theodor Storms Rat an seinen Sohn

Hehle nimmer mit der Wahrheit!
Bringt sie Leid, nicht bringt sie Reue.
Doch, weil Wahrheit eine Perle,
Wirf sie auch nicht vor die Säue.

Blüte edelsten Gemütes
Ist die Rücksicht, doch zuzeiten
sind erfrischend wie Gewitter
goldne Rücksichtslosigkeiten.

Wackrer heimatlicher Grobheit
setze deine Stirn entgegen -
artigen Leutseligkeiten
gehe schweigend aus den Wegen.

Wo zum Weib du nicht die Tochter
wagen würdest zu begehren,
halte dich zu wert, um gastlich
in dem Hause zu verkehren.

Was du immer kannst, zu werden,
Arbeit scheue nicht und Wachen,
aber hüte deine Seele
vor dem Karriere-Machen.

Wenn der Pöbel aller Sorte
tanzet um die goldnen Kälber,
Halte fest: du hast vom Leben
doch am Ende nur dich selber.

Das "Bürgerforum" gibt diesen Rat, verbunden mit guten Wünschen für das Neue Jahr, an alle Leser weiter.

[ Inhalt | Übersicht ]


Der Freund aller Völker.

Johann Gottfried Herder, geboren vor 250 Jahren am 25. August 1744 in Mohrungen/Ostpreußen, prägte die Erkenntnis:

"Ohne Begeisterung geschah nichts Großes und Gutes auf der Erde. Diejenigen, die man für Schwärmer hielt, haben dem menschlichen Geschlecht die nützlichsten Dienste geleistet."

Welch ein Gegensatz zum herrschenden Zeitgeist! Nüchterne Sachlichkeit ist Trumpf. Der kalte Verstand regiert. Besonders deutlich wurde das durch die Art und Weise, in der die zur Wiedervereinigung führende Begeisterung zerredet worden ist. Aus der herzlichen Freude, in der sich Deutsche beiderseits der Mauer und Grenze begegneten, wurde durch hämische Kritik an Nebensächlichkeiten das Glück der Überwindung der Trennung gestört.

Herder hat klar erkannt, daß der Geist - womit auch der Volksgeist gemeint ist - die großen und guten Veränderungen bewirkt, nicht der kleinliche Hader und das Aufrechnen der Vor- und Nachteile einer Entscheidung.

Wir hören zu wenig und zu selten auf die Großen unseres Volkes. Deshalb gehen wir zu oft in die Irre. Zu diesem Irrgang gehört die Vorstellung, die Völker, bzw. die Nationen seien heute nicht mehr die Lebenseinheiten, in denen der Mensch seine kulturelle und persönliche Heimat findet. So wird er wurzellos und verliert wie ein schwankendes Rohr im Wind seinen Halt. Die letzte Richtschnur, die dann noch bleibt, ist das Geld und sein Wachstum. Herder schrieb hierzu:

"Die ganze einzige Triebfeder unserer Staaten, Furcht und Geld; ohne Religion, ohne Ehre und Seelenfreiheit und Menschenglückseligkeit im mindesten zu gebrauchen. Wie wissen wir, den einzigen Gott alter Götter, Mammon, als einen zweiten Proteus zu erhaschen! Und wie zu verwandeln! Wie alles von ihm zu erzwingen, was wir nur wollen - Höchste glückselige Regierungskunst!"

Hat Herder die bolschewistische Methode der Herrschaft durch Furcht vorausgesehen und ebenso die Allmacht der internationalen Kapitalmächte? Wir sollten auch Bedenken, was Herder zum Zusammenschluß vieler Völker in einem Großstaat geschrieben hat:

"Das Reich eines Volkes ist eine Familie, ein wohlgeordnetes Hauswesen: Es ruhet auf sich selbst; denn es ist von der Natur gegründet und stehet und fällt nur mit den Zeiten. Ein zusammengezwungenes Reich von hundert Völkern und hundertzwanzig Provinzen ist ein Ungeheuer, kein Staatskörper."

Herders Denkmal steht in Weimar, wo er von 1776 bis 1803 als Generalsuperintenent gearbeitet hat, in Verbindung mit Goethe, mit dem er seit der gemeinsamen Straßburger Zeit 1770/71 befreundet war. Er starb am 18.12.1803, lebt aber, wie er selbst gesagt hat, weiter:

"Die Fragen eines Gestorbenen müssen nicht mit ihm gestorben sein, dazu ist die Schrift und Buchdruckerei, dazu sind wir da."

(Dieter Rauch)

[ Inhalt | Übersicht ]


Gleichheit vor dem Gesetz

Gemäß Artikel 3 des Grundgesetzes sind wir vor dem Gesetz gleich, niemand darf benachteiligt oder bevorzugt werden. Dies ist für einen Rechtsstaat ein selbstverständlicher Grundsatz. Vor Gericht müssen alle gleich behandelt und beurteilt werden.

Dieses fundamentale Grundrecht ist in Deutschland ins Wanken geraten. Es ist unerträglich, daß unreife junge Menschen, denen eine "rechte" Gesinnung unterstellt wird, nicht nur von den Medien, sondern auch von der Justiz viel härter und gnadenloser verurteilt werden als jugendliche Gewalttäter der autonomen Szene, die "linke" Überzeugungen vertreten.

Glücklicherweise spielt diese Form der Auseinandersetzung in Baden-Baden bisher keine Rolle. Wir hoffen, daß dies so bleiben und auch im übrigen Deutschland sich die Erkenntnis wieder durchsetzen wird, daß der Bruch des Landfriedens nicht geeignet ist, politischen Streit zu führen.

Unser Mitbürger Dr. Haneberg hat zu dieser Frage vor einiger Zeit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" einen Leserbrief geschrieben. Wir danken ihm für die Erlaubnis, diesen im "Bürgerforum" abdrucken zu dürfen:

Umkehr des Rechtsdenkens

Erstaunlich ist die Geschwindigkeit, mit welcher manche Politiker und sonstige selbsternannte Vertreter der sogenannten öffentlichen Meinung Grundsätze über Bord werten, die fast 50 Jahre lang als Errungenschaften der Strafrechtspflege des demokratischen, liberalen Rechtsstaates galten. Diese waren Nachsicht und Milde gegenüber dem Täter, in der Strafzumessung galt vor allem der Grundsatz der Resozialisierung vor dem Grundsatz der Sühne, während der Grundsatz der Abschreckung praktisch aufgegeben wurde. Die Ausschreitungen zumeist betrunkener randalierender Jugendlicher und Halbstarker haben - soweit diese der sogenannten "rechten" Szene zugeordnet werden - in Windeseile eine Umkehr des Denkens bewirkt: Schleunige Verhaftung wird gefordert, im Zweifel Untersuchungshaft sowie verschärfte Strafbestimmung zuzüglich "Ausschöpfung" des Strafmaßes - wohlgemerkt nur auf diesem Sektor. Im übrigen mag es so weitergehen wie bisher.

Erfolgversprechender wäre es, den Ursachen für die Krawalle nachzugehen und eine Politik zu betreiben, welche die Ursachen zumindestens dämpft. Mit öffentlicher Gesundbeterei und Schamerklärungen werden sie nicht beseitigt. Ausländer und Deutsche wollen sich in diesem Land sicherfühlen. Eine der erforderlichen Voraussetzungen dafür ist die Justiz, die keine Unterscheidungen nach Tätergruppen kennt. Wie wäre es mit der Wiedereinführung der früheren Strafbestimmungen gegen Landfriedensbruch, durch die bereits Zusammenrottungen unter Strafe gestellt wurden?

(Dr. jur. Gerd Haneberg)

[ Inhalt | Übersicht ]


Ich wünsche mir

"..., daß kein Beamter mit Entscheidungsbefugnis (insbesondere Richter), kein weisungsberechtigter Angestellter im öffentlichen Dienst einer Partei angehören darf. Nur so kann der Gefahr sachfremder Einflüsse auf Handlungen und Urteile und die Ausbreitung von Mittelmäßigkeit und Vetterleswirtschaft im öffentlichen Dienst ihre Grenzen finden."

(Karin Suess)

"Seit Jahrzehnten wünsche ich, die Menschen mögen die Endlichkeit der Erde erkennen und dem Wachstumswahn entsagen. So könnte die noch vorhandene Natur in allen Erscheinungsformen bewahrt und damit die Lebensgrundlagen gerettet werden."

(Eugenie Kuner)

[ Inhalt | Übersicht ]


Die Naivität des Jahres 1994

In Entgegnung auf die Kritik, der Erweiterungsbau des Kongreßhauses würde zum Flop werden (was sich inzwischen bestätigt hat), antwortete Frau Lazarus (CDU) in einem Interview (BT, 18.6.94):

Das Kongreßhaus "steht jetzt für sich da und jeder kann sehen, das es kein Flop ist." (!)

Frau Lazarus erreichte bereits bei der Naivität des Jahres 1993 die einsame Spitze.

Anstatt den Landeshaushalt kritisch unter die Lupe zu nehmen und dabei die heimliche Kürzung des Rennwettsteuerrückflusses zu bemerken, jammerte sie später wehleidig: "Die Stelle, die sich zu kontrollieren hatte, habe sie nicht informiert." (!)

Darum ist nicht auszuschließen, daß Frau Lazarus auch bei der Naivität des Jahres 1995 in Führung gehen wird.

(Prof. Dr. H. Gräbenitz)

[ Inhalt | Übersicht ]


Die Rückkehr der Wölfe

Wer mit dem Wolf tanzt, hat keine Vorurteile. Und das ist gut so. die Angst des Menschen vor der "Bestie" ist weitgehend unbegründet. Anders herum stimmt's heute: Der Wolf fürchtet den Menschen.

Jetzt kehrt er zurück. In Gebiete, in denen er vor Zeiten ausgerottet wurde. Um 1500 setzte in unseren Breiten ein Kesseltreiben ohne gleichen gegen dieses Tier ein. Grausam und gnadenlos. Denn die Bauern haßten den "Canis Lupus", weil er ihr Vieh riß. Für die adeligen Grundherren war er Konkurrent... Sündenbock Wolf! Der natürliche Feind wurde zum Monstrum. Im Märchen fraß der "böse" Wolf Geißlein, Oma und Rotkäppchen. In Lesebüchern stand Irrationales. Der Volksmund erfand den "Wolf im Schafspelz" und der "Wehrwolf" ernährt noch heute viele (Kino-)Autoren.

Aus der hysterischen Verfolgung wurde die tödliche Jagd mit allen menschlichen Mitteln und schließlich - am 1.5.1900 - streckte eine Kugel den letzten freilebenden "westdeutschen" Wolf im Saarland bei Lisdorf nieder. In der Folgezeit verirrten sich nur noch Einzelgänger aus dem Osten zu uns. Noch vor wenigen Jahren griffen Jäger, Bauern und Polizei dann regelmäßig zu den Waffen.

Heute geben Sinneswandel und Akzeptanz dem Wolf wieder echte Überlebenschancen in Deutschland. Selbst die einstigen ärgsten Feinde des Wolfes, Jäger, Viehzüchter und Bauern erkennen: Ein Miteinander von Wolf und Mensch ist möglich - auch in einer Kulturlandschaft. Das belegen Zahlen aus Spanien (1500 bis 2000 Wölfe), Polen (700) oder Italien (300).

Seit der Ausrottungsprozeß in Polen 1977 beendet wurde, haben sich die Bestände dort um das Achtfache vermehrt. Beim Ausbreiten nach Westen hat sich im Grenzgebiet zu Brandenburg eine Population von etwa 30 bis 50 Wölfen etabliert. Aus dieser Region wandern besonders junge Tiere ab.

Zu DDR-Zeiten freilich kamen sie nicht weit, das Regime kannte keine Schonzeiten. Die klugen und anpassungsfähigen Tiere reagierten rasch auf die geänderte Einstellung des Menschen und bessere Bedingungen. Sie sind dabei, Gebiete ihrer früheren Lebensräume wieder zu besiedeln. Als vor Jahresfrist in Brandenburg Anzeichen auf eine Wölfin mit Welpen hindeuteten, begrüßten das Natur- und Tierfreunde: Es gibt wieder Wölfe in Deutschland!

Aus diesem Anlaß veranstalteten das Bundesumweltministerium und die Internationale Naturschutzakademie, Insel Vilm, im Oktober in Frankfurt/Oder ein deutsch-polnisches Symposium. Perspektiven, Chancen und potentielle Probleme der Zuwanderung von Wolf und Elch, war das Hauptthema für die Naturschutz-Vertreter und Säugetierkundler.

Die wildbiologische Gesellschaft München e.V. - sie erarbeitet derzeit grenzüberschreitende Schutzprogramme für den Wolf - sieht gute Chancen für den Heimkehrer Wolf in Brandenburg. Die ökologischen Bedingungen seien recht gut: mit 91 Einwohnern pro Quadratkilometer ist es eines der Bundesländer mit der geringsten Bevölkerungsdichte. Um Konflikte in dichtbesiedelten Regionen zu vermeiden, "muß die Ausbreitung der Wölfe vom Menschen kontrolliert werden". Der berühmte Wolfsexperte Dr. Erik Zimen, von Insidern liebe- und respektvoll 'Wolfsmensch" genannt, freut sich natürlich auch über das Heimfinden der Wölfe, "ohne Einschränkung". Das Problem ist nicht der Wolf, der kommt überall zurecht, das Problem ist der Mensch.

Eine große Medienkampagne zum Schutz des Wolfes hat das Tier in Italien zu einem Sympathieträger der jüngeren Generation gemacht. Auch bei uns sind die Medien bereits weg von den blutigen Schlagzeilen. Plötzlich ist die Rede von "wunderschönen Tieren", vom sozialen Verhalten untereinander, von Liebe zum Bruder Wolf gar. Wolfsfreund Zimen: "Aus dem Satan ist der gütige Familienvater geworden". Das Romantisieren und Vermenschlichen des Wolfes ist aber das andere Extrem, mit dem man dem Tier auch keinen Gefallen tut.

"Wolf bleibt Wolf. Er wird immer wieder einmal ein Schaf oder ein Reh reißen, das muß man wissen und akzeptieren", so Zimen. Darüber zu lamentieren wäre Heuchelei. Einen Menschen indessen greift ein gesunder Wolf nicht an. Nur, wenn er sich in die Enge getrieben sieht, dann beißt er in Todesangst um sich. Und das Problem Tollwut? Es hat in den letzten Jahren durch neue Bekämpfungsmethoden (Schluckimpfung) an Schrecken verloren.

Die Wölfe kommen wieder. Ohne menschliches Zutun wie Auswilderung. Sie kommen von ganz alleine. Machen wir unseren Frieden mit Ihnen!

(P.-H. Schemitz)

[ Inhalt | Übersicht ]


Killer Nr. 1

Wer hat sie nicht schon beobachtet, die "moderne, emanzipierte Frau im Stil der neuen Zeit!'? Im linken Arm ihr gerade ein paar Wochen altes Baby, in der noch freien rechten Hand der Glimmstengel, mit dem sie schon im Mutterleib und während des Aufwachsens ihr eigenes Kind so nachhaltig schädigt, daß sie dies in ihrem ganzen Leben nicht mehr gut machen kann.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf hat in den letzten Jahren ca. 50.000 wissenschaftliche Studien weltweit zusammengetragen, die übereinstimmend das Rauchen in unserer Gesellschaft zur größten Einzelursache für den vorzeitigen Tod von ca. 3-5 Millionen Menschen jährlich brandmarken. In unserem Land sind es jährlich 15.000 Tote, die allein auf den zweifelhaften "Genuß" von Tabakprodukten zurückzuführen sind, mehr als durch Alkohol, sämtlichen harten Drogen und Autoverkehr zusammengenommen! Daher hat die WHO Nikotin schon vor mehr als 10 Jahren als Suchtdroge und Killer Nr. 1 bezeichnet. Die Suchtbeauftragten der europäischen Staaten haben kürzlich bei der Tagung in Paris festgestellt, daß aktiver und passiver Tabakkonsum das Leben um 20 Jahre und teilsweise mehr verkürzt!

Die meisten heute bekannten Krebsarten wie Lungen-, Nieren-, Darm-, Magen-, Unterleibskrebs und andere mehr sind zu einem hohen Anteil auf Aktiv- oder Passivrauchbelastung zurückzuführen. Das gleiche gilt für Herz- und Kreislauferkrankungen. So haben Angestellte in der Hotellerie, die z.B. als Kellner in verrauchten Räumen tätig sind, eine besonders hohe Rate an Lungenkrebserkrankungen, was seit einiger Zeit sogar schon als Berufskrankheit anerkannt wird. Besonders makaber wird es aber, wenn man die Machenschaften der Tabakindustrie vor Augen führt. Das US-Gesundheitsministerium hat vor kurzem festgestellt, daß die großen Zigarettenfirmen im Herstellungsprozeß der Zigarette den Tabak zusätzlich mit synthetischen Nikotin besprühen, um die Kunden schneller süchtig zu machen oder sie süchtig zu halten. In der Bundesrepublik geben die Tabakhersteller jährlich ca. 600 Millionen DM für Werbung aus, die besonders auf jugendliche Einsteiger abzielt, um die Quote der wegsterbenden Älteren auszugleichen. Der Erbe der Zigarettenfirma "Reynolds" hat vor einigen Jahren sein Erbe mit der Begründung abgelehnt, er wolle nicht für den Tod von Millionen Menschen durch seine Produkte mit ca. 2000 hochgiftigen Inhaltsstoffen verantwortlich sein.

Auch aus Gründen des Umweltschutzes müßte das Rauchen von Zigaretten in unserer Gesellschaft längst verboten sein. Beim Vergleich von Autoabgasen mit Zigarettenrauch wurde festgestellt, daß Zigarettenrauch um das 8-12fache giftiger ist und den 12-15fachen Anteil an Kohlendioxyden hat. Allein in der Bundesrepublik werden jährlich 360 Milliarden dieser Glimmstengel in die Luft geblasen. Daß Kohlendioxid wesentlich zur Vernichtung der Ozonschicht und Klimaerwärmung beiträgt, weiß man nicht erst seit heute.

Dies sind nur einige kurze Betrachtungen über die Wirkung von Tabakerzeugnissen in unserer Gesellschaft. Detailfragen oder Informationen z.B. zum Schulgebrauch können über den "Ärztlichen Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit", Postfach 1244, 85379 Eching, angefordert werden.

(Rolf Gassmann)

[ Inhalt | Übersicht ]


Rauchfreie Schule in Baden-Baden?

Eines unserer höchsten Güter ist die Gesundheit. Wer wollte dies bezweifeln? Verständlich, daß man sich bemüht, alle Gefahren, die sie bedrohen, aufzuspüren und auszuschalten. Ein beachtliches Werk an Gesetzen und Verordnungen ist aufgebaut worden, und auf manchem Gebiet sind auch Erfolge zu verzeichnen. Gilt dies auch für den gefährlichsten modernen Gesundheitsschädiger, das Rauchen? Es ist erwiesenermaßen die mit Abstand bedeutendste Krebsursache; seine schädigende Wirkung auf die Arterien ist unbestritten. Rauchen ist den Ärzten für Lungenkrankheiten das größte Ärgernis. Vergilbende Vorhänge zeigen der Hausfrau, daß auch die nichtrauchende Umwelt durch den Rauch im Laufe der Zeit beeinflußt wird.

Ist diese Gesundheitsgefahr Nr. 1 geringer geworden? Leider nein. Der Zigarettenkonsum steigt; die Raucherkarriere beginnt immer früher, in der Regel während des Schulalters, oft sogar in der Schule.

Eine rauchfreie Schule könnte den Griff zur Zigarette erschweren. Gibt es die rauchfreie Schule in Baden-Baden? Wird sie erstrebt, gewünscht? Wir hoffen es!

(Dr. med. Herbert Petri)

[ Inhalt | Übersicht ]