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Innenschuhversorgung nach Osteomyelitis mit Teilamputation des VorfußesBalsam für die PsycheOSM Hubert Gassenschmidt, Baden-Baden Bei Berücksichtigung kosmetischer Wünsche kann das psychische Wohlbefinden gesteigert und dadurch das Lebenswertgefühl erhöht werden.
Bei einer heute 16jährigen Patientin kam es aufgrund einer Osteomyelitis im Alter von zwei Jahren zu einer Teilamputation des linken Vorfußes mit Teilzerstörung der distalen Tibiaepiphysenftuge. Hieraus resultiert eine Beinverkürzung von zur Zeit 4,5 Zentimetern. Da die junge Patientin Wert auf ihr äußeres Erscheinungsbild legt und stark unter ihrer Behinderung leidet, wurden ihr bereits operative Maßnahmen zur Verbesserung der Situation empfohlen und auch angeboten. Diese wurden von ihr beziehungsweise den Eltern aber abgelehnt, wobei kulturelle Kriterien - sie ist türkischer Nationalität und gläubige Islamanhängerin - eine wesentliche Rolle spielen.
Der erforderliche Ausgleich der Beinlängendifferenz von 4,5 Zentimetern unter dem linken Fuß wurde bis 1987 ebenfalls nicht getragen. Die Patientin akzeptierte lediglich eine Fußbettung mit einem entsprechenden Vorfußersatz. Es drohte dadurch eine irreversible Skoliose, wenn das junge Fräulein den Schuhausgleich nicht akzeptieren sollte.
Nun war guter Rat teuer. - Auf Empfehlung des Facharztes kam ein langes und ausführliches Gespräch zur Erörterung aller konservativer orthopädieschuhtechnischer Möglichkeiten zustande. Die Idee der Versorgung mit einem Innenschuh wurde geboren.
Da die kosmetischen Wünsche mit der Realität nicht ganz in Einklang zu bringen sind, und nun doch ein Innenschuh entsprechend der Indikation angefertigt werden soll, wird der linke, von der Osteomyelitis fehlgebildete Fuß, ausnahmsweise und in Absprache mit dem Arzt etwas in Spitzfußstellung gebracht. Dies macht die Entlastung des in Plantarflexion stehenden ersten Mittelfußknochens allerdings noch schwieriger. Zur weiteren Vervollständigung des Befundes ist anzumerken, daß die Beweglichkeit des oberen Sprunggelenkes stark eingeschränkt ist. Fußaußenrand - respektive Fußinnenrandhebung ist nicht möglich. Beim passiven Durchbewegen sind erhebliche Knorpelgeräusche wahrzunehmen. Der Rückfuß zeigt eine Varusstellung.
Die Anfertigung des Innenschuhes: Das Gipsnegativ wird entsprechend den bekannten Gegebenheiten abgenommen. Alle noch möglichen Korrekturen werden durchgeführt. Nachdem der aus zwei Komponenten aufgeschäumte Leisten fertiggestellt ist, wird eine Fußbettung zum Ausgleich und zur Entlastung des ersten Mittelfußknochens gearbeitet. Der Fußrand wird ausgeglichen, der notwendige Verkürzungsausgleich von 4,5 Zentimeter aufgebaut.
Als erstes wird eine Lage Lunairflex, ein weiches bis mittelfestes Material mit hohen Rückstellkräften, aufgebracht. Das Material muß in unterschiedlicher Stärke stehen bleiben und so bearbeitet sein, daß in Verbindung mit dem Schuh eine gleichmäßige Belastung der gesamten noch verbliebenen Fußsohle erfolgt. Der Tragekomfort wird dadurch erhöht.
Die obligate Stützwalklasche wird in einer Kombination aus Erkoflex und Tepp II ausgeführt- die Vorfußergänzung aus Lunasoft SL/SLW wie der gewohnte Vorfußersatz für die Konfektionsschuhe angefertigt. Da der Farbwunsch der Patientin voll berücksichtigt ist (rot), wird die generelle Ablehnung gegen dieses Hilfsmittel gemildert. Mit dem angelegten Innenschuh zeigt sich ein unauffälliges Gangbild bei ausgeglichener Beinlänge und guter Einstellung der gesamten Beinachse.
Trotz der anfänglichen Skepsis der jungen Dame zeigt sich hier, daß durch die Anwendungsmöglichkeit eines solchen Hilfsmittels in der Regel auch eine kosmetisch günstige und leichte Versorgung bei guter Funktionalität gewährleistet werden kann. Auch ein gutes Gangbild, welches natürlich so unauffällig wie möglich sein soll, resultiert daraus.
Durch die Berücksichtigung des Farbwunsches - ein äußerst ernstzunehmendes Kriterium - wird die erste Hemmung überwunden und das psychische Wohlbefinden gesteigert. Dies stellt nicht nur für die Patientin selbst, sondern für ihre gesamte Umwelt einen großen Vorteil dar.
Daß das Hilfsmittel in dieser Art nun angenommen und tatsächlich getragen wird, zeigt der Wunsch nach einer Neuversorgung in gleicher Art und der verschlissene Innenschuh nach über zweijähriger Tragezeit.
| Bildmaterial
Abb. 1 Unbedingt rot mußte der Innenschuh sein, den sich die junge Patientin wünschte. Da sie großen Wert auf ihr äußeres Erscheinungsbild legt, hatte sie schon in den Jahren zuvor notwendige schuh- orthopädische Hilfsmittel abgelehnt. Es mußte also eine Lösung gefunden werden, die sie auch innerlich annehmen konnte. Als Oberleder für den Innenschuh wurde Wapro Ortho Soft, ein hochwertiges Kalbsleder verwendet. Es wurde, mit modischem Chic, speziell für die Orthopädie entwickelt. Durch die Hydrobierung des Leders wird auch eine sehr gute wasserabweisende Wirkung erzielt, ohne die Atmungsfähigkeit der Lederfaser zu beeinträchtigen. Abb. 2 Der linke Fuß nach Osteomyelitis mit Teilfußamputation des Vorfußes im Alter von zwei Jahren und Zerstörung der distalen Tibiaepiphysenfuge, wie er sich heute darstellt. Abb. 3 Der verschlissene Innenschuh nach mehr als zweijähriger Tragezeit. Abb. 4 Bis 1987 wird lediglich eine Fußbettung mit entsprechendem Vorfußersatz getragen. Abb. 5 Die Beinlängendifferenz von 4,5 Zentimetern ist nicht ausgeglichen. Kontakt
Gassenschmidt-Orthopädie
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